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Flüchtlinge und Sport Touchdown gegen die Langeweile

Raus aus dem Asylbewerberheim, rein in den Sportverein. Das war für Flüchtlinge lange unmöglich. So langsam tut sich aber was: Immer mehr bayerische Vereine nehmen Flüchtlinge in ihr Training auf.

Von: Christine Memminger

Stand: 13.02.2015

Flüchtlinge im Sport | Bild: BR

"Ready - go!" Osman rennt auf das Polster zu. Rammt die Schulter hinein, checkt es um. "Super! Genau so, keine Angst vor Kontakt!" Der Flüchtling aus Pakistan trainiert zum ersten Mal Football in Rosenheim mit. Helm und Schulterpolster hat ihm der Verein geliehen, sie trainieren Tackling. Die Übungen versteht er aber nicht so richtig, schließlich spricht Osman nicht Englisch und nur ein bisschen Deutsch. Aber der Trainer freut sich trotzdem: "Die Technik wird er schon lernen, er kann es sich ja bei den anderen abschauen."

Generell gilt: Je komplizierter die Sportart, desto weniger Angebote für Flüchtlinge gibt es, aber auch weniger Nachfrage. Besonders beliebt ist Fußball, weil da ohne viel Ausrüstung gespielt werden kann. Außerdem klappt auch die Verständigung im Team besser, je bekannter allen die Regeln sind. Bei Mannschaften, die Turniere spielen, stand bisher oft die Residenzpflicht im Weg. Sie wurde inzwischen gelockert, schränkt die Bewegungsfreiheit von Flüchtlingen innerhalb der ersten drei Monate aber immer noch auf einen bestimmten Bezirk ein.

Mehr als nur Training

Footballtraining in Rosenheim

Der Bayerische Landessport-Verband (BLSV) hat deutschlandweit als erster eine spezielle Sportversicherung geschaffen. Mit der können Flüchtlinge in ganz Bayern in Vereinen mittrainieren und sind automatisch über den BLSV versichert. Das Ganze läuft komplett unbürokratisch und deshalb melden sich seit Beginn des Jahres immer mehr Vereine, die Flüchtlinge ins Training aufnehmen möchten. Das Training ist für sie dann natürlich gratis. Außerdem kümmern sich die Vereinskollegen um Sportklamotten oder vermitteln auch mal einen Deutschkurs.

Wie kann ich helfen?

Man kann zum Beispiel Asylbewerber von der Unterkunft abholen und nach dem Training zurückbringen oder Spenden für Sportklamotten sammeln. Aber auch Trainer werden immer wieder gebraucht, wenn viele Flüchtlinge mittrainieren. Wenn du dich engagieren willst, wende dich einfach an den Sportverein bei dir um die Ecke.

Hier eine Auswahl von Vereinen in Bayern, die aktiv auf Flüchtlinge zugehen und sie ins Training integrieren:

Football in Rosenheim

Immer wieder offene Probetrainings - gerne möchten die Rebels Rosenheim noch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Im Moment trainieren zwei junge Erwachsene aus Sierra Leone in der ersten Mannschaft mit. Die Rebels sind Teil des Sportbundes Rosenheim, der auch in anderen Sportarten Flüchtlinge integriert, zum Beispiel beim Basketball und in Leichtathletik.

FC Asyl in Kaufbeuren

Eine eigene Fußballmannschaft nur für Flüchtlinge. Beim FC Asyl der SpVgg Kaufbeuren trainieren jede Woche rund 25 erwachsene und zehn jugendliche Flüchtlinge. Der Verein organisiert auch immer wieder Spaß-Turniere gegen Mannschaften in der Umgebung, bei denen der FC Asyl mitmacht.

Basketball in München

Noch kein richtiger Verein, aber sie wollen einer werden: Ein paar engagierte Basketballer bieten seit Kurzem in München einmal die Woche Training für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge an. Das Training ist immer gut besucht, allerdings kommen nicht immer die gleichen Spieler. Trikot- und Schuhspenden sind deshalb besonders dringend nötig. Diese können im Jugendzentrum Schwabing-West beim CVJM abgegeben werden. Wenn es weiterhin so gut läuft, wollen die Jungs einen eigenen Verein gründen und eine integrative Freizeitmannschaft aufbauen.

Fußball in Amberg

Die Amberger sind alte Hasen, was Integration von Flüchtlingen angeht. Weil die Asylbewerberunterkunft direkt neben dem Vereinsgelände liegt, hat die DJK Amberg ihr Angebot schon vor fast 20 Jahren erweitert. Seitdem spielen Flüchtlinge in Mannschaften verschiedenen Alters und Klassen mit. Auch schön: Wenn Asylbewerber in einen anderen Ort umziehen müssen, kümmert sich die DJK Amberg oft darum, einen neunen Verein zu finden.

Boxen in Eichstätt

Frust ablassen und an der richtigen Technik feilen – das können Flüchtlinge seit letztem Frühjahr beim Boxclub Eichstätt. Um die zehn Flüchtlinge nehmen das Angebot regelmäßig wahr. Boxhandschuhe, Gymnastikmatten und alles andere stellt der Verein kostenlos zur Verfügung, damit im Training alle die gleichen Möglichkeiten haben.

Tischtennis in Würzburg

Von Tischtennis bis Lacrosse: Unter dem Motto „Sport ohne Grenzen“ integriert die Freie Turnerschaft Würzburg Flüchtlinge in ihre Trainingseinheiten. Damit sie regelmäßig teilnehmen können, bekommen die neuen Mitglieder Fahrkarten und Sportkleidung gestellt. Für ihr Engagement haben die Initiatoren bereits einiges an Fördergeldern gesammelt und wollen jetzt auch in anderen Bereichen helfen. Einem Mitspieler konnten sie schon einen Ausbildungsplatz vermitteln.

Tanzen in Scheidegg

Frauen unter sich. Die Sportgemeinde Scheidegg bietet Gymnastik und Tanz für Männer und Frauen an, und zwar nach Geschlecht getrennt. Vor allem für weibliche Flüchtlinge ist das wegen ihrer Religion oft interessant. Männer wären in allen Abteilungen des Vereins auch willkommen, allerdings wird das Angebot kaum angenommen.

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