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Serien // Transparent Aus Mort wird Maura

Amazon macht inzwischen auch in Serien – und liefert die womöglich beste neue Serie in diesem Herbst ab: Von Transgender über familiäre Kompliziertheiten bis Triangelmusik: "Transparent" vereint das alles grandios.

Von: Juliane Frisse

Stand: 01.10.2014

Quizfrage: Wie viele Serien kennt  ihr, in denen die Hauptfigur Transgender oder transsexuell ist? Nicht so viele vermutlich. Womöglich sogar keine einzige. Ich selbst kenne ehrlich gesagt auch keine, und bevor es mir als Ignoranz ausgelegt wird: Ich finde, es ist daher allerhöchste Zeit für eine Serie wie "Transparent". In der Produktion aus dem Hause Amazon wird sich die Hauptfigur darüber klar, dass sie zwar den Körper eines Mann besitzt, in Zukunft aber als Frau leben will. Aus dem Familienvater Mort wird Maura.

Geschlechtsneutrale Toiletten am Set

"Transparent" erzählt von all den Ängsten und Schwierigkeiten, die mit diesem Geschlechterwechsel einhergehen - und sei es nur, welche Toilette im Einkaufszentrum die richtige ist. In Rückblenden erfahren wir außerdem, dass Mort (großartig: Jeffrey Tambor aus "Arrested Development") schon viele Jahre mit seiner Identität als Mann gehadert hat. Die Serienschöpferin Jill Solloway schafft es, dass sich die Entwicklung von Mort zu Maura echt und realistisch anfühlt. Bestimmt auch, weil Solloway sich für das vernachlässigte Transgender-Thema nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera ernsthaft interessiert. Am Set gab es auf ihren Wunsch hin nur geschlechtsneutrale Toiletten. Für Crew und Cast wurden Transgender-Bewerber bevorzugt.

Suche nach sich selbst

Das Beste an "Transparent" ist allerdings, dass es in der Serie trotzdem noch um so viel mehr als Transgender geht - nämlich um eine Familie und die Dynamiken in dieser Familie. Genau wie ihr Vater viele Jahr lang, suchen auch die drei Kinder von Mort beziehungsweise Maura noch nach ihrem Platz im Leben, selbst wenn sie auf dem Papier schon lange erwachsen sind. Auch bei ihnen ist die Suche nach sich selbst eng mit ihrer Sexualität verbunden.

Die Westküsten-Wohlstandswelt von Los Angeles

"Transparent" verhandelt also ganz klassische Dramastoffe. Dabei kommt die Serie gleichzeitig ganz leicht und oft auch sehr lustig daher. Mit Witzen über Hipster-Bands, für deren Sound Triangelklänge angeblich essentiell wichtig sind, mit Sex zu dritt, bei dem plötzlich jemand gehen muss und mit Figuren, die nur noch grüne Smoothies schlürfen, nimmt sie uns nebenbei auch noch mit in die Westküsten-Wohlstandswelt von Los Angeles, in der eigentlich niemand ernsthafte Probleme haben müsste – außer dem vielleicht menschlichsten und größten aller Probleme: herauszufinden, wer man ist.

Die erste Staffel von "Transparent" gibt es bei Amazons Streamingdienst Prime Instant Video im englischen Originalton zu sehen. Ab November gibt es die Serie dort auch in der synchronisierten Fassung zu sehen.


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