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Games // Retro City Rampage Zurück in die 80er

Brian Provinciano hat eine Idee. Er möchte aus seinem Lieblingsspiel "GTA III" eine 8-Bit NES Version machen. Im Laufe der Jahre wird ein eigenes Game draus – und eine liebevolle Hommage an die Popkultur seiner Kindheit.

Von: Franz Liebl

Stand: 25.01.2013 | Archiv

Ich bin mit dem Superschurken "The Jester" unterwegs, der aussieht wie ein freaky Clown. Wir ziehen die ganz große Nummer durch: eine Bank. Aber statt mit Zigarre und Schampus am Whirlpool lande ich in einer defekten Zeitmaschine und werde in eine andere Zeit gebeamt. Dort treffe ich einen verrückten Professor, der mir helfen will, aus einem Auto eine Zeitmaschine zu bauen. Dafür brauchen wir Bauteile, die ich beschaffen soll... Das ist grob die Geschichte von "Retro City Rampage" und klingt verdächtig nach einer Mischung aus "Batman", "Grand Theft Auto" und vor allem "Zurück in die Zukunft". So geht das die ganze Zeit: Man zockt sich durch einen bunten Zitatemix der 80er Jahre.

Typisches Open-World Gaming in 8-Bit Optik

In "Retro City Rampage" schaut man von oben in 2D auf das Geschehen. Wie in den ersten GTA-Games. Grundsätzlich spielt sich das auch so: Von verschiedenen Auftraggebern werde ich durch die Stadt geschickt. Ich fahre mit diversen Fahrzeugen von A nach B, was sich leider grauenhaft steuert. Dort ist meist Schießen oder Prügeln angesagt, was wiederum super funktioniert. Zwischen den Missionen kann ich zum Friseur gehen, in der Arcade an Automaten zocken oder einfach Unsinn in der Stadt treiben. Typisches Open-World-Gaming, das wunderbar funktioniert. Die Leute gehen Einkaufen, an der Straßenecke gibt’s Breakdance von 8-Bit B-Boys und es wird gehupt, wenn ich vor ein Auto laufe. Die Stadt Theftropolis ist nicht besonders groß, aber cool in Szene gesetzt.

Hommage an die 1980er Jahre

Natürlich geht es in "Retro City Rampage" auch hart zur Sache: Es wird geraubt, geprügelt und geschossen. Trotzdem, was das Spiel besonders macht, ist seine Aufmachung. Es ist eine nerdige Hommage an die Popkultur der 1980er, an die Filme, die Videospiele, den Lebensstil. Meine Zeitmaschine sieht aus wie eine Mischung aus Marty McFly’s DeLorean und dem Ghostbusters-Mobil. Im Casino zocke ich nicht Black Jack, sondern das Memory-Bonusspiel aus "Super Mario Bros. 3". Ich klaue einem Typen namens "Boss Hoff" die Karre. Das Auto spricht. Er singt mir noch hinterher: "Ich hab gestern meinen Cheeseburger verloren." Klar, der Hasselhoff ist gemeint. John Romero, einer der Erfinder von "Doom", hat seinen eigenen Tempel in Theftropolis. Er gibt mir einen göttlichen Rat mit – einen Cheatcode: "Oben, Oben, Links, Rechts, Links, Rechts, Unten Unten, RB, A". Eine Abwandlung des berühmtesten Cheats der Videospielgeschichte: dem Konami-Code. Das ist einfach nur gut, allerdings ist "Retro City Rampage" damit auch vor allem ein Spiel für Kinder der 80er Jahre. Denn der Gaming-Spaß steht und fällt damit, ob man die unzähligen Anspielungen versteht oder nicht. Tut man das, wird man seine wahre Freude an diesem 8-Bit-Zitate-Parcours haben.

Retro City Rampage (Jamestown // für PC, PS 3, PS Vita, Wii, Xbox 360 // USK: ab 16)


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