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Kunst // Patrick Hartl Schicht für Schicht

Der Münchner Künstler Patrick Hartl hat über 20 Jahre lang Graffiti gemalt - das merkt man seiner Kunst an. Seine Leinwände sind wie alte Stromkästen: besprüht, überklebt, getaggt und wieder übermalt.

Von: Florian Nöhbauer

Stand: 16.05.2015 | Archiv

Name: Patrick Hartl

Wohnort: München

Alter: 38

Meine Art Bilder zu machen...

Meine Wurzeln liegen im Graffiti. Seitdem ich im Design-Studium auch noch "Freie Kalligrafie" als Schwerpunkt gewählt hatte, zieht sich die Arbeit mit Schrift wie ein roter Faden durch meine kreative Laufbahn. Beim Schreiben entsteht aber mehr als das Offensichtliche - ein Bewegungsrhythmus, der die Buchstaben umgibt. Kalligrafie, egal ob in lesbarer oder nicht lesbarer Form, ist somit die "Visualisierung der menschlichen Bewegung".

Darüber hinaus denke ich, ist es vor allem die Vielschichtigkeit, die meine Arbeiten ausmacht. Mittlerweile ist nicht mehr nur das fertige Kunstwerk für mich wichtig, sondern der ganze künstlerische Prozess, der über die Jahre entstanden ist: die Experimente, die Leistungen, aber auch die Fehler und der nie endende Lernprozess.

Nach über 20 Jahren Graffiti gibt es nichts, was ich mehr liebe als eine 10 Jahre alte Wand, die besprüht, gereinigt, wieder besprüht, überstrichen oder ausgebessert wurde. Wieder und wieder, Schicht für Schicht. Das macht heute für mich die Essenz von Graffiti aus, diese "Fragmente der Geschichte" - und diese Stimmung. Das ist der "Flavor", den ich versuche, in meinen Arbeiten einzufangen und festzuhalten.

 Zum Malen brauche ich...

...eigentlich nicht viel - Stift, Pinsel oder Sprühdose und es kann losgehen. Ich hab schon unter den verschiedensten Umständen gemalt und bin ja generell eher der Freestyler. Mit den Jahren hat man sich dann doch ein gewisses Repertoire und handwerkliches Können angeeignet, das man unabhängig von der Situation abrufen kann. Natürlich arbeite auch ich am liebsten in Ruhe im eigenen Atelier, mit Hund und Freunden, und einer groben Auswahl an Materialien um mich herum - aber es geht auch mit weniger. Manchmal entstehen die besten Arbeiten, wenn die Mittel und Bedingungen sehr eingeschränkt sind.

Neben der Kunst, mache ich...

...andere eigene Projekte. Über fünf Jahre lang habe ich mit meinen Kollegen Michael Matthias (Van Data) und Yvonne Winkler ein Online-Magazin über Urban Art und Illustration herausgebracht, das "Castle Magazine". Schließlich ist daraus auch ein Buch zum Thema Illustration und Kunst entstanden ("Beyond Illustration"). Aus dem Projekt hat sich dazu noch eine Online-Galerie mit Künstlervertretungen entwickelt. Leider liegen diese Projekte momentan alle auf Eis, da es zeitlich nicht mehr zu schaffen ist und ich mich auf meine eigene Kunst fokussieren möchte.

Meine Bilder erzählen über mich...

In meinen Bildern sind sehr viele Dinge eingearbeitet, die in verschiedenster Weise mit meinem Leben zu tun und mich inspiriert haben. Plakate von Bands, die ich mag, von Konzerten, auf denen ich war oder gerne gewesen wäre, kleine Kalligrafien von meinen Reisen nach Japan oder Namen und Tags von Künstlern und Freunden, die ein wichtiger Teil meines Lebens sind. Manchmal lade ich sogar Künstler ein, sich selbst in dieser Art zu integrieren, von daher erzählen meine Bilder vielleicht mehr von mir als mir selbst bewusst ist.

Warum Bayern, nicht Berlin?

"Ich habe ein Leben lang in dieser Stadt gewohnt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich habe hier geliebt, gelebt, alles. Diese Stadt ist meine Heimat." (Monaco Franze)


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