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Sundance Festival 2016 Drei Filme, die ihr in diesem Jahr sehen müsst

Wer Blockbuster nicht mag, liebt das Sundance Festival. Denn dort werden Jahr für Jahr die Perlen der kommenden Indie-Kinosaison gezeigt. Über drei Filme wurde extrem viel geredet. Aber nicht immer nett.

Von: Bettina Dunkel

Stand: 29.01.2016

Szene aus "Birth of a nation" | Bild: Elliot Davis

Der größte Buzz-Generator: "The Birth of a Nation" von Nate Parker

Nein, für das meiste Aufsehen hat am Sundance Festival nicht der berühmte Stummfilm aus dem Jahr 1915 gesorgt. Aber der Titel hätte nicht klüger gewählt sein können. Denn in Nate Parkers "The Birth of a Nation" geht es ebenfalls um Sklaverei, Rassismus und den tiefen Graben in der amerikanischen Gesellschaft. Bei der Premiere gab es Standing Ovations, manche Zuschauer sollen Tränen in den Augen gehabt haben. Kein Wunder: Es geht um einen auf wahren Begebenheiten beruhenden Sklavenaufstand im Jahr 1831, der grausam niedergeschlagen wurde.

Die Hauptrolle spielt Nate Parker, der bislang vor allem in Indiefilmen und Nebenrollen zu sehen war. Parker hat bei "The Birth of a Nation" auch Regie geführt, gleichzeitig war er Produzent und Drehbuchautor. Ein Kraftakt. Und ein absolutes Herzensprojekt: In einem Interview hat Parker erzählt, dass es ganze sieben Jahre gedauert hat, bis er den Film endgültig realisieren konnte.

Diese Anstrengung wurde belohnt. Denn beim Sundance Festival werden nicht nur Filme gezeigt, es werden auch Filmrechte verkauft. Und um "The Birth of a Nation" ist ein regelrechter Bieterwettstreit entbrannt. Das Rennen gemacht hat schließlich Fox Searchlights mit einer Rekordsumme von 17,5 Millionen US-Dollar. Das ist bei weitem die höchste Summe, die beim Sundance jemals für Filmrechte gezahlt wurde. Bislang war "Little Miss Sunshine" der Spitzenreiter - für den späteren Oscaranwärter wurden 2006 immerhin 10,5 Millionen hingeblättert. Auch "The Birth of a Nation" wird jetzt schon als klarer Kandidat für die Oscarverleihung 2017 gehandelt.

Der zweite Oscar-Kandidat 2017: "Manchester by the Sea" von Kenneth Lonergan

"Manchester by the Sea" gilt ebenfalls jetzt schon als Oscar-Kandidat für 2017. Casey Affleck spielt in dem Familiendrama einen introvertierten Einzelgänger namens Lee Chandler. Als sein älterer Bruder plötzlich stirbt, wird Lee zum Vormund seines pubertierenden Neffen erklärt und kehrt in seine Heimatstadt zurück. Dort trifft er unter anderem auf seine Exfrau (Michelle Williams).

Lee muss also mit einer ganzen Reihe von Extremsituationen klarkommen. Und diese emotionale Achterbahnfahrt spielt Casey Affleck so gnadenlos gut, dass es vom Publikum tosenden Applaus gab und mehrere Kritiker von einem Oscar-würdigen Meisterwerk sprechen.

Der WTF-Film des Jahres: "Swiss Army Man" von Daniel Scheinert und Daniel Kwan

Auch über "Swiss Army Man" wurde extrem viel geredet. Allerdings nicht immer nett. Denn der Film polarisiert: Vor der Premiere gab es einen regelrechten Run auf die Karten. Und während der laufenden Vorstellung verließen immer mehr Zuschauer den Saal. Denn niemand konnte auch nur ansatzweise ahnen, worum es in "Swiss Army Man" konkret geht.

Die Hauptrollen in der nekromantischen Buddy-Groteske spielen Paul Dano und Daniel Radcliffe. Dano ist auf einer Insel gestrandet und mutterseelenallein. Bis eines Tages eine Leiche angeschwemmt wird. Verkörpert wird der Tote von Daniel Radcliffe. Reden muss er also nicht. Dafür aber umso mehr Luft ablassen. Denn die Leiche gibt massiv Körpergase frei. Was dazu führt, dass Dano den Toten als Jetski verwendet. Nicht minder praktisch: Die Leiche hat eine Dauererektion - die verwendet Dano als Kompass-Ersatz.

Der Filmtitel "Swiss Army Man" hat also durchaus eine tiefergehende Bedeutung: Radcliffe ist eine Art Schweizer Taschenmesser. Manche fanden das witzig, andere weniger. Und dann war da noch der Kritiker, der "Swiss Army Man" als den "Citizen Kane des Furzfilms" bezeichnete. Mal schauen, ob wir den Film jemals zu sehen bekommen.

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