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TV & Serien // Sense8 Mit den Wachowskis um die Welt

Auf Netflix startet mit "Sense8", die erste Serie der Wachowski-Geschwister. Die hatten damals mit Matrix einen Welterfolg, aber das ist inzwischen schon 15 Jahre her. Hat es das Regie-Duo noch drauf?

Von: Christian Alt

Stand: 02.06.2015

Sense8 | Bild: Netflix

Am Anfang sind es nur Geräusche: das leise Klicken eines Panzerschranks, laute House-Mucke, Polizeisirenen. Geräusche, die man einfach nicht zuordnen kann, die von irgendwo herkommen, aber nur nicht aus den eigenen vier Wänden. Zu den Geräuschen kommen schnell Bilder, Gerüche, Visionen und als dann noch die Gedanken anderer ungefiltert ins Hirn prasseln, stellt sich unweigerlich die Frage: Was geht hier eigentlich ab?

Das ist die Ausgangssituation der Serie "Sense8": Acht Menschen, einmal komplett über den Globus verteilt, werden über Nacht telepathisch miteinander verbunden. Jeder von ihnen kann plötzlich auf die Sinne und Erfahrungen der anderen zugreifen. Vor allem der junge Polizist Will, für den die Welt bisher immer schwarz-weiß war, hat Probleme, sich mit seinen Fähigkeiten zu arrangieren. Der mysteriöse Jonas, gespielt von Naveen Andrews (Said aus "Lost"), der urplötzlich in Wills Leben auftaucht, ist da auch keine große Hilfe. Hinter Jonas‘ kryptischem Geschwurbel über Wiedergeburt, die Grenzen des Körpers und den achten Sinn verbirgt sich aber ein konkreter Auftrag: Will soll seine neue Geistesschwester Nomi finden. Die wird nämlich seitdem sie Stimmen hört von ihrer Familie im Krankenhaus festgehalten und muss befreit werden.

Rückblicke und hohle Phrasen

Nomi ist eine der interessantesten Figuren der Serie: Sie ist eine transsexuelle Hackerin und hat sich ihre Identität, die sie jetzt zu verlieren droht, hart erkämpfen müssen. Wie bei Lost erzählt "Sense8" die Geschichte seiner Charaktere in Rückblenden und leider liegt hier auch eins der größten Mankos der Serie: Die einzelnen Handlungsstränge schwanken in ihrer Qualität stark. Während Nomi in San Francisco um ihr Leben kämpft, sehen wir in Berlin Max Riemelt in der Rolle des Panzerknackers Wolfgang dabei zu, wie er DSDS schaut und völlig sinnentleerte Phrasen plappert:

"Her name is Natalie. I watched her last week. She sings like a musical instrument. She uses the language of pure emotion."

Max Riemelt aka Wolfgang

Das mit der "Language of pure emotion", das sollten die Wachowski-Geschwister eh noch mal üben. Vor ein paar Wochen gingen sie mit ihrem Science-Fiction-Epos "Jupiter Ascending" an den Kinokassen unter. Das Regie-Duo, das nach "Matrix" 15 Jahre nichts mehr auf die Kette gekriegt hat, verzettelt sich jetzt auch in "Sense8" total. Sie halten sich bei Nebensächlichkeiten auf, freuen sich darüber, dass sie eine House-Party abfilmen dürfen und präsentieren exotische Orte aus aller Welt. In die Welt eingeführt wird der Zuschauer nie. Auch inszenatorisch ist hier einiges im Argen. Während die Gay-Pride-Paraden von Nomi stimmungsvoll eingefangen werden und die Serie kurzzeitig aussieht wie ein Kinofilm, wirkt die Storyline von Polizist Will so, als hätten Youtuber versucht, The Wire nachzudrehen.

Jede Figur macht ihr eigenes Ding

Das Konzept von "Sense8" wirkt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen. Als "Lost" vor fast zehn Jahren sämtliche Zuschauerrekorde gebrochen hat, haben viele US-Sender versucht, ganz ähnliche Serien zu machen. Da gab es Fringe, Flash Forward, Touch, Alcatraz und Alphas. Bis auf Fringe sind alle gescheitert. Jetzt unternimmt eben "Sense8" noch einen Anlauf in Mystery-Gefilde und stellt dafür aber die Erfolgsformel von Lost auf den Kopf. Während die Insel, das zentrale Mysterium bei Lost, immer der Motor der Handlung war, sollen es hier die Geschichten der acht Figuren sein, die im Zentrum stehen. In den ersten drei Episoden spielt der achte Sinn sogar eine nur so geringe Rolle, dass man stellenweise vergisst, dass es hier eigentlich um eine Mystery-Serie geht.  Stattdessen macht jede der Figuren ihr eigenes Ding, wirklich zusammen spielen die Geschichten noch nicht. Aber vielleicht ist das ja auch das geheime Ziel der Serie: Schon die Netflix-Serie "Marco Polo", eine Mischung aus "Game of Thrones" und "Kung Fu", hat sich so angefühlt, als wäre sie nur entwickelt worden, um dem begehrten asiatischen Fernsehmarkt etwas bieten zu können. Jetzt lässt man eben eine Serie auf der ganzen Welt spielen. Da ist der Inhalt doch egal, hauptsache das Lokalkolorit stimmt.

"Sense8" ist ab dem 05. Juni auf Netflix zu sehen.


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