Jetzt Get Up Cosby

Info Selten produzieren Bands so zuverlässig Superhits wie die Münchner Cosby. Grund hierfür: eine eingestimmte Band und die fantastische Stimme von Sängerin Marie. Nach einer Pause erscheint 2017 mit "Get Up" endlich der nächste Hit.


61

Kampagne Peng Collective sucht Fluchthelfer

Das Peng Collective aus Berlin will zur Diskussion über Fluchthilfe anregen. Mit ihrer Aktion wollen sie dazu aufrufen, Menschen über Grenzen zu schmuggeln. Ganz legal ist das nicht.

Von: Frank Seibert

Stand: 02.08.2015

Das Peng Collective ruft zur Fluchthilfe auf - über diesen Videotrailer. | Bild: Screenshot Kampagnen-Video

Alpenpanorama. Ein weißer VW mit deutschem Kennzeichen schlängelt sich eine Serpentinenstraße entlang. Eine Frau sitzt am Steuer, ihr Mann ist Beifahrer. Beide sind aufgeregt, machen sich Sorgen. Im Hintergrund bedrückende Klaviermusik. Gedanken der beiden sind zu hören: "Am Anfang war mir ziemlich mulmig. Ganz legal ist es ja nicht, was wir hier machen." Dann wird klar, wie es zu der Anspannung kommt: auf dem Rücksitz sitzt ein Flüchtling.  Das Ehepaar bringt ihn versteckt über die Grenze von Österreich nach Italien.

Mit diesem Clip startet die Kampagne "Fluchthelfer" des Peng Collective. Die Aktivistengruppe aus Berlin fordert mit ihr dazu auf, dasselbe zu tun wie das Ehepaar im Film: Fluchthilfe leisten. Maximilian ist ein Mitglied von Peng. Seinen richtigen Namen möchte er nicht nennen, denn mit diesem Aufruf bewegt er sich am Rande der Legalität. Maximilian sagt, er habe, wie einige andere aus dem Kampagnenteam, selbst schon Flüchtlingen über die Grenze geholfen.

Maximilian hat  einen deutschen Pass. Das sei ein Privileg, sagt er. "Ich kann im Schengenraum reisen, ohne Visum, ohne geregelte Kontrollen". Für Flüchtlinge sieht das anders aus. Ihre Freiheit ist diesbezüglich stark eingeschränkt. "Was für mich gilt – die Reisefreiheit – sollte für alle gelten. Jeder sollte einen Anspruch auf Bewegungsfreiheit haben", sagt Maximilian. Die Aktion soll dafür ein Zeichen setzen. "Wer bestimmt eigentlich, wer ein besseres Leben verdient hat und wer nicht?" steht auf der Kampagnen-Webseite. Fluchthilfe könne dazu beitragen, eine freie Gesellschaft zu ermöglichen.

"Ohne signifakantes Risiko"

Hotspots für Fluchthilfe sind nach Ansicht des Peng Collectives Bahnhöfe in Norditalien, die französische Grenze bei Calais oder die ungarische Grenzregion zu Serbien. Die seien gut geeignet, um Flüchtlinge zu finden, die man mitnehmen kann. Und diese Punkte seien für Einsteiger gut geeignet, sagt Maximilian. Aber nicht nur im Schengenraum sei Fluchthilfe wichtig, sagt er - auch an den europäischen Außengrenzen. Nur da sei es eben viel schwieriger.

Die Argumentation klingt vielleicht nachvollziehbar. Nur: ganz legal ist Fluchthilfe nicht – und das wissen auch die Aktivisten. Trotzdem schreiben sie: "Innerhalb des Schengenraums ist das ohne signifikantes Risiko und relativ einfach zu realisieren." Maximilian glaubt, dass eine Beihilfe zur illegalen Einreise nur schwer nachweisbar ist, wenn man nur eine Person mitnimmt, noch nicht mehrfach erwischt wurde und kein Geld für die Fahrt genommen hat, beziehungsweise überhaupt kein Bargeld dabei hat.

Auf der Webseite wird unter "Rechtliches" erklärt, dass es zwar prinzipiell möglich ist, wegen Verdachts auf eine Schleusertätigkeit festgenommen zu werden – allerdings würde man schnell wieder freikommen. "Eine Untersuchungshaft oder die Beschlagnahmung Eures Autos als Schleuserfahrzeug kommt nur dann in Frage, wenn die Verhältnismäßigkeit gewährleistet ist." Anwälte, mit denen PULS gesprochen hat, sehen das etwas kritischer. So seien die Gesetze in den letzten Jahrzehnten verschärft worden und Fluchthilfe führe so nicht selten zu Vorstrafen oder eben der Beschlagnahmung des Fahrzeugs. Wer häufiger Fluchthilfe leistet, müsse mit drastischeren Konsequenzen rechnen, räumt das Kollektiv ein: "Einschließlich möglicher Verfahren wegen Schleuserei oder der Überwachung Eurer Kommunikation."

Deutschlandfahnen als Tarnung

Auf ihrer Webseite gibt es darum nicht nur Informationen über die Risiken einer Fluchthilfe. Vor allem gibt es dort viele Tipps und Tricks, wie man genau diese Risiken minimieren kann. Ein Beispiel: Wer einen Anhalter kurz vor der italienischen Grenzen mitnimmt, ist nicht verpflichtet sich seinen Ausweis zeigen zu lassen. „Deswegen empfehlen wir, ein Trampschild mitzunehmen, um vor Gericht deutlich zu machen, dass die Fahrt zufällig zustande gekommen ist. Wir sehen gute Chancen, damit durchzukommen“, sagt Maximilian.

Auf der Webseite wird auch ein „Starterkit für Fluchthelfer“ angeboten. In dem gibt es neben einer Straßenkarte mit alternativen Routen und einer Tönungsfolie für die Autoscheibe auch einen Deutschlandfahnenüberzieher für den Seitenspiegel. Als Tarnung.

Verdienstkreuz als Anerkennung

Fluchthelfer gab es in der Geschichte immer wieder. Zum Beispiel in der DDR. Wer damals an der deutsch-deutschen Grenze erwischt wurde, wurde hart bestraft – und viele Helfer darum im Nachhinein für ihren Mut geehrt. Gleichsetzen will Maximilian eine Fluchthilfe von Italien nach Österreich damit nicht, sagt er: "Natürlich ist das Risiko, jemanden im Schengenraum über die Alpen zu bringen, viel geringer – aber trotzdem ist es Teil einer notwendigen und richtigen Fluchthilfe." Er findet, der Staat kriminalisiere Fluchthelfer zu Unrecht. Auch deshalb will das Kollektiv ein "europäisches Verdienstkreuz am Bande" verleihen. An jene Menschen, die in den letzten Jahren Menschen über Grenzen geholfen haben. Als Symbol dafür, was heute ein richtiger Umgang mit der Fluchthilfe seitens der Europäischen Union wäre.

Politische Aktionen, wie die von Peng, stoßen im Netz häufig auf große Resonanz, bekommen tausende Likes. Aber es ist fraglich, wie viele User das dann wirklich in die Tat umsetzen. Die Leute von Peng glauben trotzdem an den Erfolg der Aktion: "Wir wissen konkret von Leuten, die das demnächst vorhaben. Und der Appel ist durchaus ernst gemeint. Wer sich intensiv mit der Situation der Flüchtlinge auseinander setzt, kommt schnell zu dem Punkt, an dem klar ist, dass Fluchthilfe notwendig ist."


61

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Joachim Spirgatis, Dienstag, 11.August, 18:27 Uhr

4. Fluchthelfer

Wie schamlos Sie doch sind:
Da haben Fluchthelfer Tausende Tote, die bei der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind, auf dem Gewissen, und Sie brüsken sich noch, die Toten verursacht zu haben. Mehr Fluchthelfer = mehr Tote, ist die Menschheit denn nieh humanfähig?

Manne, Freitag, 07.August, 16:59 Uhr

3. Flüchtlingshilfe

Tolle Leistung,leider keine Dauerlösung!Wir Deutschen sollten,die Seiten wechseln und nochmal nachdenken.Das gilt für alle.Manne

Kassandra, Donnerstag, 06.August, 10:14 Uhr

2. Reise- und bewegungsfreiheit

Ja, wenn man selbst für seinen Unterhalt aufkommt. Dann sollte jeder dahin reisen können, wo er will. Aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit.

Richard von Cortenhoff, Mittwoch, 05.August, 19:26 Uhr

1. Aufruf zur Fluchthilfe

Es ist für mich und viele andere nicht annähernd nachvollziehbar, dass ein öffentlicher Aufruf zu einer Straftat offenbar verniedlicht wird. Das gehört verurtilt und nicht als "Kavaliersdelikt" heruntergespielt. Wir reden hier über knallharte Schleuseraktivitäten- nicht mehr und nicht weniger.