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Games // Night in the Woods Es ist nicht mehr so wie früher!

Dieses Spiel ist ein mit Spannung erwartetes Erzählgame. Und es begeistert mit tollen Charakteren und außergewöhnlichem Artwork. Nur leider fehlt auf Dauer etwas irre Wichtiges: ein spannender Plot.

Von: Franz Liebl

Stand: 03.03.2017

night in the woods | Bild: BR

Mae ist ein 20-jähriges Mädel, dass das College abgebrochen hat und nach drei Jahren zurückkehrt, in die Kleinstadt auf dem Land. Dort versucht sie an ihr altes Leben anzuknüpfen. Sie hängt mit der alten Clique ab: Sie machen Blödsinn miteinander, sie quatschen über persönliche Dinge. Und das ist alles echt toll geschrieben. Zum Beispiel betrinkt sich Mae maßlos auf einer Party im Wald. Ihre beste Freundin fährt sie nach Hause. Der Dialog im Auto könnte so eins zu eins aus meiner eigenen Vergangenheit stammen: "Wenn du mir ins Auto kotzt, dann..."

Eines Abends bricht Mae mit Gregg in einen verlassenen Supermarkt ein und stiehlt deren altes Maskottchen, einen Roboterhasen, den sie mit einer leckenden Autobatterie wieder zum Laufen bringen. Wenn nichts passiert, dann schaut man eben, dass etwas passiert. Das Leben auf dem Land macht oft erfinderisch.

Ein authentisches Bild vom Leben in der Kleinstadt

Mit ihrer alten Clique ist es dann bald fast wie früher. Aber eben nur fast. Ihre Freunde haben sich weiterentwickelt, Mae nicht. Ihre alten Freunde haben Jobs, private Verpflichtungen, neue Ansichten. In all diesen Dingen ist "Night in the Woods" einfach nur stark. Es zeichnet ein authentisches Bild vom Leben in dieser Kleinstadt und ihren Menschen. Und zeichnen ist der perfekte Ausdruck dafür. Optisch ist "Night in the Woods" einfach nur ein absoluter Hingucker. Das Bilderbuch-Artwork ist nur noch schön. Alle Charaktere sind gemalte Tiere. Ich kann mich gar nicht sattsehen daran. Das ganze ist auch noch liebevoll animiert. Alleine, wie die Herbstblätter davonfliegen, wenn ich über das Laub laufe - Wahnsinn.

Der Plot entwickelt sich leider sehr langsam

Aber leider ist dieses "Bild zeichnen" auch das große Problem von "Night in the Woods". Es zu spielen, das fühlt sich eher so an wie im Museum ein Gemälde zu betrachten. Es ist eine interaktive Zeichnung, die eine zwischenmenschliche Situation abbildet. Der Plot in "Night in the Woods" entwickelt sich nämlich so langsam, dass er bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. In den ersten fünf Stunden passieren genau drei Dinge, die einen Plot andeuten, ihn dann aber nicht vorantreiben. Deshalb Vorsicht vor "Night in the Woods"! Wer eine spannende Geschichte erwartet, wird ganz sicher enttäuscht sein. Wer aber sehen will, wie Videospielkunst mit einem grandiosen Artwork eine glaubhafte Alltagssituation erstellt, in der man das eigene Leben auch noch wiederfindet, der ist bei "Night in the Woods" genau richtig.

Night in the Woods (Finji // für Mac, PC)

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