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Autor Fridolin Schley "Es geht um das einzelne Schicksal"

In dem Buch "Fremd" sammelt Fridolin Schley Gedichte, Kurzgeschichten, Essays und Erzählungen vom "Fremdsein". Teils erfunden, teils wahr. Wieso auch Karl Valentin eine Inspiration war, erzählt er PULS im Interview.

Von: Katja Engelhardt

Stand: 08.09.2015

Autor Fridolin Schley | Bild: PULS

PULS: In deinem Buch hast du von verschiedenen Autoren Gedichte, Kurzgeschichten, Essays und Erzählungen vom "Fremdsein" gesammelt. Jetzt, nachdem du das Buch zusammengestellt hast, was hat sich bei dir im Kopf verändert, wenn du an "fremd" denkst?

Fridolin Schley: Vor allem hat sich verändert, dass fremd immer eine Frage der Wahrnehmung ist. Es gibt diesen schönen Satz von Karl Valentin: "Fremd ist der Fremde nur in der Fremde". Was so viel heißt wie: Der Fremde ist nie per se fremd, sondern nur durch unsere Wahrnehmung. In der Öffentlichkeit wird oft sehr abstrakt von Flüchtlingsmassen gesprochen, darunter versteht man erstmal nichts, finde ich. Wenn man dann das einzelne Schicksal betrachtet - und das macht die Literatur - dann stellen sich bestimmte Fragen plötzlich ganz anders.

Du hast auch einen Text beigesteuert für das Buch. Da geht es um zwei österreichische Mädchen, die nach Syrien gegangen sind. Für den Text benutzt du Facebook Posts, nie abgeschickte Mails und WhatsApp Verläufe. Wo kommt das alles her?

Das hab ich mir zum größten Teil ausgedacht. Aber es ist natürlich anrecherchiert, es kommt also nicht aus dem Nichts. Zugrunde liegt die Geschichte von zwei Österreicherinnen, die letztes Jahr in den Dschihad gezogen sind. Das ging auch durch die Presse. Aber es ist mehr oder weniger literarisiert, also letztlich fiktional. Dadurch hat es so eine Art "Fake Doku"-Charakter.

Warum glaubst du, dass ein Buch der richtige Weg ist, um auf das Thema "Fremdsein" aufmerksam zu machen? Ich zum Beispiel nehme kaum noch ein Buch in die Hand, sondern lese nur noch am Bildschirm.

Weil ein Buch nachhaltiger ist, auch langsamer. Das hat durchaus was für sich. Aber es gibt auch moderne Wege diese Texte zu lesen. Auf der Seite von literaturportal-bayern.de sind sie schon seit Monaten veröffentlicht.

Wie sind eigentlich die ganzen Autoren auf dich aufmerksam geworden? Oder bist du auf die Leute zugegangen und hast sie gebeten etwas zu dem Buch beizusteuern?

Max Dorner und ich haben sie damals für eine Lesung zusammen gesucht. Wir hatten schon eine ganze Reihe zusammen und als dann klar war, dass die Sammlung als Buch erscheinen würde, sind noch ein paar aufgesprungen. Dadurch war nochmal eine andere Schubkraft dahinter. Und deshalb sind jetzt auch schlagkräftige Namen wie zum Beispiel Doris Dörrie mit dabei.

Buchcover Fremd | Bild: P.Kirchheim-Verlag

Auf dem Cover sieht man links und rechts Personen. Ein Mädchen zeigt nach hinten in die Ferne, wo irgendwas leuchtet. Und das, was da leuchtet, sieht ein bisschen aus wie die Allianz Arena in München.

Ja, ist sie auch (lacht). Das ist die Allianz Arena und ein Hinweis natürlich darauf, dass alles eine Münchner Initiative ist. Es sind alles Münchner Autoren, Dichter, Wissenschaftler. Es gibt einen lokalen Bezug. Trotzdem: Wenn man sich das Cover ansieht, sieht das erstmal sehr fremd aus, dieses Leuchten dahinter, kann man viel rein lesen.

Könnte auch ein Ufo sein.

Ein Ufo oder die leuchtende Hoffnung oder auch die Hölle.

Schlagworte:
gesellschaft
interview
literatur

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