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Engagement für Asylbewerber "Waakirchen ist kein rassistisches Dorf!"

In Waakirchen am Tegernsee sind aktuell 20 Asylbewerber untergebracht. Ein Einwohner aus der Region hatte sich dazu PULS gegenüber rassistisch geäußert. Der engagierte Waakirchener Sebastian Krüger hat darauf jetzt reagiert - mit einem Pro-Integrationsvideo.

Von: Ralph Glander

Stand: 03.07.2015

Integration in Waakirchen Fußballmannschaft | Bild: Sebastian Krüger

"Die Neger - Bairisch g’sagt - die können wir ned brauchen. Die passen ned zu uns." Aussagen wie diese fallen leider immer noch regelmäßig in einigen Eckkneipen der Republik. Im Fernsehen hört man sie eher selten. Außer vor kurzem bei PULS, da hat Josef aus Schaftlach nämlich genau das gesagt. Und das hatte Folgen. Aber der Reihe nach.

PULS-Reporterin Ariane hat sich auf die Suche nach den knapp 20 Prozent der Deutschen gemacht, die laut der Studie der Uni Leipzig "Die stabilisierte Mitte. Rechtsextreme Einstellung in Deutschland 2014" ausländerfeindlich eingestellt sind. Die Suche führte sie nach München und schließlich auch nach Waakirchen am Tegernsee, wo 20 Asylbewerber eine Massenunterkunft neben einem Kegelheim bezogen hatten. Einige Kegelbrüder, die den Asylbewerbern ablehnend gegenüberstehen, blieben daraufhin der Kegelstube fern. In der Kegelstube traf Ariane auf Josef, der sich eindeutig rassistisch über die Asylbewerber äußerte. Der Beitrag sorgte in der Region für Furore. Auch der 21-jährige Sebastian Krüger war zunächst wütend. Auf Josef und auf PULS. Sebastian ist gebürtiger Waakirchener und sowohl Mitglied der örtlichen Fußballmannschaft als auch einer Helfergruppe, welche die Asylbewerber mit Sprachkursen und anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten unterstützt. Als er Josef in dem Beitrag sah, war er ziemlich aufgewühlt.

"Wie blöd kann man eigentlich sein, dass man so etwas in die Kamera sagt und sich als Rassist bloßstellt? Vielmehr habe ich mich aber dann auch darüber aufgeregt, dass gerade wir hier in Waakirchen darauf schauen, dass es den Asylbewerbern gut geht. Und dann stellt so jemand unsere ganze Arbeit in ein Licht, das überhaupt nicht der Realität entspricht."

(Sebastian Krüger)

Sebastian konnte und wollte die Geschichte nicht so stehen lassen. Schnell entstand die Idee, ein Video über die Integrationsarbeit in Waakirchen auf die Beine zu stellen, das zeigen sollte, wie gut und harmonisch die Integration in Waakirchen in Wahrheit abläuft. Zusammen mit der örtlichen Helfergruppe, dem Bürgermeister Sepp Hartl, der Fußballmannschaft und natürlich den betroffenen Asylbewerbern selbst, entstand in kurzer Zeit Sebastians Video:

Das Video hat eine klare Message: Asylbewerber und Waakirchener passen bestens zusammen. Die Reaktionen auf Sebastians Video bestätigen das:

"Die Resonanzen auf das Video waren bis jetzt durchweg positiv. Ich weiß natürlich, dass ich kein Fernsehprofi bin, auch wenn ich gerade bei Sport 1 ein Praktikum gemacht habe, aber gerade deswegen ist das Video vielleicht auch so authentisch. Es ging einfach nur darum zu zeigen, dass Waakirchen kein rassistisches Dorf ist."

(Sebastian Krüger)

Gegenüber PULS hegt Sebastian mittlerweile keinen Groll mehr.

"Ich weiß, dass ihr in eurer Sendung nicht zeigen wolltet, dass Waakirchen rassistisch ist, sondern auf der Suche nach einem dieser besagten 20 Prozent wart, die Flüchtlingen rassistisch gegenüber eingestellt sind. Und da seid ihr eben dummerweise bei uns fündig geworden."

(Sebastian Krüger)

Was uns wieder zurück zu Josef bringt - jemanden, den man so oder so ähnlich in der Tat leider überall antreffen kann.

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