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hart aber fair re-enacted Vier Tipps gegen den Shitstorm

Eine Genderdebatte in "hart aber fair" hat im März für jede Menge Kritik gesorgt. Heute wird die Sendung wiederholt - in fast derselben Besetzung. Wir haben Tipps, wie sich der Shitstorm diesmal vermeiden ließe.

Von: Jasmin Körber

Stand: 07.09.2015

Frank Plasberg hart aber fair | Bild: picture-alliance/dpa

Als die "hart aber fair"-Runde vom letzten März (bestehend Aktivistin Anne Wizorek, FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, Anton Hofreiter von Bündnis '90/Die Grünen, Schauspielerin Sophia Thomalla und Publizistin Birgit Kelle) über Gendergerechtigkeit diskutierte, eskalierte die Situation... leicht. Okay, das ist ein bisschen untertrieben. Es hagelte Kritik, einen Shitstorm, und der WDR nahm die Sendung Monate später erst aus der Mediathek, nur um sie wenig später wieder einzustellen. Heute Abend geht die Diskussion in die nächste Runde. In fast gleicher Besetzung - mit zwei Ergänzungen - wird dann zum Thema "Der Gender-Streit: Was darf zu Mann und Frau gesagt werden?" diskutiert. Das schreit eigentlich schon nach einem neuen Shitstorm. Wir haben trotzdem ein paar Tipps, wie's mit der zivilen Diskussion diesmal klappen könnte.

1. Sophia Thomalla und Wolfgang Kubicki auseinander setzen

Bei ihm ist die Erziehung einfach "gut gelungen", er ist "genau der Typ Mann, auf den sie steht"; selbstbewusst, sagt, was er denkt und macht Frauen gerne Komplimente. Und - klar - sie "sieht wesentlich besser aus" als er. Sophia Thomalla und Wolfgang Kubicki. Hach. Letzte Sendung waren sie das ungekrönte Traumpaar der Show. Sie brachten sich gegenseitig zum Lachen, die Diskussion allerdings wenig voran. Vielleicht werden die zwei ein bisschen konstruktiver, wenn sie die kommende Sendung nicht nebeneinander sitzen. Oder falls doch, dann sollten sie bitte wenigstens im besten Hollywood-Traumpaar-Stil mit süßem Pärchennamen vorgestellt werden. Als "Thomicki" vielleicht? Oder alternativ: "Kuballa"?

2. Über die wirklich wichtigen Dinge reden

Was war das für eine zähe Diskussion das letzte Mal. 40 Minuten redete die Runde um den Genderbrei herum, reduziert auf Unisex-Toiletten, Ampelmännchen und gendergerechte Sprache. Zweifellos sind das alles wichtige Themen - aber die gesellschaftliche Debatte um sie ist schon längst überhitzt. Worüber es sich allerdings lohnen würde zu diskutieren: die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen, und wie wir sie schließen können. Frauen verdienen in vergleichbaren Tätigkeiten sieben Prozent weniger als Männer. Bei Frauen mit Migrationshintergrund sind es sogar 15 Prozent. Das konnte auch Kubicki des letzte Mal nicht wegreden - so sehr er es auch versuchte. Besser wär's, wenn sich Frau Kelle dieses Mal den Versuch spart, den Paygap damit zu erklären, "dass Frauen offensichtlich ein ganz anderes Naturell haben wie Männer. Sie kommen irgendwann an der Biologie nicht vorbei. Und Männer haben eine angeborene, ganz andere Aggresivität." So viel Brillanz konnte selbst Frank Plasberg das letzte Mal nur mit einem entnerventen "Was?!" quittieren.

3. Experten in die Runde einladen

Damit das diesmal nicht wieder passiert, wäre es vielleicht auch sinnvoll gewesen, echte Experten zum Thema einzuladen. Fragte sich Anne Wizorek im März noch, warum denn eigentlich kein(e) Professor_in für Genderstudies in der Runde anwesend war, wurde sie von Frank Plasberg mit den Worten "Weil ich den Eindruck habe, dass Sie und Herr Hofreiter so kompetent sind" abgespeist, so ist dieses Mal... immer noch kein(e) Professor_in für Genderforschung in der Runde. Dafür aber Jörg Schönenborn als Fernsehdirektor des WDR und Sybille Mattfeldt-Kloth, die stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen.

4. Weg mit Frank Plasberg!

Ja okay, das ist vielleicht ein bisschen viel gefordert. In der letzten Sendung versprach Frank Plasberg zu Sendungsbeginn noch, er sei von nun an kein Mann mehr, "sondern nur noch Moderator". Später glänzte er dann aber doch noch mit Aussagen wie: "Herr Hofreiter, sie machen als Hobby gerne Pralinen. Was sagt das über ihr Männerbild?" So richtig ernst nehmen konnte und wollte Plasberg Genderforschung als wissenschaftliche Disziplin letztes Mal offensichtlich nicht. Vielleicht blieben auch deshalb kritische Fragen an Kubicki oder dessen zwei Mitstreiterinnen Sophia Thomalla und Birgit Kelle weitgehend aus. Man muss ihn deswegen nicht gleich vom Posten abziehen. Aber der WDR hätte ihm zumindest eine kompetente Moderatorin zur Seite stellen können. Wäre auch gut für die (Frauen-)Quote gewesen.


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