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Kunst-Aktion Tote Flüchtlinge vor dem Kanzleramt

Die Aktivisten vom "Zentrum für politische Schönheit" provozieren immer wieder mit umstrittenen Aktionen. Jetzt haben sie ein Crowdfunding gestartet. Mit dem Geld wollen sie tote Flüchtlinge nach Berlin bringen und dort beerdigen.

Von: Frank Seibert

Stand: 15.06.2015

Die Toten kommen | Bild: Screenshot youtube

Erst Ende letzten Jahres haben die Aktivisten des "Zentrums für politische Schönheit" in Berlin Gedenkkreuze für die Mauertoten entfernt. Sie wollten damit auf jene Menschen aufmerksam machen, die heute an den EU-Außengrenzen sterben. Diese Aktion wurde extrem kontrovers diskutiert.

Jetzt hat das Kunst-Kollektiv ein Crowdfunding für eine neue Aktion gestartet. Das Thema ist wieder das Sterben an den Außengrenzen der EU. Eigentlich sind die Ertrunkenen oder Verdursteten ganz weit weg - genau das will die Gruppierung ändern. "Wir holen jetzt das Problem nach Deutschland. Dahin, wo die wichtigsten Entscheidungen gegen die Humanität Europas gefällt werden" steht auf ihrer Webseite.

"Alptraum der Bundesregierung"

Schon der Name der Aktion ist krass: "Die Toten kommen". Konkret heißt das: Die sterblichen Überreste einiger Menschen, die an den Außengrenzen der EU gestorben sind, sollen in den nächsten Tagen nach Berlin gebracht und dort beerdigt werden. Das Kollektiv selbst spricht vom "wahrgewordenen Alptraum der deutschen Bundesregierung".

Die Gruppierung gibt an, mehrere Schicksale in den letzten Monaten intensiv verfolgt zu haben. Ihre traurige Erkenntnis aus den Recherchen: Manche Leichen wurden nie identifiziert, sie lagen monatelang herum oder wurden in Massengräbern verscharrt. Diese Leichen sollen jetzt nach Berlin kommen.

Für ihre Aktion braucht das Zentrum für politische Schönheit jetzt Unterstützung. Pro Überführung und Beerdigung braucht das Zentrum für politische Schönheit 14.900 Euro. Vier Beerdigungen kosten rund 60.000 Euro. Ein ganz schöner Batzen Geld. Die Beteiligung ist allerdings schon jetzt sehr groß: Nach drei Stunden sind schon über 4.500 Euro zusammen gekommen.

Für Dienstag ist bereits eine muslimische Beerdigung einer Mutter und eines zweijährigen Kindes angekündigt. Beide sollen ertrunken sein. Dazu hat das Zentrum schon einige Politiker und Referatsleiter eingeladen. Weitere Termine will das Kollektiv erst kurzfristig bekannt geben.

Friedhof vor dem Kanzleramt

Für Sonntag ist eine große Demo angekündigt, der "Marsch der Entschlossenen". Die Gruppierung will dabei zum Kanzleramt laufen, um dort einen Grundstein zu legen - zum Friedhofsfeld der Superlative, einer riesigen Gedenkstätte vor dem Sitz der Regierungschefin. "Kanzlerin, Kabinett und Besucher müssen künftig über Leichen gehen." Demonstranten werden aufgerufen, Schaufeln, Pickel oder Presslufthämmer mitzubringen. Die Gruppierung selbst will mehrere Bagger beisteuern.

Ganz schön harter Tobak. Und deshalb wird die Aktion auch auf Facebook heftig diskutiert. Dort gibt es viel Lob: "Wow! Was für 'ne geniale Aktion, um dieses perfide Thema in die Öffentlichkeit zu rücken." oder "Klug, genial, traurig, bewegend, danke!". Es gibt aber auch Leute, die das Ganze ziemlich makaber finden: "Wie das hier alle beklatschen. Widerlich. Leichen, die instrumentalisiert werden, nur reine Profilierung."

Wie auch immer man dazu stehen mag - makaber oder gerechtfertigt - ihr Hauptziel erreicht das Zentrum für politische Schönheit wohl schon vor der ersten Beerdigung: eine Diskussion über die Toten an den EU-Außengrenzen.

Schlagworte:
beziehung
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gesellschaft
konflikt
protest
Zentrum für politische Schönheit

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Tachelesredner, Mittwoch, 17.Juni, 17:30 Uhr

3. Denk ich an Deutschland in der NACHT...

Herr Seibert, viele Grüße an das "Zentrum für politischen Irrsinn", oder wie das heißt! Diese Aktion verdient den "Geistig-Verirrten-Preis am linken Gängelband". Natürlich Erster Klasse.

Klarformulierer, Mittwoch, 17.Juni, 14:39 Uhr

2. "Lasst die Kinder lallen, sie sind auf den Kopf gefallen"!

Schlage eine Umbenennung vor in "Zentrum für politischen Irrsinn". Kommentar Ende.

Andaki, Montag, 15.Juni, 13:51 Uhr

1. Der Opfer gedenken

Es ist nicht makaber, die Toten nach Berlin zu bringen! Makaber ist es aber, sie zu vergessen und die menschenverachtende Politik zu vertuschen.

  • Antwort von Fragender, Mittwoch, 17.Juni, 13:59 Uhr

    Ach was? Wie kommen Sie denn darauf - gab es denn Kommentare, die diese unsägliche Angelegenheit makaber fanden? Wo sind die denn? Ich würde die alle gerne mal sehen...

  • Antwort von Klärchen U., Mittwoch, 17.Juni, 17:26 Uhr

    Wessen menschenverachtende Politik? Sie meinen sicher die der Regierungen der Länder, wo solche katastrophalen Verhältnisse Dauerzustand sind oder sogar Glaubenskriege, oder? Denn diese Beerdigungsgeschichte (im Sarg als Muslime!!!!!!) ist doch als total verblödete Aktion in Deutschland zu bezeichnen! Wir sind nicht für das allgemeine Wohlbefinden Menschen anderer Kontinente zuständig, sondern zuallererst für das unsere und das unserer Mitbürger. Doch für weltfremde Linksautonome fängt das Elend ja immer erst nach den Meeren an - die sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht! Die bekämpfen diesen Staat, in dem sie nicht nur daueralimentiert leben können, sondern noch die verbohrtesten Ideen äußern und die absurdesten Ideen ausleben dürfen. Ach so: Hat man wenigstens als Imam noch den Vogel dazu eingeladen? Denn Gleich und Gleich gesellt sich gern...