Kreativer Wahlkampf Politiker, macht euch mal locker!

Wahlkampf in Deutschland ist immer ziemlich Gäääähn! Und oft geht er an der Zielgruppe vorbei. Dabei geht es auch ganz anders. Ein paar Beispiele - nur so zur Inspiration.

Von: Tobias Zervos

Stand: 14.07.2017

Mann zieht sich Stock aus dem Arsch | Bild: BR/Max Fesl

Wahlkampf in Deutschland hat ja ein bisschen was von diesem Werbespot der Sparkasse: Da sitzen die Mitarbeiter einer Bank um einen Tisch und planen eine Marketing-Kampagne, um neue Kunden zu gewinnen. Die erste Idee: bunte Fähnchen! Ähnlich kreativ sind die meisten Wahlkampfveranstaltungen in Fußgängerzonen. Fähnchen oder bunte Ballons – wahlweise in schwarz, rot oder grün – vollgeklatscht mit Parteilogo und irgendeinem x-beliebigen Slogan. Gääääähn!

Warum nicht mal ein Wahlkampf wie in Südkorea?! Das wäre doch was! Der Präsidentschaftskandidat Moon Jae-in hatte da offenbar so eine Eingebung: "Wenn hier alle wie blöd zocken, dann muss ich doch einfach irgendwie dabei sein. Und zack – hab ich die auf meiner Seite!" Was also tun? Er hat sich Starcraft geschnappt – das Kult-Action-Strategie-Game von 1998. Das gibt es mittlerweile kostenlos und ist ein Renner in Korea. Für genau dieses Spiel hat er dann zwei Karten gebastelt. Die kann jeder kostenlos runterladen und in großen Buchstaben seinen Namen lesen: M O O N hat er mit ein paar Mineraldepots auf den Karten platziert. Und was ist Moon Jae-in heute? Genau: Präsident von Südkorea. Bäm. Denkt da mal drüber nach, ihr lieben Politiker - die, die ihr die junge Zielgruppe nur ach so schwer erreicht. Immerhin eröffnet Bundeskanzlerin Angela Merkel in diesem Jahr zum ersten mal die Computerspielemesse Gamescom.

Bilderbücher statt Wahlprogramme

Auch ein Problem: Wahlprogramme sind dick, unkonkret und vor allem: in fiesem Beamtendeutsch geschrieben! Von Bildern ganz zu schweigen. Was bringen die tollsten Ideen und löblichen Ziele, wenn keiner liest, was da ausgeheckt wurde?

Warum machen es die SPD oder CDU nicht mal so wie die spanische Links-Partei Podemos?

Zur Parlamentswahl letzten Sommer haben die ihr 192 Seiten starkes Wahlprogramm einfach mal als IKEA-Katalog gedruckt. Alles komplett im Style des schwedischen Möbelhauses.

Statt Billy-Regal, Pax oder Malm sieht man die Kandidaten in Wohnzimmer-Atmo. Dazu kurze Sätze, wichtige Zahlen und Fakten schön hervorgehoben. Das bleibt hängen.

Einfach singen, singen, singen

Aber: Man muss gar nicht über Ländergrenzen hinweg schauen. Gute Inspiration gibt’s auch auf dem Dorf. Da gibt‘s Leute, die gehen mal raus aus der politischen Komfortzone, die probieren was Neues:


Okay, zugegeben! Dieser Wahlkampfsong von SPD-Kandidat Mario Hennig für Sachsen-Anhalt ist ne Vollkatastrophe. Aber das lebt doch wenigstens - kreativ und bleibt im Gedächtnis!

Match me if you can

Und wenn gar nichts mehr hilft, dann müssen die Politiker mit dem Wähler halt in die Kiste. Halt, stopp! Nur bei Tinder natürlich. Viele Politiker im In- und Ausland machen das auch schon. Denn da lässt sich ganz easy und bequem die Altersgruppe festlegen und auf eine bestimmte Umgebung eingrenzen. Und schwupps, bekommt man Wähler zum Chatten. Noch ein sympathisches Foto rein und der ein oder andere Match dürfte sicher sein.

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