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Interview mit pegida-mag-dich.de Wem Pegida gefällt, gefällt auch...

Pegida-Anhänger lassen sich ungern erforschen. Aber ihre Facebookprofile verraten viel über sie. Was Fans von Pegida noch so gefällt, kann man jetzt auf pegida-mag-dich.de nachlesen. Wir haben mit den anonymen Machern gesprochen.

Stand: 29.01.2015

brauner Facebook-Daumen | Bild: BR-Montage

Es scheint, als zersetzt sich Pegida langsam aber sicher. Erst verabschiedet sich Lutz Bachmann aus der Führungsriege, denn folgt ihm Pressesprecherin Kathrin Oertel. Pegida-Anhänger gibt es aber noch immer jede Menge. Und es bleibt die Frage: Was sind das eigentlich für Menschen?

Diese Frage versucht die Seite "Pegida mag dich" zu beantworten. Forschungsobjekt sind die öffentlichen Facebook-Profile von Menschen, die Pegida gelikt haben oder sich für eine der Montagsdemonstrationen angemeldet haben.

Das Ergebnis der "Studie", die keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, ist trotzdem interessant. Der durchschnittliche Pegida-Liker ist zwischen 30 und 39 Jahre alt und männlich. Die Mehrheit der 17.262 erfassten Pegida-Liker gibt an, selbstständig zu sein, 254 sind Angestellte der Bundeswehr und 49 sind Rentner. Nach dem Prinzip 'Wem Pegida gefällt, dem gefällt auch...' haben die Macher außerdem eine Top-30-Liste erstellt. Auf den obersten Plätzen rangieren Seiten wie die "Alternative für Deutschland", "Anonymous", "Amazon", "Made My Day", "Ich bin Patriot aber kein Nazi", "Faktastisch" und "Mario Barth".

Die Macher des Projekts wollen anonym bleiben. Per E-Mail haben sie uns dennoch einige Fragen beantwortet.

PULS: Wer seid ihr und woher kommt ihr?

pegida-mag-dich.de: Wer wir sind, wollen wir nicht sagen. Nur so viel: Wir kommen aus Dresden.

Was wollt ihr mit eurer Seite erreichen?

Uns hat die Zusammensetzung von Pegida interessiert. Unsere Erkenntnisse wollten wir nicht nur für uns behalten. Wir sind uns bewusst, dass Facebook-Daten nicht verlässlich sind, wir sind auch keine "richtigen" Statistiker oder Sozialforscher. Daher ist die Seite auch als eine Mischform aus Satire und "richtiger" Information gestaltet. Wir finden man sollte das alles - Pegida und die mediale Beschäftigung mit Pegida - auch nicht so ernst nehmen.

Wie seid ihr an die Daten gekommen? Habt ihr sie ausgelesen oder habt ihr wirklich Like für Like durchgeklickt?

Das automatisierte Sammeln von Daten ohne Genehmigung von Facebook verbietet deren AGB. Das legt Option 2 nahe.

Habt ihr auch Pegida-Fans direkt angeschrieben?

Nein. 

Was findet ihr an eurer Analyse selbst am überraschendsten?

Hm, eine schwierige Frage. Irgendwie zeigen die meisten Analysen ja dann doch Sachen, die man schon geahnt oder gewusst hat. Wenn man sich zum Beispiel die Pegida-Demos live vor Ort oder in der Übertragung ansieht, dann sieht man ja auch, wer da hin geht und kann diese Leute zumindest anhand des Äußeren einordnen. Am Anfang gab es noch Überraschungen, zum Beispiel als noch nicht bekannt war, wie groß der Anteil der AfD-Anhänger bei Pegida ist. Da haben wir schon gestaunt und uns gesagt: Ah, daher weht der Wind. Danach hat uns eher die gefühlte Normalität überrascht, das kann aber auch ein Trugschluss sein.

Für wie valide haltet ihr die Daten?

Wir denken, die Validität schwankt von Kategorie zu Kategorie. Die Facebook-Angaben sind freiwillig und jeder kann dort angeben, was er will. Eine Überprüfung ist nicht möglich. Das ist aber auch bei Umfragen unter den Demonstrations-Teilnehmern schwer. Die 'Gefällt mir'-Angaben und das Geschlecht halten wir für recht valide. Ausbildung und Beruf nicht so sehr. Das genaue Alter geben nur wenige an. Wir versuchen die Schwachstellen möglichst transparent zu machen, so dass sich jeder an der Kritik beteiligen kann.

Ob Facebook-Daten generell repräsentativ für die reale Welt sind, wissen wir nicht. Aber Pegida ist oder war primär auch ein Facebook- und Medienphänomen, deshalb gehen wir also schon davon aus, dass es eine gewisse Korrelation zwischen den Analysen und der Realität gibt.  

Werdet ihr noch weiter auswerten?

Was häufig in den Auswertungen noch fehlt, ist eine Gegenüberstellung zu den 'Normalen' oder zu 'Allen'. Zum Beispiel in der Like-Statistik. Wenn 4.000 Pegida-Fans Amazon liken und damit auf Platz 4 kommen, dann klingt das erstmal so, also ob nur denen Amazon sehr wichtig ist. Wenn man dann aber betrachtet, dass Amazon insgesamt 4 Millionen Likes hat, dann fallen die 4.000 von Pegida nicht ins Gewicht. Sie verhalten sich da auch nicht anders als der Rest der Bevölkerung. Voreilige Schlüsse sollte man da vermeiden. Und diesen Teil werden wir auch noch nachreichen.

Es fehlen auch noch Daten. Zum Beispiel haben wir unter den Likes nur die 'Sonstigen' erfasst, da dort politische Parteien und Organisationen auftauchen. Kategorisierte Likes wie Bücher, Musik und so weiter fehlen. 

Wie lange wird es Pegida eurer Meinung nach noch geben? Glaubt ihr, dass mit dem Führungsstreit innerhalb von Pegida  und der abgesagten Demo in Dresden der Pegida-Bewegung bald der Boden entzogen wird?

Pegida selbst ist durch, denken wir. Das was Pegida vertritt oder vertreten hat aber nicht. Etwas davon ist in Teilen der Gesellschaft durch Pegida salonfähig geworden. Man darf jetzt sagen, dass man Ausländer scheiße findet, und man traut sich das auch fernab des Stammtisches. Zudem integrieren die AfD und die CDU bereits die Konkursmasse von Pegida, das beobachten wir zumindest in Sachsen.

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Barney J., Samstag, 31.Januar, 16:56 Uhr

2. Pegida ist nicht mainstream

In unserer Gesellschaft läuft vieles aus dem Ruder. Unsere Politiker beschäftigen sich derweil
mit anderen Dingen ..... bis hin zu Porno-Seiten und Edathy.
Eine verfehlte Asylpolitik. Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander.
Altersarmut einerseits und skandalös hohe Managergehälter andererseits.
Fusionen internationaler Konzerne und Kartelle der Mächtigen.
Die Medien hätten ein Korrektiv sein können. Sie sind es nicht.
Stattdessen sind die Medien die willfährige Kavallerie des Establishments.
Und facebook überwacht die Menschen in bisher ungeahntem Ausmaß.
Opium für das Volk, von RTL über SZ bis BILD-Zeitung. Panem et circenses.
Kritische Leserbriefe werden zensiert, Kommentare nicht freigeschaltet.
Pegida wollte diese Fesseln sprengen. Wie sehr das stört, zeigten unflätige
Politikerzitate und eine Schmutzkampagne der Medien.
Die Menschen von Pegida hatten Zivilcourage. Die Demokratie wird
nicht vom Sofa aus verteidigt.

Samuel, Freitag, 30.Januar, 13:19 Uhr

1. Jaja die Fakten ...

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/arbeitslosenzahlen/hartz-iv-hohe-qouten-bei-auslaendern-22083758.bild.html