Hindafing // Regisseur Boris Kunz "Jetzt rama dir des Arschloch aus!"

Die neue BR-Serie "Hindafing" wird mit "Breaking Bad" verglichen - zu Recht! Regisseur Boris Kunz hat uns verraten, bei welchen Serien er sich was abgeschaut hat und welcher bayerische Ort für "Hindafing" Pate stand.

Von: Vanessa Schneider und Ulrich Knapp

Stand: 16.05.2017 | Archiv

Hindafing - Folge 2: Zischl (Maximilian Brückner) wird von Visionen heimgesucht. Vor ihm stehen die unterschiedlichsten Telefone. | Bild: Günther Reisp

Weiße Bergspitzen, glücklich lächelnde Trachtler und eitel Sonnenschein. Eben bayerische Idylle, wie wir sie schon tausendmal gesehen haben. Genau das wollten Rafael Parente, Niklas Hoffmann und Boris Kunz mit ihrer neuen BR-Serie "Hindafing" nicht. Und deshalb ist "Hindafing" auch das Gegenteil von trauter Heimeligkeit - betongrau, spießig und ziemlich böse.

Wer "Fargo", "Breaking Bad" und "Braunschlag" kennt, der weiß: Triste Orte sind die beste Kulisse für abgedrehte Stories. Und so ist das auch in Hindafing, wo der egomanische Bürgermeister Alfons Zischl nicht nur seine eigene kleine Flüchtlingskrise auslöst und die Dorfbewohner mit einem Bio-Einkaufsparadies gegen sich aufbringt. Seine Nase steckt dabei richtig tief im Crystal Meth. Wir haben mit Regisseur und Autor Boris Kunz über seinen Serienhit gesprochen.

PULS: Hindafing - der fiktive Ort, in dem die Serie spielt - sieht trostlos aus. Das Gegenteil von dem, was man aus den BR-Heimatserien kennt. Gab es einen Ort in Bayern, der für das trostlose Hindafing Pate stand?

Boris Kunz: Ein bisschen schon. Bevor wir mit den Arbeiten am Drehbuch begonnen haben, haben wir für den BR einen Dummy gedreht. Die ersten zehn Minuten der ersten Probe-Folge haben wir in Irsching gedreht - in der Nähe von Ingolstadt. Da steht ein Gaskraftwerk, das noch so halb in Betrieb ist und egal an welcher Stelle im Ort du dich befindest, du hast diese Industrieschlote immer im Hintergrund. Das war eine ungeheuer inspirierende Gegend. Wir haben dann versucht, das für die Serie wieder zu erschaffen.  

Ihr habt viele aktuelle Probleme aufgegriffen in Hindfing: die Energiewende, schlechte Infrastruktur, Flüchtlinge. War es schwer, die Erwartungshaltung der Zuschauer dann auch humorvoll zu brechen?

Wir sind selber alle Fans von Serien, die irgendwie ungewohnte Haken schlagen und in denen Sachen passieren, mit denen man nicht gerechnet hat. Wir haben immer wieder versucht, uns selbst in die Situation der Zuschauer zu versetzen: Was würden wir erwarten und wie kann man jetzt etwas Anderes bringen? Also haben wir uns bemüht, deutlich zu machen, dass das nicht die lustige Flüchtlingsgeschichte ist, sondern eine düstere, skurrile, bayerische, satirische Serie.

Apropos Humor: Ist das eigentlich der typisch bayrische Humor - hinterfotzig, bisschen böse, aber letztlich dann doch irgendwie herzlich?

Ja, ich glaube schon, auch wenn ich nicht weiß, wie spezifisch bayerisch das jetzt ist. Wir haben uns darum bemüht, dass die Lacher nicht daher kommen, dass die Leute lustig bayrisch reden und "Zipfelklatscher" sagen. Wir wollten den Figuren selbst einen Humor geben und der sollte dann auch der Humor der Serie sein. Dieser Humor ist schon ein bisschen derb, aber nicht dumm.

Welche Serien waren denn eure Vorbilder für Hindafing?

Da könnte ich jetzt eine ganze Liste runterbeten: Es sind natürlich vor allem modernere Sachen, die bei Netflix oder Amazon laufen. "Fargo" und "Better Call Saul" finde ich ganz toll. Aber auch skandinavische Serien - was inhaltlich erstmal überhaupt nicht zu passen scheint. Aber auch bei "Die Brücke" haben wir uns auch Sachen abgeschaut: Wie man Figuren erzählen kann, wie man eine Welt kreiert, die in sich stimmig ist. Die österreichische Serie "Braunschlag" muss man natürlich auch nennen. Wir haben uns da von ganz vielen Dingen inspirieren lassen, aber uns auch immer darum bemüht, dass es am Ende etwas Eigenes ist. "Breaking Bad" ist natürlich auch dabei, das wird ja immer gerne und viel zitiert. Haben wir auch Alle gesehen, finde ich auch super.

Wenn man sich die Teams hinter anderen Serien anschaut, dann seid ihr im Vergleich schon ein junges und sehr kleines Team: Ihr habt alle Folgen zu dritt geschrieben. Warum habt ihr euch dafür entschieden, es so zu machen?

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Wir nehmen uns die amerikanischen Writers Rooms als Vorbild. Natürlich haben wir jetzt noch nicht das Budget und das Volumen, um den mit zehn Leuten aufzufüllen - also sind wir zu dritt. Aber das ist auch eine gute Anzahl, um gemeinsam zu arbeiten. So funktioniert die ganze Serienentwicklung: Man setzt sich gemeinsam hin, arbeitet alles zusammen soweit aus, dass man ganz genau weiß, was wann passiert. Damit gehen die Autoren dann nach Hause und schreiben die Dialoge und die Szenenbeschreibungen. Da fließt natürlich auch noch mal was von einem selbst mit rein, die eigenen Ideen.

Was inspiriert dich denn, wenn Du zuhause bist und schreibst?

Wir haben uns die Szenen gemeinsam schon richtig bildlich vorgestellt. Insofern geht man schon mit einer reichen Bilderwelt im Kopf an den Schreibtisch. Dann ist es gar nicht mehr so viel, was dazu kommen muss. Und wenn man mal irgendwie fest steckt, stößt man oft im Internet auf irgendwelche skurrilen Meldungen, auf irgendwelche schrägen Videos, die man so nicht erwartet hätte. Was bei den Dialogen noch ab und zu eine große Inspiration war - und das wird sie nicht gern hören - ist meine Freundin. Die hat nämlich auch so richtig derbe bayerische Sprüche auf Lager, die dann an der ein oder anderen Stelle den Weg in die Serie gefunden haben. Wie zum Beispiel: "Jetzt rama dir des Arschloch aus!" Was würde man da jetzt auf Hochdeutsch sagen? Keine Ahnung... "Sonst gibt’s die Hucke voll" hätte meine Tante vielleicht gesagt.

Hindafing könnt ihr seit dem 09. Mai 2017 in der BR Mediathek anschauen. Ab 16. Mai 2017 läuft Hindafing um 20:15 Uhr in Doppelfolgen auch im Bayerischen Fernsehen.

Sendung: Freundeskreis, 12. Mai 2017 - ab 10 Uhr

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