TV & Serie // Lore Ein Hauch von pseudo-wissenschaftlichem 90er TV

Der Autor Aaron Mahnke schreibt Horror-Romane. Eigentlich nur als Marketing-Kampagne bastelt er den Lo-Fi Grusel-Podcast "Lore". Der Podcast wird erfolgreich, hat bald Millionen Hörer – und ist jetzt sogar eine Amazon-Serie.

Von: Maria Fedorova

Stand: 06.12.2017 | Archiv

90er Jahre TV-Shows lassen grüßen | Bild: Amazon.com

Eine der Lore-Folgen beginnt mit einem Exkurs in die Geschichte der Psychiatrie - viele Bilder, viele Hintergrundfakten. Wann beginnt denn der richtige Horror, fragt man sich. Vielleicht jetzt: In einer Arztpraxis liegt eine Frau auf dem Operationstisch. Der eigentlich ganz nett aussehende Arzt schiebt eine lange Nadel durch die Augenhöhle seiner Patientin. Hm, ok, vielleicht ist er doch nicht ganz so nett. Dann wackelt er an der Nadel herum, zack, fertig. Eine transorbitale Lobotomie wurde hier durchgeführt, erklärt der Arzt. Aha. Sieht erstmal wie eine Wissenschaftsdoku aus. Ist aber eine Horrorserie - eine ganz Besondere. In der Serie "Lore" hat jede Folge ein eigenes Thema. Es sind aber immer Horror-Geschichten, die auf historischen Ereignissen basieren oder urbanen Mythen.

Die Umsetzung von "Lore" - das ist der wirkliche Horror

Von Werwölfen und Vampiren bis hin zu den perversesten, medizinischen Praktiken ist bei "Lore" alles dabei. Die Stimme von Aaron Mahnke hält die verschiedenen Storylines zusammen. Er hatte die Idee zur Serie "Lore" oder besser gesagt zum Podcast, auf dem die Serie basiert. In seinem Podcast hat Mahnke große Fragen aufgeworfen: Wie beeinflusst Aberglaube unser Leben? Dient Wissenschaft immer nur dem guten Zweck? Und gibt es im durch-rationalisierten 21. Jahrhundert noch Platz für urbane Mythen? Spannende, zeitlose Fragen! Das Entertainment-Potenzial liegt bei mindestens 120 Prozent. Aber funktioniert das auch als visuelle Serie?

Leider nicht. Dabei wurden nur die beliebtesten Podcast-Folgen rausgesucht – umgesetzt von namhaften Produzenten, die schon bei modernen Klassikern wie "The Walking Dead" und "Akte X" dabei waren. Und der Podcast "Lore" würde Stoff für gefühlt 10.021 coole Horror-Serien liefern. Allerdings müssen dann auch das Drehbuch und die Bilder stimmen.

Die uncoolen 90er

Die Serie ist aber eine chaotische Mischung aus nachgespielten Szenen und Zeichnungen ohne einheitliche Ästhetik. Die nachgestellten Handlungen sind cheesy, ähneln sogar in ihren besten Momenten schlecht gemachten, historischen Dokus oder haben einen Hauch von pseudo-wissenschaftlichen TV-Sendungen aus den 90ern. Irgendwie peinlich.

"Lore" will unterhalten und unterrichten gleichzeitig. Dabei bleibt die Spannung auf der Strecke. Wer kann sich noch an die Fernsehsendung "X-Factor: Das Unfassbare" erinnern?

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Heute zieht man sich sowas höchstens nostalgisch oder als guilty pleasure auf YouTube rein und lacht dabei über die naiven, fast schon prähistorischen Prä-Facebook und Prä-Instagram Zeiten. So ist es auch mit "Lore". Die Serie passt in die seit Jahren nicht nachlassende 90er Nostalgie. Mich würde es aber nicht wundern, wenn "Lore" das gleiche Schicksal ereilen würde wie "X-Factor" und die Serie fix in Vergessenheit gerät.

"Lore" gibt's seit 1. Dezember bei Amazon Prime Video.

Sendung: Hochfahren vom 06.12.2017 ab 7 Uhr