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Regensburger Flüchtlingshelfer Spontan mit einem Hilfskonvoi nach Ungarn

Die Situation für Flüchtlinge in Ungarn ist prekär. Sie müssen im Freien campieren und werden von der Polizei drangsaliert. Acht Regensburger wollen helfen und sind mit einem Hilfskonvoi Richtung Osten losgefahren.

Von: Ron Kühler

Stand: 07.09.2015

Helfer vor Kleinbus und Hilfsmaterialien | Bild: Mastanlagen Widerstand

Acht Regensburger haben sich mit einem Soli-Konvoi auf nach Ungarn gemacht, um dort den notleidenden Flüchtlingen zu helfen. Sie haben sich aus verschiedenen Organisation wie MastanlagenWiderstand, Refugee Struggle, Bündnis „Deutschland ist tödlich“ zusammengeschlossen. Einer von ihnen ist David, der im PULS-Interview erzählt, was ihn antreibt.

PULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, einen Hilfskonvoi nach Ungarn zu starten?

Die Aktivisten vor ihrem Bus

David: Wir sind seit mehreren Jahren schon in antirassistischen Zusammenhängen aktiv. Wir verhindern oder blockieren Abschiebungen oder wenn es wie jetzt sein muss, dann bringen wir den Menschen Essen, zeigen uns solidarisch und verhindern, dass die Polizeigewalt eskaliert.

Wie sieht denn euer Solidaritäts-Konvoi aus?

Wir haben die letzten zwei Tage zwei Kleinbusse und einen größeren Bus organisiert. Die haben wir jetzt mit unterschiedlichen Materialien vollgepackt. Wir haben zum Beispiel eine Feldküche mit dabei und Verbrauchsgegenstände wie Essen und Hygieneartikel. Aber auch andere Dinge, die man auf der Flucht gut gebrauchen kann.

Wo habt ihr die Sachen herbekommen?

Die Autos haben wir privat ausgeliehen. Das Material haben wir von verschiedenen linken Organisationen und Vereinen zusammengesammelt, mit denen wir schon länger solidarisch zusammenarbeiten.

Habt ihr eine Vorstellung, was euch in Ungarn erwartet?

Bei Twitter habe ich gesehen, dass auch heute morgen wieder in der Grenzregion zwischen Ungarn und Serbien mehrere hundert Flüchtlinge angekommen sind. Dort werden sie immer noch mit Polizeigewalt konfrontiert. Das heißt unter anderem: Sie werden in Auffanglagern untergebracht und dort registriert. Die Flüchtlinge wollen natürlich nicht in Ungarn bleiben, sondern versuchen von dort aus weiterzukommen. Die Polizei versucht das teilweise gewaltsam zu verhindern. Das sind die letzten Bilder vom UNHCR von heute morgen.

Viele Menschen nehmen auch Flüchtlinge mit zurück über die Grenze. Wollt ihr das auch?

Nein, davon war nie die Rede. Wir wollen vor Ort helfen und mit unserer Feldküche für die Menschen kochen. Dazu haben wir auch Kontakt zu ungarischen NGOs, die die Flüchtlingsarbeit vor Ort gut kennen. Die freuen sich, dass Menschen kommen, die helfen wollen.

Habt ihr Angst davor zwischen die Fronten zu geraten – zwischen Polizei und Flüchtlinge?

Die Helfer beim Sortieren der Sachspenden

Ich glaube nicht, dass wir als Deutsche dort gefährdet sind. Außerdem sind wir da, um zu unterstützen. Wir werden natürlich auf die Situation vor Ort reagieren, aber man kann es nicht vorhersehen, wie es in Ungarn sein wird. Ich gehe davon aus, dass es nicht zu den gleichen Ausschreitungen kommt, wie die, bei denen die Polizei Pfefferspray gegen Familien eingesetzt hat. 

Wenn ihr auch keine Angst habt, seid ihr aufgeregt?

Ja, natürlich. Aber wenn ich in Deutschland auf eine Demonstration gehe und mir hunderte vermummte Polizisten mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegenüberstehen, dann hab ich auch Respekt und bin aufgeregt.

Wie kriegt ihr das zeitlich hin, einfach für ein paar Tage nach Ungarn zu fahren?

Das ist unterschiedlich. Von den acht Leuten haben manche Semesterferien, manche hatten nächste Woche eigentlich nen Urlaub geplant und haben den dafür jetzt abgesagt. Wir hatten zufällig alle Zeit und so ist die Aktion jetzt auch sehr spontan entstanden. Am Donnerstag haben wir zum ersten Mal drüber gesprochen und heute fahren wir schon los.

Wie lange werdet ihr in Ungarn bleiben?

Erstmal nur bis Donnerstag. Dann müssen wir auf jeden Fall einen der Busse zurückgeben.

Kann man euch noch unterstützen?

Wir wollen versuchen vor Ort mit Spendengeldern Sachen zu kaufen, die gebraucht werden. Dafür haben wir ein Spendenkonto eingerichtet, das man über die Regensburger Onlinezeitung “regensburg-digital“ findet.

Schlagworte:
interview
protest

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Jürgen, Dienstag, 15.September, 14:22 Uhr

1. Konkret

Super! Einfach und konkret. Helfen mit dem was die Leute in jedem Fall brauchen - Essen und solidarische Anwesenheit. Respekt!