TV & Serie // The Young Pope He’s Sexy And He Knows It

Jude Law ist der wahrscheinlich hintertriebenste Papst, den die Welt je gesehen hat. Und der schönste noch dazu. Und die Serie "The Young Pope" nicht nur überdreht, sondern auch echt unterhaltsam.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 24.01.2017 | Archiv

The Young Pope | Bild: Wildside/ Haut et Court TV / Mediapro / Sky

Gerade wurde er gewählt, der erste amerikanische Papst, der jüngste der Geschichte - blond und strahlend schön. Das ist Pius der 13., Stellvertreter von Gott, der, der seinen Willen an die Gläubigen verkündet. Als er auf den Balkon des Petersdoms tritt, verziehen sich schlagartig die finsteren Regenwolken. Und dann sagt er das radikalste, was jemals ein Papst vom Petersdom verkündet hat: 

"Wir müssen im Einklang mit Gott leben. Was haben wir noch vergessen? Wir haben vergessen zu masturbieren. Verhütungsmittel zu benutzen. Abtreibungen durchzuführen. Hochzeiten abzuhalten, für Lesben und Schwule. Den Priestern zu gestatten sich zu lieben und wenn sie wollen sogar zu heiraten. Wir haben vergessen glücklich zu sein."

Zitat aus 'The Young Pope'

Okay, denke ich: Bring it on! Aber nein. Das ist alles nur geträumt. So was käme Pius dem 13. nämlich nie über die Lippen. Sowas passiert maximal in seinem schlimmsten Alptraum. Denn Lenny Bellardo, wie der neue Papst eigentlich heißt, ist zwar jung, aber das Gegenteil von progressiv. Obwohl das alle von ihm erwartet haben. Er ist ein Wolf im Schafspelz. Ein alter Mann in einem sexy gestählten Körper und was die Welt von will ist ihm herzlich egal.

Kinnlade auf Kniehöhe

Schon in den ersten zehn Minuten von "The Young Pope", klappt einem die Kinnlade auf Kniehöhe runter - und da bleibt sie auch erstmal. Und das nicht nur wegen der ungeheuerlichen Dinge, die Lenny Belardo so von sich gibt. Die Serie sieht auch fantastisch aus - ein lebendiges Kirchengemälde, direkt aus den Hallen des Vatikans. Die ersten zwei Folgen sind so grandios inszeniert, sie gehören auf dem größtmöglichen Bildschirm - ja, im Kino geschaut.

Der Macher der Serie ist Paolo Sorrentino, Italiens Starregisseur mit einem Hang zu symbolhaften Bildern. Und in "The Young Pope" zeigt er die katholische Kirche mit ihren antiquierten Ritualen und allzu weltlichen Machtspielchen aus der Sicht eines italienischen Katholiken: Mit Ehrfurcht und Wunder - aber auch unverhohlenem Spott. Und das macht "The Young Pope" unfassbar unterhaltsam. Oft weiß ich nicht, ob ich  lachen, oder mir die Augen reiben soll. Wenn der Papst ein Känguruh im vatikanischen Garten freilässt. Wenn seine engste Vertraute mit einem Shirt rumläuft, auf dem steht: "I'm a Virgin - but this is an old T-Shirt". Wenn ein Kardinal lüstern eine antike Statue betrachtet. Oder wenn Pius beichtet, dass er gar nicht an Gott glaubt. War natürlich nur ein Witz. Oder nicht?

Jude Law spielt die Rolle seines Lebens

Ohne Jude Law als Papst Pius wäre das alles nicht mal halb so gut. Genüsslich manipuliert und triezt er seinen Hofstaat, stellt die Regeln des Vatikans auf den Kopf und suhlt sich in seiner Macht. Für den anarchischen, völlig unberechenbaren und tyrannischen Papst gibt's keinen besseren Schauspieler. Aus seinen eisblauen Augen strahlt kalter Wahnsinn, aber auch großer Witz.

"The Young Pope" ist kein ernsthaftes Kostümdrama, kein "House of Cards", aber auch keine Soap. Diese Serie ist einfach eine wundersame, opulente und großartig gespielte Satire.

Die komplette erste Staffel ist abrufbar bei Skyticket und SkyGo

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