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PULS Playground Special // Sicherheit im Klettern Better safe than Absturz!

Das Tube ist das beliebteste Kletter-Sicherungsgerät, doch seit vergangenem Herbst und einem schweren Unfall im April immer stärker in der Diskussion. Im Playground Special gibt's alle wichtigen Infos zur Sicherheit im Klettern.

Von: Nina Pietschmann & Marc Seibold

Stand: 17.09.2015

Das Tube, das beliebteste Sicherungsgerät der Kletterer, ist seit vergangenen Herbst und einem Artikel im Fachblatt bergundsteigen in der Diskussion. Österreichischer und Deutscher Alpenverein wollen nicht mehr so recht an die Sicherheit des Tubes glauben, das Kletterzentrum Nordhessen hat es nach einem Unfall im April in seinen Routen sogar verboten. Dabei gibt es das richtige Sicherungsgerät sowieso (noch) nicht. Das PULS Playground Special zum Thema "Sicherheit im Klettern" liefert einen Führer durch den Geräte-Dschungel, den Überblick über die aktuelle Tube-Diskussion, Zahlen zur Sicherheit im Sportklettern, Infos zum ersten Sturzsimulator und Tipps zum richtigen Sichern.

Ein kleiner Führer durch den Geräte-Dschungel

Klar, je mehr Leute klettern, umso mehr versuchen die Hersteller, den Markt zu bedienen. Es ist also nicht verwunderlich, dass in den letzten Jahren immer mehr Sicherungsgeräte miteinander konkurrieren, aktuell gibt es über 25 Modelle und Gerätetypen unterschiedlicher Hersteller. Wer mit dem Massensport Klettern anfängt, ist da schnell überfordert. Vor allem, weil die Preise stark variieren. Zwischen 15 und sogar 100 Euro kann man für ein Sicherungsgerät ausgeben. Aber heißt teurer auch gleich sicherer?

Vorweg sei gesagt: Das perfekte Sicherungsgerät gibt es (noch) nicht. Das Wichtigste ist, dass man sich wohlfühlt, das Sicherungsgerät beherrscht und abwägt, in welcher Situation, zum Beispiel bei welchem Gewichtsunterschied zwischen Kletterer und Sicherer, welches Gerät sinnvoll ist. Es lassen sich drei Gerätetypen unterscheiden: Tubes, Autotubes und Halbautomaten.  

Tube 

Tuber sind röhrenförmig gebaut und gehören zu den so genannten dynamischen Sicherungsgeräten. Sie ermöglichen ein schnelles Seilhandling. Außerdem kosten Tubes wenig, sind leicht zu bedienen und flexibel einsetzbar. Es gibt auch extra Alpin-Tubes für Mehrseillängen. Der Nachteil am Tube: Es verzeiht keine Fehler. Wer seine Bremshand nicht unter dem Gerät hält oder sie gar loslässt, der hat so gut wie keine Chance mehr, einen Sturz zu halten.

Autotubes

Autotubes sind streng genommen eine Unterkategorie der Halbautomaten. Die bekanntesten Modelle sind das Smart, das Click-Up, das Megajul und das Ergo. Autotuber funktionieren ähnlich wie das Tube, haben aber eine Blockierunterstützung und damit eine größere Bremskraft. Sie sind deswegen besonders gut für leichte Menschen mit wenig Handkraft  geeignet. Auch bei Autotubes ist es wichtig, die Bremshand unter dem Gerät zu halten.

Halbautomaten

Egal ob Grigri, Eddy oder Matik - alle Halbautomaten haben im Inneren einen drehbaren Bremsbacken. Der klemmt das Seil fest, wenn es schnell belastet wird. Dieser Gerätetyp blockiert das Seil fast automatisch und bietet deswegen ein Sicherheitsplus beim Sturz. Halbautomaten blockieren, egal wie der Sicherer seine Hand hält. Oft denken Kletterer deshalb, dass diese Geräte Stürze immer halten. Fakt ist: Es gibt auch bei Halbautomaten Sicherheitslücken und Situationen, in denen das Seil durchrauschen kann. Deswegen gilt hier genauso: Nie die Bremshand vom Seil nehmen!

Stirbt das Tube aus? 

Das Tube ist nach wie vor das beliebteste Sicherungsgerät unter Kletterern, auch wenn Autotubes und Halbautomaten aufholen. Nach einer DAV-Studie haben 2014 fast 60 Prozent der Kletterer in Deutschland mit Tube gesichert. Doch die Zahlen werden in naher Zukunft wohl zurückgehen. Denn über kein anderes Sicherungsgerät wird so heftig diskutiert. Das liegt zum einen daran, dass statistisch gesehen etwas mehr Unfälle mit dem Tube passieren als mit Autotubes und Halbautomaten. Auslöser ist aber auch ein Artikel von Thomas Lammel in der Fachzeitschrift "bergundsteigen 3/13".

Der Sicherheitsingenieur schreibt, dass Tubes, sogar wenn man sie richtig bedient, in seltenen Fällen zum Sturz bis auf den Boden führen können. Seitdem folgt ein Artikel auf den anderen, eine Stellungnahme auf die andere. Offenbar glauben immer weniger Kletterexperten an die Sicherheit der Tuber. Oder wie ist es sonst zu verstehen, dass der Österreichische Alpenverein jetzt Anfängern empfiehlt, mit Autotubes oder Halbautomaten sichern zu lernen, weil die – eben im Gegensatz zum Tube – Sicherheitsreserven bieten würden?  

Christoph Hummel, DAV-Sicherheitsforschung

Und auch in Kursen des Deutschen Alpenvereins wird das Tube höchstwahrscheinlich nicht mehr zu sehen sein. Denn der DAV hat wie schon länger geplant eine ähnliche Empfehlung für Anfänger und Gelegenheitskletterer ausgesprochen . Christoph Hummel von der DAV-Sicherheitsforschung betont aber: "Der DAV sagt nicht, dass Sichern mit Tube verantwortungslos ist. Man kann damit sicher sichern, wenn man es richtig bedient." Das DAV Kletterzentrum Nordhessen in Kassel sieht das ganz anders. Dort darf nach einem schweren Kletterunfall seit ein paar Wochen nicht mehr mit Tube gesichert werden. Das Verbot gilt für alle, egal, ob Anfänger oder erfahrener Kletterer. Der Hallenbetreiber begründet seine Entscheidung ähnlich wie Thomas Lammel mit einem Systemfehler des Geräts.

"Um Seil ein- oder auszugeben, muss die sichere Handposition, mit der Bremshand unten, zwangsläufig verlassen werden. Die gewünschte Sicherungswirkung wird immer wieder für einen mehr oder weniger kurzen Zeitraum außer Kraft gesetzt. Wenn in diesem Moment ein für den Sichernden überraschender Sturz erfolgt, besteht das Risiko, dass es nicht mehr gelingt, die Bremshand schnell genug unter das Gerät zu bekommen. Ein Halten ist nicht mehr möglich und der Bodensturz damit programmiert. In der Vergangenheit wurde häufig damit argumentiert, dass diese Situation einem erfahrenen und aufmerksamen Sicherer nicht passieren könne. Wir halten diese Position für bedenklich, damit wird die Schuld einseitig dem Kletterer zugeschoben."

(DAV Kletterzentrum Nordhessen)

Vorschnell, meinen einige. Kletterer werden bevormundet, meinen andere. Georg Hoffmann, Betreiber des DAV Kletterzentrums Stuttgart ist ein Verfechter des Tubes, zumindest in bestimmten Situationen. Er trainiert den Landeskader in Baden-Württemberg und ist der Ansicht, dass zum Beispiel Wettkampfkletterer, die ständig weit stürzen, nur mit dem Tube ausreichend dynamisch und damit sicher gesichert werden können. Er hält die Entscheidung seines Kollegen in Kassel gar für gefährlich, weil damit Kletterer von heute auf morgen gezwungen würden, auf ein für sie völlig neues Gerät umzusteigen.

Keine Angst: Sportklettern ist ziemlich safe

Sportklettern ist generell sehr sicher, ob am Fels oder in der Halle. Dafür, dass aktuell geschätzt rund eine halbe Million Leute in Deutschland klettern, passiert extrem wenig. Christoph Hummel hat mit seinen Kollegen von der DAV-Sicherheitsforschung  ausgerechnet, zu wie vielen Unfällen es in der Halle kommt: "Man muss über 100 Jahre lang zweimal pro Woche drei Stunden klettern, dass statistisch gesehen ein Unfall passiert." Dass es beim Sportklettern nur wenige Unfälle gibt, liegt daran, dass zwei Dinge auf einmal passieren müssen: Der Sicherer muss einen Fehler machen und zeitgleich der Kletterer ins Seil stürzen. Das geschieht zum Glück selten. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich aber, je schwerer man klettert. Denn ab dem sechsten oder siebten Schwierigkeitsgrad gehört Stürzen zwangsläufig dazu. 2012 und 2013 haben 31 DAV-Hallen 161 Kletterunfälle gemeldet, bei denen einen Krankenwagen kommen musste. Fast 80 Prozent davon sind beim Vorsteigen passiert. Und meistens ist laut Statistik der Sicherer Schuld, weil er sein Gerät nicht richtig im Griff hatte, zu weit weg von der Wand stand oder zu viel Schlappseil gelassen hatte.

Sichern ist nicht gleich sichern

"Hey Du. Ich komm. Mach zu, Vorsicht." Viele klettern und haben trotzdem Schiss vor einem Sturz. Deswegen fallen sie entweder nicht oder wenn, dann nur nach Ansage. Das führt natürlich auch dazu, dass der Sicherungspartner keine überraschenden Stürze üben kann.

Im DAV Kletterzentrum Stuttgart gibt es deswegen seit kurzem einen Crash Test Dummy. Noch ist der Sturz- und Sicherungssimulator ein Prototyp, aber schon bald könnte er auch in vielen anderen Kletterhallen stehen. Drei blaue Puppen mit unterschiedlichem Gewicht von 45 bis 85 Kilo dienen als Sturz-Versuchskaninchen. Per Knopfdruck werden die menschenähnlichen Kletterer an einer zwölf Meter langen Schiene hoch- und runtergefahren. An jeder Stelle können sie plötzlich ins Seil fallen, egal ob im Toprope, im Vorstieg oder beim Zurückklettern. Das Einhängen der Haken kann simuliert werden genauso wie ein Sturz in Bodennähe oder ein überstrecktes Klippen. Mit den Crash Test Dummies kann also jede erdenkliche Sturz- und Sicherungssituation trainiert werden, die mit echten Menschen viel zu gefährlich wäre. Sicherer können so erleben, welche  Kräfte wirken, wenn der Kletterer 20 Kilo mehr wiegt und vor dem fünften Haken plötzlich ins Seil stürzt. Emotional ist das Training übrigens auch - denn selbst eine Puppe sieht niemand gerne auf den Boden aufschlagen.

Der Kletter darf maximal ein Drittel mehr wiegen als der Sichernde.

Wer einen Sturz halten kann, ist nicht automatisch gleich ein guter Sicherer. Denn Sichern ist weit mehr als nur Seil ausgeben, einholen und "zu" machen, also die Bremshand nach unten halten. Für Christoph Hummel von der DAV-Sicherheitsforschung heißt gut sichern: "Ständig aufmerksam sein und nach oben schauen. Das Seil im bodennahen Bereich möglichst straff halten und ganz präzise ein- und ausgeben. Wenn der Kletterer weiter oben ist, einen Sturz weich abfangen können, damit kein Ruck auf die Wirbelsäule kommt."

Außerdem gibt ein guter Sicherer im richtigen Moment genug Seil aus, damit der Kletterer nicht unnötig daran ziehen muss und dadurch Kraft verliert. Er beobachtet - egal ob am Fels oder in der Halle - wie das Seil verläuft, wie weit der Kletterer fallen könnte und ob vielleicht eine Dachkante, eine Platte oder ein Band gefährlich werden können. Und ein guter Sicherer weiß, wie er seinen Körper aktiv einsetzen muss, um einen Sturz weich abzufangen. Der Kletterer muss sich zu 100 Prozent auf den, der da unten steht, verlassen können. Es geht schließlich um sein Leben. Und auch deswegen kann ein Kletterer nur so gut sein wie sein Sicherer ist.

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Lutz Lang, Sonntag, 17.Mai, 07:25 Uhr

2. Trügerische Sicherheit

"Wenn ich mich selbst nicht um etwas kümmern will oder kann, dann brauche ich etwas, das es für mich macht." So oder so ähnlich bekommen wir es von unserer Gesellschaft und besonders von der Industrie immer wieder gesagt. Nicht ich muß meine Fähigkeiten an die Situation anpassen, sondern die Umstände müssen an meine Bequemlichkeit angepasst werden.
Dieses "nicht mehr einfordern von Fähigkeiten" sorgt dafür, daß wir uns nicht mehr mit dem, was wir machen, intensiv auseinandersetzen. Und dann können wir es nicht, wenn es darauf ankommt!
Nicht das Gerät ist zu "verteufeln", sondern der unzureichende Umgang damit. Bewusstsein für die Handlung ist wichtig! Viel sehen Sichern als die "lästige Begleiterscheinung beim Klettern" an.
Sichern ist der wichtige Teil des Klettern, das muß bei den Kletterern ankommen. Dann hört auch die Unaufmerksamkeit und der falsche Umgang aus Unwissenheit auf. JEDES Sicherungsgerät ist nur so sicher wie der, der es bedient!

Eric , Donnerstag, 30.April, 09:40 Uhr

1. Manuelle Sicherungsgeräte gegen Autotubes und Halbautomaten

Ich finde es sehr schade, dass gerade sogenannte "Fachleute" Dinge behaupten, die fachlich nicht korrekt sind.
z.B. dass man mit Halbautomaten nicht dynamisch sichern kann oder dass das Seilgeben im Vorstieg nicht so schnell geht wie mit manuellen Geräten. Mit Autotubes und Halbautomaten kann man sehr schnell Seil geben und auch dynamisch sichern. Jede andere Behauptung ist schlichtweg falsch u. inkompetent.
Betreffend Sicherheit, gibt es eigentlich "NULL" Diskussion. Und dass ein Tube große Sicherheitslücken hat steht auch fest. Die höchste Sicherheit hat man mit dem Gerät mit den meisten Sicherheitsreserven, wenn man dieses Gerät lückenlos beherrscht und verantwortungsvoll sichert.
Sicheres Gerät (z.B. Eddy), mit Fehlbedienung, ist gefährlich.
Gefährliches Gerät (z.B. Tube), perfekt beherrscht, ist gefährlich.
Sicheres Gerät, perfekt beherrscht, ist "Best Practice".
d.h. >> lernen wie man "sichere" Geräte "perfekt" beherrscht. Nur so wird man seiner Verantwortung gerecht !