TV & Serie // Girl Cave Das mysteriöse Tagebuch meiner toten Mutter

Zada, Caro und Julija - drei normale Mädchen aus der Pfalz, die den Ego-Shooter Overwatch zocken und Fanfiction schreiben, statt YouTube-Beautytipps zu testen. Als Julijas Mutter ihr ein mysteriöses Buch hinterlässt, wird es aufregend.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 13.06.2017 | Archiv

Girl Cave | Bild: funk

"Ich wusste gar nicht, dass du eine Mutter hast!" Natürlich hat Julija eine Mutter – nur ist die eben nicht da. Nie dagewesen. Julija lebt bei ihrem Vater, irgendwo in der pfälzischen Provinz. Das war eigentlich auch ganz gut so. Schließlich hat sie ihre beiden besten Freundinnen Caro und Zada. Aber jetzt ist Julijas Mutter tot – und präsenter als je zuvor.

Der Nachlassverwalter drückt Julijas Vater eine Silvesterrakete mit der Asche ihrer Mutter in die Hand und deren Tagebuch bekommt sie, mit dem Auftrag es zu lesen. Und damit geht es los, bei "Girl Cave" - einer neuen Webserie von funk.

Irgendwo zwischen Webserie und Fernsehen

Eine gute Webserie zu machen, ist nicht so einfach. Viele scheitern daran in wenigen Minuten und mit schmalem Budget eine spannende Story mit echten, lebendigen Charakteren zu erzählen. "Girl Cave" umgeht dieses Problem elegant: Die Folgen sind mit 15 Minuten länger als normale Webserien, aber deutlich kürzer als bei einer klassischen Comedyserie. In jeder Folge nehmen sich Julija und ihre beiden besten Freudinnen Zada und Caro eine Seite aus dem mysteriösen Buch vor – und damit auch einen neuen Lebenstipp.

Okay, das Timing sitzt nicht immer perfekt. Die drei Hauptdarstellerinnen haben vor "Girl Cave" aber auch noch nie vor der Kamera gestanden. Sie kommen alle aus der Umgebung von Mainz, sind frisch aus der Schule und genauso alt wie die Figuren, die sie spielen. Normalerweise stören hölzerne Dialoge bei Webserien oft. Die drei Mädels von "Girl Cave" aber kommen sehr charmant rüber, weil es eben zu YouTube und zum Stil der Serie passt: Typisch Indiefilm-mäßig inszeniert, mit oft lustigen aber auch sehr melancholischen Zwischentönen.

Nicht nur Guilty Pleasure. Einfach Pleasure.

Mit jeder Episode lernen die Mädels nicht nur Julijas Mutter, sondern vor allem sich selbst besser kennen: Drei ganz normale Außenseitermädchen, die den Ego-Shooter Overwatch zocken, Fanfiction schreiben und Comics lesen, statt YouTube-Beautytipps zu testen. Solche Mädchen gibt’s nämlich auch. Und die können - so wie es sich für transmediale Formate gehört - auf Instagram und tumblr komplett in die "Girl Cave"-Welt eintauchen, Interviews mit Comiczeichnerinnen lesen und die Musik aus der Serie anhören.

Dass die Macher für das Internet gedacht haben, zeigt sich auch daran, dass zu allen Folgen sowohl spanische als auch englische Untertitel verfügbar sind. Ähnliche Formate wie das norwegische "Skam" haben vorgemacht, dass Teen-Webserien international und über alle Altersgruppen hinweg Erfolg haben können. Ob "Girl Cave" daran anknüpft? Keine Ahnung. Aber sie ist zumindest ein erster Versuch. Und noch viel wichtiger: Sie basiert auf einer ganz eigenen Idee.

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Wer sich gern beim Indie-Webzine "Rookie" rumtreibt, Regisseur Wes Andersons verschrobenen Humor mag und Michel Gondry für seine Ideen und Optik liebt, könnte hier ein neues Guilty Pleasure finden. Ach was, streicht das Guilty. "Girl Cave" ist Pleasure. Punkt.

"Girl Cave" könnt ihr euch bei Youtube angucken. Jeden Freitag gibt’s neue Folgen.

Die erste Folge

Sendung: Hochfahren, 13. Juni 2017 - ab 7 Uhr

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