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TV & Serie // Secrets and Lies Horror für den Bausparfuchs

Geheimnisse und Lügen - dieses Motto passt eigentlich auf fast jede Serie: Game of Thrones, Breaking Bad, Desperate Housewifes... "Secrets and Lies" ist aber auch der Titel einer neuen Serie, die wir besser nicht geschaut hätten.

Von: Christian Alt

Stand: 26.04.2016

Serie Secrets and Lies | Bild: ABC / VOX

Es hat schon gute Gründe, warum man erst einmal ein paar Folgen einer Serie schauen sollte, bevor man entscheidet, ob sie gut oder schlecht ist: Zum Beispiel die Kultserie "Buffy": Hier dauert es fast eine halbe Staffel, bis man endlich im "Bann der Dämonen" ist. Auch "30 Rock", "Parks and Recreation" und sogar "Family Guy" hatten einige Startschwierigkeiten.

So ziemlich das Gegenteil davon ist die erste Folge von "Secrets and Lies". Die Krimi-Serie legt von der ersten Sekunde an dermaßen vor. In wenigen Minuten ist die Ausgangssituation klar: Der Familienvater Ben Crawford findet beim Joggen im Wald die Leiche des Nachbarjungen. Er ruft die Polizei, die ganze Stadt trauert, aber schnell gerät Crawford selbst in Tatverdacht.

Schneller als die Polizei erlaubt

Juliette Lewis als Detective Andrea Cornell.

Von Beginn der Episode bis zu diesem Punkt vergehen keine drei Minuten. So schnell steht noch nicht mal im "Tatort" die Polizei vor der Tür. Und in "Secrets and Lies" klopft die Detektivin Andrea Cornell immer und immer wieder an. Jedes Mal unter einem neuen Vorwand: Wo ist eigentlich Crawfords Taschenlampe? Wie viel hat er am Abend zuvor getrunken? Und wie ist er eigentlich heimgekommen?

Die Medien machen Crawford zum Babykiller, seine Freunde und seine Familie wenden sich von ihm ab. Da kommt die Polizistin Andrea Cornell ein letztes Mal vorbei. Sie hat die DNA von Crawford mit der des toten Jungen verglichen: Crawford ist sein Vater.

Nach der ersten Folge wird’s grottig

Soweit die erste Folge. Die macht richtig Spaß, ist spannend ohne Ende. "Secrets and Lies" ist hier wie ein Kammerspiel: Alles spielt  in der Straße, in der die Crawfords leben, in der kleinen, langweiligen Vorstadt am Waldrand. Und auch die schnelle Einführung ist toll: Der Zuschauer wird bewusst im Dunklen gelassen, was für ein Typ Hauptfigur Ben Crawford eigentlich ist. Immerhin sollen wir ihm ja einen Mord abkaufen können.

Ab der zweiten Folge dagegen wird alles anders: Um dem Titel der Serie gerecht zu werden, hauen die Autoren Geheimnisse und Lügen am laufenden Band raus. Da gibt es uneheliche Kinder, gewalttätige Ex-Männer, Soldatenehre und alles, was man sonst noch in den Drama-Schnellkochtopf werfen kann. "Secrets and Lies" ist ab da wie eine schlimme Trash-Talkshow à la "Britt" oder "Olli Geissen".

Eine Serie für Carport-Besitzer

"Secrets and Lies" ist eine Serie für alle, die sich in ihrem Mittdreißiger-Reihenhaus-Bausparfuchs-Leben noch einmal so richtig gruseln wollen. Sie erzählt, was passiert, wenn in kleinen Städten wie Freising, Schwaig oder Haselbach ein Nachbarskind stirbt und der Carport von Herrn Maier plötzlich kein Thema mehr ist.

Für die Zielgruppe spricht auch das Casting: Mit Ryan Phillippe und Juliette Lewis spielen zwei Schauspieler die Hauptrolle, die in den 90er-Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere waren. Wer die beiden noch aus Filmen wie "Eiskalte Engel" oder "Natural Born Killers" kennt, sollte einschalten. Alle anderen können noch ein bisschen warten, bevor sie eine Serie über Carport-Besitzer schauen.

"Secrets and Lies" läuft ab dem 4. Mai immer mittwochs auf Vox.


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