The King Of Cons X Lil' L Building A Home 04:20 min

Franko van Lankeren alias The King Of Cons (früher Talking Pets) und Lennart Stolpmann alias Lil` L (früher Talking Pets, jetzt Swallow Tailed) machen zusammen folkig elektronischen Songwriter-R'n'B-Pop.

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Kommentar zu JuliensBlog Trau keinem, der Witze über Auschwitz macht

Lokführer nach Auschwitz zum Vergasen - das fordert der YouTuber Julien in einem Kommentar zum Bahnstreik. Sein umstrittenes Video ist voller Propaganda und blindem Hass. Wir sagen, warum Julien falsch liegt - Punkt für Punkt.

Von: Sammy Khamis

Stand: 12.02.2016

JuliensBlog | Bild: Screenshot/YouTube-Channel JuliensBlog

Acht Monate auf Bewährung und 15.000 Euro Strafe - das ist die Quittung, die YouTuber Julien für seinen Kommentar zum Bahnstreik einkassiert hat. Bei der Gerichtsverhandlung bewerteten die Richter Juliens deutliche Anspielungen auf die NS-Zeit als Volksverhetzung, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Juliens Ausrede "Es sollte witzig gemeint sein" wollten die Richter nicht gelten lassen.

Herausgekommen war das Video schon im Mai 2015. Auch PULS Autor Sammy Khamis fand den Kommentar damals ziemlich geschmacklos und hat kurz nach der Veröffentlichung zusammengefasst, warum Juliens Vergleich einfach falsch ist.

Kommentar vom 21. Mai 2015:

Über dieses Video streitet YouTube-Deuschland: JuliensBlog, Folge 21. Es geht um die GDL und den Bahnstreik. Das Video hat bis jetzt fast siebentausend Kommentare, fünfzigtausend Likes und eine halbe Million Views. Trotz kübelweise Hass, Desinformation und ekelhaften Holocaust-Vergleichen. Lieber Julien, ich erkläre dir jetzt mal, wo genau du falsch liegst. Und an alle anderen: Auch wenn‘s weh tut, wir müssen da jetzt durch. Das hier sagt Julien zum Beispiel über die "wahren" Hintergründe des Streiks der Lokführer:

"Wir wissen ja, dass die Bahn gar nichts mit dem Streik zu tun hat, sondern die GDL, die Gewerkschaft der deutschen Lokomotivführer. Also ein Zusammenschluss von Hurensöhnen, die praktisch gar nichts machen, aber dafür mehr Geld haben wollen."

Julien ist ganz seiner Meinung: Bahnchef Grube

HALT, lieber Julien. Lass mich das kurz klarstellen: Wir reden hier von der Bahn, die zwar ihren Lokführern nicht mehr Geld zahlen will, aber die Gehälter ihrer Vorstände zwischen 1999 und 2007 um 600 Prozent erhöht hat. Dieselbe Bahn hat ihre Geschäftsziele in diesem Jahr nicht erreicht, schraubt aber die Boni der Bahnvorstände um 174 Prozent nach oben. Sieben Vorstände freuen sich über 7,3 Millionen Euro allein an Boni. Für schlechtes Wirtschaften. Und das kommt nur oben drauf.

Denn Bahnchef Rüdiger Grube streicht regulär schon knapp drei Millionen Euro pro Jahr ein. Ein Lokführer verdient hingegen im Durschnitt gerade mal 1400 Euro im Monat. Dafür gibt’s einen Ausdruck: prekäres Arbeiten. Selbst im Wirtschaftskrisenland Spanien verdienen die Zugführer fast das Doppelte. Aber klar, die Lokführer sind hier die "Bösen", Julien, denn die wussten ja, worauf sie sich einlassen:

JuliensBlog | Bild: Screenshot/YouTube-Channel JuliensBlog

"Nur mal kurz zum Verständnis: Jemand nimmt einen Job an und weiß, wie viel er in diesem Job verdient und wie viele Stunden er dafür arbeiten muss. Er ist damit einverstanden, weil er einen Arbeitsvertrag unterschreibt. Aber dann beschließt er hinterher, sich einfach mit ein paar hundert anderen Mistfotzen zusammenzutun, um dann ihren Arbeitgeber mit unendlich vielen Streiks zu erpressen, um mehr Geld rauszuholen und dafür auch noch weniger Stunden in der Woche arbeiten zu müssen. Und das ganze passiert nicht irgendwo in Hurensöhnistan, sondern in Deutschland!"

Also der Reihe nach: Ja, Menschen nehmen Jobs an. Aber die meisten machen das, um sich selbst und ihre Familie zu ernähren. Und die wenigsten können für ihren Lebensunterhalt ihre Nase in eine Kamera halten oder einen YouTube-Kanal betreiben, den 1,2 Millionen 14-Jährige gucken, oder T-Shirts mit zweifelhaften Sprüchen verticken - wie du zum Beispiel in deinem Fanshop.

Lustiges T-Shirt aus Juliens Merchstore

Die meisten Menschen müssen dafür auf "Arbeit" oder "Maloche" - mir egal, wie du es nennst. Next thing: Du sagst, die Lokführer wollen STUNDEN weniger arbeiten. Halt! Eigentlich wollen die Bahnführer nur EINE Stunde pro Woche weniger arbeiten. Dann kämen sie auf 38 Stunden. Immer noch DREI Stunden mehr, als die 35 Wochenstunden der Metallarbeiter. Ja, in Deutschland haben wir das Recht zu streiken. Steht in diesem Buch, das sich Grundgesetz nennt. Und dass dieses Recht da überhaupt drin steht, dass du heute eine Krankenversicherung hast, eine Rentenversicherung oder bezahlten Urlaub, das liegt an der Sozialgesetzgebung. Die hat DIR die Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert hart erkämpft. Auch mit Streiks. Aber mit der Geschichte nimmst du es ja eh nicht so genau, Julien. Und für alle anderen: Achtung, jetzt wird es richtig hart.

"Vergasen sollte man diese Mistviecher. Wisst ihr noch, wie die Juden nach Auschwitz transportiert wurden? Man sollte die Zugführer alle dort hin bringen. Ich fahre auch den Zug und zwar umsonst. Und werde nicht ein Mal streiken."

Alles klar, lieber Julien. In Interviews hast du dich gerechtfertigt, solche Aussagen wären nur "schwarzer Humor". Sechs Millionen ermordeten Juden darf man doch mal ins Grab pissen und den Lokführern kollektiv mit Gaskammern drohen. Ist doch alles easy. Denn das Land braucht ja Leute wie dich. Marktliberal bis zum Erbrechen, unsolidarisch, wie es sich die FDP nie trauen würde, und ohne Gespür für Anstand und Menschenwürde. Wie gesagt: Deutschland braucht Leute wie dich - NOT!

Schlagworte:
streik

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Kommentare

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Andrea, Mittwoch, 17.Februar, 15:07 Uhr

36. Erstklassig

In Zeiten der Dummschwätzer und selbstreferenziellen Möchtegerns in den sozialen Medien werde ich immer wieder gerne erinnert, warum ich meine Rundfunkgebühr dankend zahle. Danke für etwas Einordnung und Reife in Zeiten der tiefenschädlichen Hirnlosigkeit.

Eddy, Montag, 15.Februar, 13:05 Uhr

35. Diese Art ...

...von Witz gab es doch schon einmal. Am Ende wurde das alles gar nicht mehr witzig. https://www.youtube.com/watch?v=DrKdVHAlNgc

NBA, Samstag, 13.Februar, 16:27 Uhr

34. Ich find's lustig

Nun, da hier viele Kommentare gegen JB gerichtet sind, spreche ich mal für JB aus: Ich fand das Video sehr unterhaltsam. Amüsant. Um nicht zu sagen; Ich musste lachen :D
Verstehe nicht wieso er eine Strafe gekriegt hat. Hoffe, er macht so weiter mit seinen Videos.
Probs gehen an dich Julian

  • Antwort von Don21, Sonntag, 14.Februar, 17:15 Uhr

    Er wurde bestraft, weil er eine Straftat begangen hat. Siehe § 130 StGB: http://dejure.org/gesetze/StGB/130.html
    Zu "amüsant": Sie können natürlich über Juliens Widerlichkeiten lachen, dann müssen sie aber damit leben, dass z.B. ich über Sie denke, was ich eben über Sie denke. Aber nicht ausspreche, weil ich dann wiederum eine Straftat begehen würde.

nebu, Donnerstag, 28.Mai, 00:53 Uhr

33. Juliensblog geht es um wirtschaftliche Interessen, nicht um Satire

Es geht den Zuschauern wie bei Juliensblog darum, dass jemand für sie stellvertretend und öffentlichkeitswirksam Tabus bricht und sie sich an ihn wie ein Fußballfan an seine Mannschaft hängen können. Um zu empfinden sie seien ein Teil vom "krassen" Macker der dieses Tabu übertritt. Es ist den Usern egal was inhaltlich überhaupt gesagt wird, es ist ihnen völlig egal ob damit Menschen real herabgesetzt oder bedroht werden, Das Interesse ist allein die soziale Ausbeutung des gezeigten/ gesagten zur eigenen Befriedigung an der Ohnmacht der Betroffenen; ausgelöst durch die eigene Ohnmacht als Betroffener in anderen(!) Themen. Herabgesetzte Personen/Gruppen suchen sich außerhalb ihrer Peergroups eine Person/Gruppe, die sie wiederum herabsetzen kann, um hierdurch Macht/eigene Aufwertung zu erfahren. Das ist seit Jahren das Erfolgskonzept mit dem Trash-TV a la RTL 2 funktioniert. Juliensblog hat das Prinzip bewusst angewendet, das Tabu Holocaust missbraucht um es wirtschaftlich auszunutzen.

Extrabreit, Dienstag, 26.Mai, 11:43 Uhr

32. Meinungsfreiheit

Ok, der Typ ist in etwas das, was ich täglich aus unserem Katzenklo raus räumen muss. Ein Haufen Mist. Sonst nix. ABER!: Er darf so sein! Er hat das Recht dazu, so Scheisse zu sein, wie er will. Das erlaubt ihm auch das Grundrecht. Der lustige Aron, der meint, dass ihr neidisch auf den Vollhonk seid, ist der typische Repräsentant seiner Zielgruppe.

  • Antwort von Ich, Sonntag, 31.Mai, 21:26 Uhr

    Die Meinungsfreiheit ist aber kein Freibrief andere zu Beleidigen oder Volksverhetzung zu betreiben, das sind Straftaten!