"And the Oscar goes to..." Dieser Franke könnte einen Oscar bekommen

Produzent Tobias Rosen kommt aus Oberasbach und könnte mit seinem Film "Watu Wote" den Award für den besten Kurzfilm abräumen. Meryl Streep und Steven Spielberg hat er schon getroffen - und die Oscarnacht kommt erst noch!

Von: Alexander Loos

Stand: 12.02.2018 | Archiv

Hollywood und Glamour, daran denkt man bei den Oscars als Erstes – die wahre Geschichte hinter dem Kurzfilm "Watu Wote" ist das glatte Gegenteil: 2015 überfallen Islamisten einen Bus in Kenia, die Passagiere halten zusammen. Die Muslime weigern sich, die Christen im Bus an die Terroristen zu verraten.

Tobias Rosen aus Oberasbach in Mittelfranken hat den Kurzfilm produziert, der diese Geschichte auf die Leinwand bringt. Jetzt sind er und sein Team für den Oscar nominiert. Wir haben mit dem 34-Jährigen darüber gesprochen, wie sich der Moment angefühlt hat, als er von der Nominierung erfahren hat und was ein Oscarnominierter so zu tun hat.

PULS: Du kommst gerade aus vom Lunch der Oscar-Nominierten. Wie war das für dich und wen hast du getroffen?

Tobias Rosen: Es war spannend! Da stellt die Academy die Nominierten für die Oscars vor, und das ist schon etwas Besonderes, wenn man da ausgerufen wird, zusammen mit Leuten wie Meryl Streep oder Steven Spielberg. Man macht noch so eine Art Klassenfoto, da stellen sich alle in einem Kreis zusammen. Ich war kurz unter Steven Spielberg gestanden und man macht ein Foto mit ihm zusammen! Aber am Ende muss man auch sagen: Das sind natürlich auch alles Menschen, und vor allem sehr nette und offene Leute. Gerade Meryl Streep ist wirklich sehr nett, eine ganz feine Dame.

Wie war der Moment, in dem du von der Nominierung erfahren hast?

Ich war ja früher Fußballer und es war ein bisschen, als hätte man den Hattrick gerade im WM-Finale verwandelt. Eine Explosion an Freude. Ich weiß gar nicht, wie viel Leute man in dem Moment dann umarmt und küsst. Aber es waren sehr viele.

Hast du damit gerechnet?

Wenn man unter den letzten Zehn ist, aus denen dann nominiert wird, guckt man sich die anderen Filme sehr genau an und hofft natürlich, auch reinzukommen. Filmmagazine geben Prognosen ab, die oft auch stimmen –  manchmal aber auch nicht. Für die zumindest waren wir oft unter den letzten Fünf. Wir hatten also große Hoffnungen. Aber: Ich werde nie wieder einen Filmnamen mit W beginnen lassen, die geben die Nominierten alphabetisch bekannt! Vor uns wurden also vier Filme ausgerufen, dadurch war klar: Die letzte Chance oder gar nicht mehr.

Wie ist das Leben als Oscarnominierter?

Es ist unglaublich stressig. Man muss diese Reise nach Los Angeles organisieren. Von dort komme ich auch gerade, war da aber nur drei Tage, und das mit der Zeitumstellung von neun Stunden. Das ist eine ganz schöne Hausnummer. Man hat unglaublich viele Pressetermine. Ich glaube, ich könnte meinen ganzen Tag mit Presseterminen vollstopfen, aber ich muss nebenbei auch noch neue Filmprojekte anschieben. Dadurch ist das gerade sehr viel und ich merke, dass es super wichtig ist, irgendwo auch mal runterzukommen. Um zu begreifen, was da gerade passiert ist. Und um das auch genießen zu können.

Ist es ein surreales Gefühl, dass du weißt: In der Nacht vom 4. auf 5. März sitzt du in dieser Oscar-Verleihung, mit all diesen berühmten Leuten im Raum?

Gerade während der Schauspielschule hat man sich diese Oscarverleihung immer sehr genau angeguckt. Und jetzt zu wissen, dass man plötzlich dabei ist und unter den fünf Filmen ist, die da vielleicht sogar gewinnen können! Das ist schon wirklich sehr surreal.

Die Chancen stehen gar nicht schlecht für euren Kurzfilm. Was würde denn passieren wenn ihr wirklich gewinnt?

Ich bin mir gar nicht sicher, ob es noch so große Auswirkungen haben wird. Und ich möchte mich gar nicht groß damit beschäftigen, zu gewinnen. Viel hat einfach auch mit Glück zu tun, wer gerade welche Stimmen für welchen Film abgibt. Ich weiß auch gar nicht, ob einem viel mehr Tolles noch passieren kann, als es jetzt schon durch die Nominierung passiert ist. Da sind viele Türen aufgegangen. Es haben sich wirklich tolle Dinge ergeben, und was Schöneres kann ich mir gerade gar nicht vorstellen.

Hast du jetzt schon neue Projekte dadurch an Land gezogen?

Ich arbeite gerade als Produzent an einem ersten Kinofilm, den wir diesen Sommer drehen wollen. Und mein großer Traum war immer, aus diesem Kurzfilm, für den wir nominiert sind, einen Langspielfilm zu machen. 90 Minuten fürs Kino, um diese Geschichte tiefer und mit deutlich mehr Ebenen zu erzählen. Dem Traum sind wir jetzt, glaube ich, mit Meilenstiefeln entgegen gekommen. Da hatte ich in Hollywood jetzt einige Gespräche, gerade nach dieser Nominierung sieht das natürlich sehr gut aus.

Bereitest du eine Dankesrede vor oder hast du dir schon Gedanken gemacht was du sagst, wenn du gewinnst?

Nee, gar nicht. Das sagen alle immer (lacht). Aber wir haben mit dem Film schon ein paar Preise gewonnen im letzten Jahr. Und ich habe mir nie was vorher überlegt und dann immer geguckt, was aus dem Moment heraus entsteht. Daher würde ich das genauso handhaben. Außerdem hat man extrem wenig Zeit, wurde uns gesagt. Ich glaube 40 Sekunden oder so. Da kommt dann höchstens noch ein Danke an meine Mutter und meine Familie rein.

Sendung: Filter, 12. Februar 2018 - ab 15 Uhr