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Ein Kommentar zur BILD-Kampagne "Wir helfen“ Mann, ist der Diekmann

BILD-Chefredakteur Kai Diekmann disst den FC St. Pauli. Denn der Verein möchte das "Wir Helfen"-Logo der BILD-Flüchtlingskampagne nicht auf seinen Trikots haben. Der einzige, der sich damit ins Abseits stellt, ist Diekmann selbst.

Von: Laury Reichart

Stand: 17.09.2015 | Archiv

Kai Diekmann vor einem Bild der BILD-Zeitung | Bild: picture-alliance/dpa

Es war schon etwas überraschend: Ausgerechnet die BILD-Zeitung, die bisher nicht für ihre ausgewogene Berichterstattung bekannt war, entdeckt plötzlich ihre solidarische Seite gegenüber Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen. Heraus kam das große grüne "Wir Helfen"-Logo, das seit kurzem von Granden aus Sport, Wirtschaft und Unterhaltung in jede zweite Kamera gehalten wird.

Am kommenden Wochenende werden auch die Mannschaften der 1. und 2. Bundesliga mit diesem Logo auf dem Arm in die Stadien der Republik einlaufen. Alle bis auf eine.

Der FC St. Pauli hat sich entschlossen, bei der von BILD lancierten, angeblichen Solidaritätsaktion nicht mitzumachen. Und wird seitdem unter anderem von BILD-Chef Kai Diekmann auf Twitter mit Sprüchen wie "darüber wird sich die AFD freuen: beim FC St. Pauli sind Refugees Not Welcome" bedacht. Kai Diekmanns Logik: Wer nicht für die Bild-Kampagne ist, ist gegen Flüchtlinge.

Über die Albernheit dieser Tweets müssen wir nicht reden. Der FC St. Pauli ist seit jeher bekannt für sein politisches und soziales Engagement, das auch in den Leitlinien des Vereins verankert ist. Die Hamburger machen sich seit Jahren für Flüchtlinge stark, laden sie zu Spielen ein. Kein Verein in Deutschland hat sich bei diesem Thema so früh so klar positioniert, genauso wie seine Anhänger.

Engagement für Flüchtlinge ist kein Internet-Meme

Das weiß natürlich auch Kai Diekmann. Seine Tweets sind boshaft, kalkuliert - und (Gott sei dank) entlarvend. Sie zeigen, dass die "Wir Helfen"-Kampagne lediglich eine als Geste der Menschlichkeit getarnte, groß angelegte und preiswerte Promoaktion für die BILD ist. Ganz nebenbei lenkt sie auch noch von den eigenen fremdenfeindlichen Zündeleien ab, die bei BILD seit Jahrzehnten an der Tagesordnung waren und bald wieder sein werden. Denn: Für Diekmann ist die humanitäre Katastrophe, die sich vor unserer Haustür abspielt, nur die Kulisse für eine Selbstinszenierung, die an Zynismus schwer zu überbieten ist.

Nicht falsch verstehen: Alle Soli-Konzerte, Benefiz-Galas und auch die überfüllten Dienstpläne der Freiwilligen Helfer sind wichtig und notwendig. Aber: Liebe Fußballer, Schauspieler, Musiker und wir, die wir mit "Refugees Welcome"-T-Shirts durch die Gegend laufen - lasst uns alle dafür sorgen, dass die Welle der Solidarität mehr ist als eine Ice Bucket Challenge 2.0. Engagement für Flüchtlinge ist kein Internet-Meme, das kurz aufploppt, keine Fernsehgala mit Promis und kein Selfie, das die Timeline schmückt. Engagement für Flüchtlinge ist das, was wir brauchen, wenn die Kameras schon längst wieder woanders hinschauen und die BILD wieder über "Angst vor Attacken im Asyl-Hotel" berichtet.

Schlagworte:
gesellschaft
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the notwister, Sonntag, 08.November, 05:27 Uhr

10. diekmann

ach diekmann,

Du machst es einem ja soooooooooo leicht, Dich von ganzem herzen zu hahahassen! Und Lionel Ritchie croont dazu: I just called to say I hate you.

Man stelle sich einmal kurz eine welt vor: ohne Büld, monsanto, goldman sachs und die london city boys.

Jedenfalls: Diese zeitung hat mit mir auch noch keinen pfennig oder cent an umsatz gemacht, und dass als einziger club nur pauli die eier hat, die "ehre" abzulehnen, sich für diekmann´s heuchler-postille vor den PR-karren spannen zu lassen, ist einerseits schade, zeigt aber andererseits, dass imho viele clubs sich darüber einfach keine weiteren gedanken gemacht haben. Die wollten halt einfach ein pos. zeichen setzen und helfen.

Fazit: Beifall für den entlarvenden Beitrag und auch für pauli!

Andrzej Wiencek, Samstag, 26.September, 14:08 Uhr

9. Er sieht ja doch ziemlich gepisst aus auf dem Foto.

Eine gewisse Ähnlichkeit zu Michael Douglas im Film Falling Down lässt sich da nicht bestreiten. Auch wenn es ein Archivfoto ist.

Viva Sankt Pauli, Sonntag, 20.September, 10:43 Uhr

8. erst recherchieren

Herr BILD-Chefredakteur,

selbst die Leute übern Ozean haben es mit bekommen!

http://www.nytimes.com/2015/09/10/sports/soccer/german-soccer-clubs-open-their-gates-to-refugees.html

Soeckchen, Samstag, 19.September, 10:02 Uhr

7. Stimme dem voll zu

Claus von Wagner sagte mal: "Wer glaubt, durch die Bildzeitung informiert zu sein, der trinkt auch Schnaps wenn er durstig ist."

In ein paar Wochen wird die "BLÖD" dann wieder Ängste und Ressentiments gegen Asylbewerber schüren und in den Emigranten angebliche Kämpfer des "IS" sehen. Ich für meinen Teil boykottiere grundsätzlich alles aus dem Axel-Springer-Verlag. Das Gleiche mache ich auch mit allem was aus den Häusern Burda und Bertelsmann kommt.

"BLÖD bleibt wer sich "BILDen" lässt."

Heja BVB, Freitag, 18.September, 21:05 Uhr

6. Bild hilft

ein super Kommentar der wirklich alles aussagt. BILD eine kostengünstige Promo Aktion und zündelt selbst weiter. Respekt St. Pauli. Warum folgt aus Liga 1 keiner. Über Stiftungen und Aktionen macht jeder Verein sehr viel. Schalke und der Bvb zusammen. So soll es sein. BILD brauchen wir dazu nicht