A$AP Rocky feat. Miguel & Mark Ronson Everyday 04:10 min

Im Popjahr 2015 entdecken freshe Rapper alte Helden: Für "Everyday" sampeln A$AP Rocky und Mark Ronson Rod Stewarts Vocals aus dem Song "In A Broken Dream" von 1970.

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Interview // Rechte Online-Hetze Kampf dem Hass

Eine Gruppe in Österreich geht systematisch gegen rassistische Online-Hetze vor. Einem 17-Jährigen wurde ihretwegen gekündigt. Aber auch für die Gruppe hat das Folgen: Jetzt bekommt sie den Hass ab, berichtet uns der Gründer.

Von: Oliver Stroh

Stand: 29.07.2015

Hass-Kommentare | Bild: BR

In sozialen Medien verbreiten Rassisten oft schamlos ihre Hetz-Botschaften gegen Flüchtlinge - und immer häufiger hat das für sie auch rechtliche Konsequenzen. In Passau wurde diese Woche ein 25-Jähriger für einen rassistischen Kommentar auf Facebook zu 7500 Euro Strafe verurteilt, letzten Monat musste eine Frau aus Pfarrkirchen für ein Posting 500 Euro zahlen. Oft sind es Privatleute, die diese Menschen anzeigen. In Österreich ist seit etwa zwei Wochen eine Gruppe aktiv, die systematisch entsprechende Kommentatoren dem Verfassungsschutz meldet. Das prominenteste Resultat: Ein 17-jähriger KFZ-Azubi verlor seinen Job bei Porsche. Wir haben mit dem Gründer der Gruppe "Glorious Bastards", gesprochen.

PULS: Der Lehrling, der dem syrischen Mädchen auf Facebook den Flammenwerfer gewünscht hat, hat seinen Job verloren. Seid ihr zufrieden mit dem, was da passiert ist?

"Zufrieden" kann man da nicht sein. Jede Medaille hat immer mindestens zwei Seiten. Porsche musste so handeln als internationaler Konzern. Auf der anderen Seite sehe ich, dass bei einem so jungen Menschen diese Meinung irgendwo herkommen muss, dass es Einflüsse von außen gibt. Das haben wir recherchiert und wir sind da zusammen mit anderen Gruppen dran und strecken ihm die Hand aus. Wir sind auch mit Porsche in Kontakt, und haben ihm angeboten bei einem Integrations-Fußballturnier mitzumachen, und in einer Mannschaft mit syrischen Jugendlichen mitzuspielen. Soweit ich weiß, will er das jetzt auch tun. Es wäre ja auch nicht zielführend, wenn sich so ein junger Mensch jetzt verschließt und komplett dem rechten Lager zuwendet. Aber die Lektion war schon nötig.

Hat der Vorfall mit dem Jungen irgendwelche Konsequenzen für euch?

Wir bleiben weiter dabei: Wenn jemand solche Kommentare schreibt und der Tatbestand erfüllt ist, kriegt er eine Anzeige. Wir haben uns aber intern darauf geeinigt, ohne nachzufragen nur Leute über 18 Jahren anzuzeigen. Wenn jemand jünger ist, schreiben wir denjenigen zum Beispiel an und sagen ihm, dass er diesen Kommentar löschen muss. Wenn er ihn nicht löscht, zeigen wir ihn an. Wir wollen das also etwas sensibilisierter angehen. Aber in Österreich ist man ab 14 Jahren strafmündig, darf ab 16 Jahren wählen, dann muss sich jemand mit 17 Jahren auch bewusst sein, welche Konsequenzen sein Posting haben kann.

Wonach entscheidet ihr, wen ihr anzeigt?

Wir haben Juristen in der Gruppe, die sich damit tatsächlich beruflich auseinandersetzen. Die prüfen den Sachverhalt und auch den Tatbestand. Wenn der erfüllt ist, bekommen wir das Go und leiten die Sache an den Verfassungsschutz weiter.

Was war für dich der Anlass, diese Gruppe zu gründen?

In der österreichischen Politik findet seit Monaten eine Hetzkampagne gegen Flüchtlinge statt - von mehreren Parteien. Auch in Artikeln und Posts auf Facebook. Das ist alles eher unterschwellig, aber der richtige Hass entlädt sich dann in den Kommentaren. Kritische Kommentare werden zum Teil gelöscht und die User geblockt, aber diese Hass-Kommentare bleiben unmoderiert stehen - gegen diesen Shitstorm wollten wir endlich was machen.

Wer macht bei euch mit?

Es gibt Journalisten, Angestellte oder Arbeiter - wir sind so dreißig bis vierzig Leute. Aber man kann nicht mehr mitmachen, wir wurden nämlich infiltriert. Nach den ersten Medienberichten gab es einen riesigen Ansturm. Wir als Kernteam haben reingelassen, wen wir kannten und von dem wir wussten, dass die sozusagen "safe" sind. Aber es gab auch Leute von außen und da ist ein Fehler passiert: Ein Unbekannter ist reingekommen, der uns suspekt war. Deswegen mussten wir die Gruppe schließen.

Was für Folgen hatte das?

Ich selber habe jetzt schon sechs Morddrohungen bekommen - als Nachrichten auf Facebook oder als Anrufe im Messenger. Um damit klarzukommen, stehe ich jetzt in Kontakt mit jemandem - einer prominenten Person in Österreich - die Ähnliches und noch Schlimmeres erlebt hat und mir hilft, damit fertig zu werden. Meinen Namen auf Facebook werde ich aber nicht ändern. Die können mich mal! Wer meint, er muss mich bedrohen, der kriegt eben eine Anzeige.

Und wie geht es jetzt weiter bei euch?

Wir formieren uns neu und machen weiter, noch stärker als vorher. Es gibt auch einen neuen Namen, aber den verrate ich nicht. Nur so groß wie vorher wollen wir nicht mehr werden. Gegen Ende waren fast 400 Leute in der Gruppe, das ist nicht überschaubar. Wir bleiben bei den 30 Leuten und wollen auch eine Website aufbauen. Rechtlich gesehen müssen wir uns vorerst auf Österreich beschränken, weil wir nur Leute anzeigen können, die von hier sind. Aber wir könnten uns zum Beispiel mit Leuten aus Deutschland vernetzen, wenn da Interesse besteht. Wir lassen uns auf keinen Fall unterkriegen.

Hinweis der Redaktion: Unser Interviewpartner hat sein Facebook-Profil mittlerweile gelöscht, musste nach eigenen Angaben Tirol verlassen um unterzutauchen und steht angeblich in Kontakt mit der Polizei. Auf Anfrage von PULS hat die Landespolizeidirektion Tirol mitgeteilt, dass sie generell zu eventuell bestehenden Anzeigen keine Informationen herausgeben dürfe.

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