Alex Vargas Oh Love, How You Break Me Up 03:02 min

Der dänische Wahl-Londoner Alex Vargas tummelt sich musikalisch irgendwo zwischen Jack Garratt, Hozier, The Weeknd und Alex Clare.

Derzeit liegen keine Titelinformationen vor.


63

Frauenbild von Flüchtlingen "Nur weil eine Frau dich anlacht, heißt das nicht, dass sie mit dir ins Bett will"

Als Hany Rashidy mit 20 Jahren aus Ägypten nach Deutschland kam, öffnete ihm seine neue Mitbewohnerin nur mit einem Handtuch bekleidet die Tür. Damals war er schockiert - heute erklärt er Flüchtlingen die deutsche Gesellschaft.

Von: Lisa Altmeier

Stand: 05.02.2016

Hany Rashidy | Bild: Privat

Hany Rashidy ist vor zwölf Jahren von Ägypten nach Deutschland gekommen. Heute ist er Dozent für Islamwissenschaft an der Universität Heidelberg und gibt Integrationskurse für Flüchtlinge.

PULS: Du sprichst in deinen Kursen Themen wie Frauen- und Männerrollen in Deutschland offen an und diskutierst mit Flüchtlingen gesellschaftliche Themen. Warum ist dir das wichtig?

Hany Rashidy: Seit der Silvesternacht in Köln sind in Deutschland viele Leute verunsichert, gerade was die jetzige Karnevalszeit angeht. Die Flüchtlinge kriegen davon aber kaum etwas mit, weil sie in ihren Unterkünften kein WLAN haben und ohne Deutschkenntnisse auch die Nachrichten nicht verstehen. Das ist schlecht, denn wir müssen sie in diese Diskussion einbeziehen. Die Herkunftsländer unterscheiden sich teilweise stark von Deutschland und manche Flüchtlinge können beispielsweise Verhaltensweisen von deutschen Frauen nicht einordnen.

Hast du dafür ein Beispiel?

Es gibt viele gebildete und respektvolle Flüchtlinge. Aber wie immer gibt es auch hier Menschen, die sich für den Größten halten, schlecht erzogen sind und wenig wissen. Wenn die in ein Schwimmbad gehen und dort zum ersten Mal in ihrem Leben eine halbnackte Frau sehen, die dann vielleicht auch noch nett lächelt, können leicht Missverständnisse entstehen: "Oh, sie lacht mich an, das heißt, sie steht total auf mich. Also geh ich mal besser auf sie zu und mache den ersten Schritt." Wenn eine Frau betrunken auf der Straße feiert, kann das ebenfalls falsch interpretiert werden.

Wie lassen sich solche Situationen verhindern?

Indem wir uns die Leute gleich nach der Ankunft schnappen und sagen: "Pass auf, in Deutschland laufen ein paar Dinge anders als bei dir daheim. Nur weil eine Frau dich anlacht heißt das nicht, dass sie mit dir ins Bett will. "Wir brauchen Kulturvermittler, die die Muttersprache der Flüchtlinge beherrschen und sie aufklären. Dass es normal ist, dass Frauen in Deutschland nachts alleine rausgehen. Dass es kulturelle Gepflogenheiten wie FKK gibt, die nichts mit Sex, sondern einfach mit körperlicher Offenheit zu tun haben. Dass ein offenes Lächeln zum Alltag gehört. Wenn ein Deutscher nach Dubai zieht, muss er auch erst mal lernen, wie die Leute ticken.

Es gibt meiner Einschätzung nach drei Gruppen von einreisenden Flüchtlingen: Sehr religiöse, die so schüchtern sind, dass sie eine Frau nicht mal angucken - was dann auch nicht so gut ankommt und als unhöflich interpretiert wird. Sehr weltoffene, die mit dem westlichen Lebensstil schon recht vertraut sind. Und ungebildete, schlecht erzogene, die mit völlig falschen Vorstellungen hier herkommen und denken: Das hier ist der Westen, hier kann ich alles mit den Frauen machen, was ich will. Die sind am schwierigsten zu integrieren und bei denen müssen wir uns besonders bemühen.

Du selbst bist mit 20 aus Ägypten nach Deutschland gezogen. Erinnerst du dich noch an deine ersten Begegnungen mit Frauen hier?

Ja, das waren erschreckende Momente! Ich kam zum Studium hierher und wohnte in einem Studentenwohnheim. Als ich die WG zum ersten Mal betrat, kam mir meine neue Mitbewohnerin aus dem Badezimmer entgegen und sprach mich an - nur mit einem Handtuch bekleidet. Von einer Frau angesprochen und dann auch noch in so einer Situation! So etwas hatte ich in Ägypten nie erlebt.

Wie hast du dich in dem Augenblick gefühlt?

Ich war schockiert und verwirrt. Ich dachte: Was will sie mir damit sagen? Darf ich ihr in dem Zustand die Hand zur Begrüßung geben? Oder soll ich schnell wegrennen? Ich wusste nicht, dass so etwas in Deutschland normal ist. ich traute mich nicht mal, sie anzusehen. Solche Dinge passierten mir öfter. WM 2006: Public Viewing. Deutschland gegen Portugal. Zwei Mädchen standen direkt neben mir und lachten mich die ganze Zeit an, zwinkerten mir zu oder berührten mich beiläufig. Ich guckte auf den Boden, weil ich das nicht gewohnt war. Als Deutschland dann ein Tor schoss, fiel die eine mir um den Hals: Das erste Mal, das mir eine Frau so nah kam! Ich begann zu zittern und lief davon. Ein anderes Mal fing eine betrunkene Frau im Club an zu weinen, weil ich sie aus Schüchternheit nicht küssen wollte. Es hat etwa drei Jahre gedauert, bis ich keine Angst mehr vor Frauen hatte. Kann man sich bei mir heute gar nicht mehr vorstellen! Heute bin ich ein sehr offener Typ.

Was hattest du für ein Bild über Frauen aus Deutschland, bevor du hier ankamst?

Ich dachte sie sind ordentlich, hübsch und stark. Stark dachte ich wegen der Geschichte der Trümmerfrauen, die Deutschland wieder komplett aufgebaut haben, die fand ich beeindruckend. Ich dachte aber auch, dass sie recht leicht zu haben sind. Ihr müsst euch vorstellen: Ich wusste damals wenig über den deutschen Alltag und ich konnte weder kochen noch backen, ich konnte nicht mal ein Ei kochen. Meine Mitbewohnerin musste mir erst mal beibringen, wie man Nudeln kocht, weil ich bei dem Versuch die halbe Küche unter Wasser gesetzt habe.

Für einige Flüchtlinge ist es sehr gewöhnungsbedürftig, dass Homosexualität in Deutschland zum Alltag gehört. Wie war deine Haltung dazu bei der Ankunft?

Homosexualität fand ich furchtbar! Es gibt in Ägypten sicher auch Schwule und Lesben, aber die werden unterdrückt und lebten versteckt, ich war also noch nie in meinem Leben einem Homosexuellen begegnet, bevor ich nach Deutschland kam. Ich fürchtete mich vor ihnen. Heute sehe ich das ganz anders. Und ich habe inzwischen einen ziemlich guten Kumpel, der schwul ist - hab ihn im Fitnessstudio kennen gelernt.

Eine Frage zu deinem Heimatland Ägypten: Einige vergleichen die Ereignisse von Köln mit sexuellen Belästigungen, die während der Revolution am Tahir-Platz passierten. Ist der Vergleich stimmig?

Ich glaube, man kann die Situation durchaus vergleichen: Unkontrollierte Menschenmasse, ausgelassene Stimmung und einige Arschlöcher, die sich darunter mischen, um sich Befriedigung zu verschaffen. Diese Situation gibt es allerdings auch bei anderen Veranstaltungen. Eine Bekannte von mir wurde im Partygetümmel auf Mallorca vergewaltigt. Es wird immer Arschlöcher geben. Aber die Fälle, in denen heikle Situationen auf kulturellen Missverständnissen beruhen, können wir im Vorfeld verhindern - und das sollten wir auch tun.

Im Moment schwirrt auch häufiger das Bild der vermeintlich bösen Nordafrikaner durch die Medien und sozialen Netzwerke. Du kommst aus Nordafrika. Was denkst du, wenn du sowas liest oder hörst?

Solche Pauschalisierungen ärgern mich! Die nordafrikanischen Länder unterscheiden sich natürlich untereinander und natürlich auch innerhalb der einzelnen Nationen. Leute aus Marokko und Algerien sind tendenziell freier und sexuell offener erzogen, als Leute in Ägypten. Ich habe schon öfter mitbekommen, dass bei ägyptischen Ehepaaren alleine der Mann darüber bestimmt, wann die beiden Sex haben und die Frau muss sich dem fügen, was ich problematisch finde.

Aber auch im arabischen Raum sind die Unterschiede innerhalb eines einzigen Landes oft groß. Es gibt zum Beispiel sehr westlich orientierte Syrer und dann gibt es syrische Männer, die mit drei Ehefrauen nach Deutschland fliehen und sich dann erst mal mit einem deutschen Gericht darum streiten müssen, welche von den dreien hier als Ehefrau eingetragen wird. Drei Frauen, stellt euch das mal vor! Den meisten meiner deutschen Kumpels ist schon eine Freundin zu anstrengend!

Schlagworte:
fluechtlinge
interview
migration

63

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

N. Schöttl, Sonntag, 07.Februar, 16:36 Uhr

2. sexuelle Belästigungen

... fangen doch schon sehr viel früher an. Ich habe den Eindruck, dass es sich da die Gesellschaft viel zu einfach macht und sexuelle Belästigung dann nur mit körperlichen Berührungen in Verbindungen bringt und meinen, dass solche Belästigungen nur Frauen betreffen würde, doch sexuelle Belästigungen fangen schon viel, viel früher an!

Die Medien müssen da ebenso sich mal an die eigene Nase fassen. Was da so mitunter im Fernsehen gezeigt wird, ist ebenso nicht besonders anständig oder in vielen Tageszeitungen. Das gleiche betrifft jedoch auch Supermärkte und gar öffentliche Toilettenanlagen des Staates.

Mir scheint es so, dass da die Gesellschaft auf dem einen Auge komplett blind ist oder es einfach nicht sehen möchte, doch sexuelle Belästigungen sind nicht nur das Berühren fremder Personen - sexuelle Belästigungen fangen schon früher an und sollten ebenso angesprochen werden!

klein, Sonntag, 07.Februar, 06:45 Uhr

1. Flüchtlinge

Hallo!Wir sollten uns unbedingt diesen Menschen annehmen und ihnen beibiegen das es wie überall Regeln gibt. Es gibt nicht nur fürchterliche körperliche Schäden (Raphaele Lindemann ,Arzt in Auffanglager München ) Jeder einzelne sollte damit bei sich selber anfangen und die kleinen Möglichkeiten wahrnehmen und sein möglichstes tun ,dann haben diese Menschen vielleicht eine Chance. Aber wenn ich mir ansehe wieviel "D U M M B A C K E N"der Pegita(?)nachrechnen und solchen Rattenfängern auf den Leim kriechen haben wir noch richtig Zutun . Mein Lieben , packen wir es an ,