LANKS Bitter Leaf 03:08 min

LANKS aus Melbourne macht einen Mix aus Ambient Pop und R&B. Mit seiner Falsett-Stimme könnte er als Zwilling von Thom Yorke, James Blake oder Jamie Woon durchgehen.

Mehr zu:
lanks
R'n'B
Pop

Derzeit liegen keine Titelinformationen vor.


9

Interview // Comiczeichner Simon Hanselmann Kinderbuch-Helden gone bad

Eine Hexe, ein Kater, eine Eule - und viele Drogen. Das ist der Plot vom Comic "Hexe Total“. Die Figuren sind aus einem Kinderbuch, die Story witzig bis obszön - und autobiografisch. Das verrät der Zeichner im Interview.

Von: Katja Görg & Katja Engelhardt

Stand: 24.02.2015

In dem Comicband “Hexe Total” machen die Hexe Megg, der Kater Mogg und Eule nicht viel mehr als kiffen, Pillen schmeißen und LSD Blättchen ablecken. Die Inspiration zu den drei Figuren war das englische Kinderbuch “Meg und Mog”, mit dem in England und Australien ganze Generationen aufgewachsen sind.

Comiczeichner Simon Hanselmann

Der Autor und Zeichner Simon Hanselmann macht aus diesen pädagogisch wertvollen Kinderbuchfiguren sehr abgewrackte Charaktere, deren Leben nur aus Drogen besteht. Nicht nur der Comic fällt durch seine ungewöhnliche Story auf, sondern auch sein Schöpfer selbst: Simon Hanselmann stammt aus Tasmanien und ist Crossdresser, zieht sich also gerne an wie eine Frau und trägt eine rote Langhaarperücke. Und auch die Drogen spielten in seinem Leben schon eine große Rolle. Warum hat er uns im Interview verraten.




PULS: Warum kiffen deine Charaktere alle so viel?

Simon Hanselmann: Wahrscheinlich weil ich selbst auch so viel gekifft habe. Als Teenager in Tasmanien hast du nichts zu tun. Also fährst du entweder mit dem Auto herum, machst Leute an und bewirfst sie mit irgendwelchen Sachen. Oder du kiffst und zeichnest Comics. Ich bin mit sehr vielen Drogen groß geworden. Seit ich ein Baby war, hat meine Mutter Drogen genommen und auch damit gedealt. Mittlerweile ist sie im Entzug, aber mein ganzes Leben lang waren Drogen ein großes Thema. Ich habe nicht nur meine Mutter, sondern auch viele Freunde dabei beobachtet, wie sie in die Drogen abgedriftet sind. Ich versuche in meinen Comics sowohl die lustigen Seiten von Drogen zu zeigen, als auch die schrecklichen und deprimierenden.

Was hatten die Drogen für einen Einfluss auf dich?

Ich habe Depressionen bekommen und musste eine Therapie machen. Bis heute ist es sehr hart für mich. Ich werde bald ein Buch mit dem Titel "Meggs Hexenzirkel" herausbringen, in dem Megg sich mit ihrer drogenabhängigen Mutter auseinandersetzen muss. Die Geschichte ist autobiografisch und Megg versucht ihr Leben zu ändern - was natülich extrem hart ist.

Wann hast du selbst mit dem Kiffen angefangen?

Ich war ungefähr zehn Jahre alt. Meine Freunde und ich hatten alle keine sehr fürsorglichen Eltern. Meine Mama war drogenabhängig, mein Papa ist abgehauen als ich sehr klein war. Überall standen ständig Bongs herum, also habe ich angefangen, sie zu rauchen. Zu Anfang hatte ich fürchterliche Halluzinationen, die mir Angst gemacht haben. Als Teenager habe ich dann begonnen, Comics zu schauen und währenddessen stoned zu sein. Es war eine Art Ablenkung: Ich habe meine kleine Stadt gehasst und deswegen bin ich irgendwann einfach zuhause geblieben, habe gekifft, Fernsehen geschaut und Comics gezeichnet.

Warum hast du eine Hexe und eine Katze als deine Hauptcharaktere gewählt?

"Hexe Total" von Simon Hanselmann

Das war auch Ablenkung. Eigentlich habe ich an einem typischen Teenie-Drama gearbeitet. Aber die Story hat mich irgendwann angekotzt. Da habe ich angefangen, ein paar Hexen zu zeichnen. Ganz automatisch kamen die Katzen dazu. Und dann habe ich mich von einem alten englischen Kinderbuch, das ich geliebt habe, zu den Namen Megg und Mogg inspirieren lassen. Damit ich nicht weiter an meiner Teenie-Geschichte arbeiten musste, habe ich mir aus Spaß einen verrückten Comic um Megg und Mogg ausgedacht. Und mich dann in die beiden Charaktere so verliebt, dass ich einfach daran weiterzeichnen musste.

Was ist dir wichtiger: Das Ernste oder das Lustige in deinen Geschichten?

Ich mag den Mix: Comedy ist mir ebenso wichtig wie Drama und Emotionen. Bei den meisten Dramen ist ja auch immer ein bisschen Humor im Spiel. Es ist wie im wahren Leben: Da gibts ja auch Humor und Traurigkeit. Im Comic will ich Megg und Mogg so realistisch wie möglich darstellen. Sie sollen sich lebendig und real anfühlen.

Ist das Zeichnen für dich eine Art Therapie?

Das Zeichnen hält mich am Leben. Ich wüsste nicht, was ich tun sollte, wenn ich keine Comics Zeichnen könnte. Ich habe die Schule abgebrochen und seitdem nur Comics gezeichnet. Es war also schon immer eine Art Bewältigung für mich, eine Therapie. Glücklicherweise ist es jetzt auch mein Job geworden und es ist schön damit Geld verdienen zu können. Ein normaler Job würde mich killen.

Warum sind deine Comics so beliebt?

Ich glaube, dass es einen Trend im aktuellen Film für dunkle und fiese Charaktere gibt. "Breaking Bad" war sehr dunkel, aber auch sehr witzig. Das ist das wahre Leben, ich schreibe über Menschen, die ich wirklich kennen. Und viele Leute sagen dann wiederum, dass sie die Figuren an jemanden erinnern, den sie kenne. Sie sind Prototypen. Jeder kennt irgendwen, der so ist wie sie.

Es gibt ein paar ungewöhnliche Sex-Szenen in deinen Comics. Willst du mit deinem Comic aufklären?

Viele meiner Freunde sind homosexuell. In meinen Comics will ich einfach eine andere Sexualität zeigen, die auch normal ist. Ich will nicht über meine Comics schreiben: Schaut her, das ist ein Queer-Comic! Ich will klarmachen, dass es das einfach gibt - und es normal ist. Und so sollte es in unserer Gesellschaft auch sein.

"Hexe Total" von Simon Hanselmann ist im Februar 2015 im Avant Verlag erschienen.

Schlagworte:
comic
graphic novel
interview
kultur
Simon Hanselmann

9