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Fleischatlas 2014 Leben um zu sterben

Mehr Fleisch, mehr Ackerfläche für Tiere und vor allem: immer größere Schlachtfabriken. Das ist die besorgniserregende Analyse des Fleischatlas 2014. Die Folgen der extremen Massentierhaltung haben nicht nur die Tiere zu tragen.

Von: Patrizia Schlosser

Stand: 09.01.2014

Platzmangel als Prinzip

Viele Tiere auf wenig Raum – so sieht die konventionelle Masttierhaltung aus. 0,75 Quadratmeter Platz stehen einem 50 bis 85 Kilogramm schweren Mastschwein laut Verordnung zu. Auch auf Biohöfen wird den Schweinen laut Haltungsrichtlinien nicht viel mehr zugestanden: die gesetzlichen Mindesanforderungen sind ca. 1,1 Quadratmeter pro Schwein.

Ammoniakverseuchte Luft und keimbelastetes Wasser

"Je größer der Betrieb ist, je mehr Tiere auf einem Quadratmeter, desto höher sind die gesundheitlichen Probleme der Tiere", sagt Tierarzt Dr. Rupert Ebner, der sich beim tierärztlichen Forum für verantwortbare Landwirtschaft gegen Massentierhaltung engagiert. Mit am gefährlichsten für die Gesundheit der Tiere ist der hohe Ammoniakanteil in der Luft im Stall.* Der Gestank reizt und verätzt Atemwege und Schleimhäute. Neben der von Ammoniak, Keimen und Staub verpesteten Luft und der Enge bekommen die Tiere häufig auch noch verschmutztes Trinkwasser. Eine Stichprobe der Fachhochschule Soest ergab, dass 80 Prozent der 190 entnommenen Wasserproben keimverseucht waren.

Kranke Tiere, krankes System

Die Folgen von Enge und Verschmutzung: 2012 wurden von den mehr als 58 Millionen geschlachteten Schweinen gut 137.000 als "insgesamt untauglich" ausgemustert. Sie durften nicht auf die Schlachtbank. Vollkommen gesund waren die restlichen Schlachttiere allerdings auch nicht. Gelenkschäden, Infektionen und Entzündungen sind häufige Krankheiten bei der Massentierhaltung. Dass das Fleisch von einem kranken Tier stammt, ist für den Menschen nicht gesundheitsschädlich - dafür aber die Medikamente, mit denen die Tiere vollgepumpt werden.

Brutstätte von Antibiotika-Resistenzen

Laut Tierarzt Dr. Rupert Ebner bleibt den Betreibern von Massenbetrieben gar nichts anderes übrig, als die Tiere mit Schmerzmitteln und Antibiotika zu behandeln. "Sonst hören sie unter den schlechten Bedingungen auf zu fressen, und es geht ja darum, dass die Tiere schnell wachsen, damit sie geschlachtet werden können."
Wie viel Antibiotika eingesetzt wird, bleibt jedem Landwirt selbst überlassen - vorausgesetzt die Medikamente werden genutzt, um Krankheiten zu bekämpfen. Viele Landwirte verfüttern Antibiotika allerdings auch vorbeugend und als Wachstumsförderer. Laut WHO werden mehr Antibiotika an gesunde Tiere als an kranke Menschen ausgegeben.
Nach der Schlachtung lassen sich die Medikamente im Fleisch meist nicht mehr nachweisen – wohl aber Antibiotika-Resistenzen. Jedes Jahr sterben zwischen 7.500 und 15.000 Menschen an antibiotikaresistenten Keimen.

Der Fleischatlas

Der Fleischatlas wird jährlich vom BUND Naturschutz, der Heinrich-Böll-Stiftung und der französischen Monatszeitung Le Monde Diplomatique veröffentlicht. 2014 sieht er vor allem einen Trend zu immer größeren Schlachtfabriken, vorzugsweise außerhalb des Blickfeldes der Konsumenten. Die Bedingungen in den Schlachtbetrieben diktiert der maximale Profit.

* Anmerkung: Aus gegebenem Anlass wurde der zweite Absatz geändert: Anders als vorher dargestellt, können Spaltböden bei richtiger Reinigung zur Reduzierung des Ammoniakanteils in der Luft führen.

Schlagworte:
ernährung
gesellschaft
gesundheit
konflikt
protest

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Bonita , Dienstag, 08.April, 14:29 Uhr

5. Abschaffung!!

Bitte keine Massentierhaltung mehr! (und auch viele andere Dinge..)

Wie kann da der Mensch noch ohne schlechtem Gewissen in ein Stück Fleisch beißen?!
Ja, ich habe es auch lange gegessen aber ohne zu Wissen, wie schlimm (Vor allem auf so eine bestialische Art und Weise) mit den Tieren umgegangen wird.
Das kann man sich doch nicht mehr ansehen soviel Leid und Elend!
An die Armen Wesen denkt keiner..

Wir (der Mensch) macht sich selber kaputt, uns und unsere Welt.

Xaver, Donnerstag, 16.Januar, 20:09 Uhr

4. Sachlich bleiben

Die Fakten, die hier dargelegt werden, sind korrekt. Ich finde es schade, dass der bayerische Rundfunk sich auf eine emotianale Diskussion einlässt, die mit sachlicher Berichterstattung nicht viel zu tun hat. Als Experten Dr. Ebner hinzuziehen, sollte Instutionen wie PETA oder dem BUND Naturschutz vorbehalten bleiben. Es wird zwar mit keiner Silbe erwählt, letztendlich fällt die Schuld leider doch auf die Landwirte.

lukas, Donnerstag, 16.Januar, 14:20 Uhr

3. Sachlicher bitte!!!!!!!!!!!!

Leider ist der Bericht doch recht einseitig.

Manche Daten sind Einfach falsch (z.B. schlechte Stallluft bei Spaltenböden die Amoniakausgasung sind bei Stroheinsteu wesentlich höher und die Be- und Entlüftung ist bei dieser Stallbauform auch schwieriger).

Die Vergleiche taugen wenig (Antibiotikaeinsatz).

137 Tausend verworfene Schlachtkörper höhen sich erstmal viel an, sind aber nach euren Zahlen "nur 0,2%" (keine Frage das ist immer noch zu viel) aber da arbeiten Landwirte mehr dran als Tierschützer!

Die reine Berufung auf eine Tagung der Gegnern von intensiver Tierhaltung ist einseitig!

Wenigstens eine neutrale wissenschaftliche Stimme hätte schon auch gehört werden sollen, Agraruniversitäten gibt es ja genügend.

da bin ich von PULS eine bessere (differenziertere) Berichterstattung gewohnt....

schade :-(

letzlich bleibt mir nur eins zu Sagen! jeder entscheidet selbst mit seinem Konsumverhalten! wollt Ihr eine Tierhaltung die den Schweinen mehr Platz gibt?
Dann kauft Produkte die das garantieren! Denn nur über veränderte Nachfrage werden sich die Produktionssysteme ändern!!!!!

Für die Produktion von Lebensmitteln sind Verbraucher genauso verantwortlich wie Produzenten!!!

  • Antwort von Hardy für PULS, Freitag, 17.Januar, 13:23 Uhr

    Hallo Lukas,

    danke für deine Anmerkungen: Es stimmt, Ställe mit Spaltenböden können bei richtiger Reinigung hygienischer sein als Ställe mit Stroheinstreu. WIr haben den mißverständlichen Satz gestrichen.

    Insgesamt sollte der Artikel zum Nachdenken über den eigenen Fleischkonsum anregen - denn wir teilen die Ansicht, dass die Verbraucher eine große Verantwortung für die Zustände in der Tierhaltung tragen. Aus diesem Grund hat der Artikel auch eine sehr kritische Tendenz.

    Er bleibt aber sachlich. Wir erwähnen, dass Herr Ebner sich gegen Massentierhaltung engagiert - der Leser kann deshalb darauf schließen, dass Herr Ebner eine tendenziöse Meinung hat. Wir nennen außerdem gesetzliche Vorschriften und Studien der Fachhochschule Soest und der WHO und wollen so ein möglichst umfassendes Bild der Probleme bei Massentierhaltung zeichnen.

    Denn es stimmt: Nicht allein die Landwirte können zu wirklichen Veränderungen führen, vor allem die Verbraucher müssen sich anders verhalten. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
    Kommentar-Richtlinien bearbeitet.

Hannes, Mittwoch, 04.September, 06:37 Uhr

2. Klasse Grafiken!

Danke fürs Veranschaulichen, vor allem das mit der WG ist heftig. Kenne niemanden, der gerne selbst so leben würde, da sind auch die Bio-Vorschriften meilenweit von entfernt. Und nach einigen Monaten oder Jahren dieser WG wird man auf den Laster zum Schlachtfließband getrieben. Nee, danke, da wohne ich lieber schön gemütlich nach meinen eigenen Vorstellungen und ernähr' mich derweil lecker vegan, damit andere für mich auch nicht in so einer WG vegetieren müssen. :o)

marie-luise thierauf, Samstag, 31.August, 08:45 Uhr

1. Industrielle Massentierhaltung

Sehr guter Bericht, bitte weiter zu diesem Thema informieren. Vor allem auch über die weniger bekannten Auswirkungen wie Menschenrechtsverletzungen und Klima. Wir besetzen landwirtschaftliche Flächen in z. B. Südamerika in der Größe von Brandenburg (moderner Kolonialismus) für Mais und Sojaanbau (meist genmanipuiert). Auch die Auswirkungen auf das Klima sind erschreckend, neuste Zahlen sprechen von einem Anteil von ca. 50 % der industriellen Tierhaltung am CO2-Ausstoß.
Herzliche Grüße
Marie-Luise Thierauf