Games // Stranger Things Weit entfernt vom Binge Gaming

Netflix hat als Appetithappen zur zweiten Staffel ein Handygame gemacht. Das hätten sie besser bleiben lassen sollen. Heißhunger auf mehr macht dieses Game nämlich absolut nicht.

Von: Franz Liebl

Stand: 13.10.2017

Szenen aus Stranger Things | Bild: Netflix

Ich mochte die erste Staffel "Stranger Things". Gefeiert habe ich sie aber nicht. Trotzdem hat die Serie ein viel besseres Game verdient. Vielleicht sind Fanboys und -girls auch hin und weg davon … aber nein, so viele rosa Brillen kann man gar nicht aufsetzen. Dabei hat das Game ein paar richtig coole Ansätze. Nur werden die ertränkt in fadem Sound, langweiligem Herumgetippe auf dem Handy und einfach null Story. Wenn man die Serie nicht kennt, ist man sowieso von Anfang an völlig raus.

Los geht's mit einem Anruf, den Polizist Hopper kriegt: "Vier Kinder sind verschwunden." Ich muss sie wiederfinden. Charaktere, die ab dann auftauchen, werden als bekannt vorausgesetzt. Ich habe die erste Staffel ja gesehen und sogar dann fühlt man sich ziemlich allein. Wer war noch mal Nancy? Erst mal Wikipedia checken.

Kein Mystery-Feeling und kein 80ies-Flair

So kann auch gar nicht die Stimmung der Serie rüberkommen. Ja, man kann durch Bäume in die Parallelwelt wechseln. Ja, der ominöse weiße Van verfolgt mich. Aber es kommt nicht ein Hauch von Spannung auf und schon gar nicht von Mystery. Auch das 80er-Flair ist nicht vorhanden, was einen Großteil der Faszination der Serie ausgemacht hat. Nur weil es ein Pixelgame mit Chiptune-Soundtrack ist, versprüht es noch lange keine 80er-Jahre-Nostalgie. Die Pixeloptik ist nämlich eine moderne, so wie es sie auf Handy in Abertausenden anderen Pixelgames mit Chiptune-Soundtrack auch gibt. Videokassetten sammeln oder an Spielautomaten vorbeilaufen reicht einfach nicht.

Das Gameplay hat gute Ansätze

Schließlich das Gameplay. Was ganz gut kommt: Jeder Charakter hat seine individuellen Spezialfähigkeiten und die müssen auch gezielt eingesetzt und kombiniert werden. Nur Mike kann mit seinem BMX über bestimmte Hindernisse hüpfen, nur Lucas kann entfernte Schalter mit einem Schuss aus seiner Steinschleuder umlegen, nur Nancy kann schwere Hindernisse mit dem Baseballschläger zertrümmern. Da liegt tatsächlich ein wenig Spielspaß in "Stranger Things" vergraben.

Würde das nur nicht überschattet von dem, was man hauptsächlich macht: Die vielen Gegner ausknocken, indem man einfach mit dem Finger auf sie tippt. Spinde, Abfalleimer oder Kisten zerschlagen, indem man einfach mit dem Finger auf sie tippt. Und ein paar banale Verschieberätsel lösen, indem man ... ihr wisst, was kommt.

Außerdem kann man sich relativ frei in der Pixelversion der Kleinstadt Hawkins und Umgebung bewegen, mit Leuten quatschen und Nebenaufgaben annehmen. Nur wird das leider bloß für langweilige Hol- und Bringaufgaben genutzt. Dieses Game hat ein paar gute Ansätze, aber es ist einfach stinkfad. Das kann auch an der sich immer wiederholenden gähnend langweiligen Musik liegen. Für mich ist "Stranger Things – Das Spiel" nicht mehr als ein PR-Gag. Aber hey, es ist kostenlos.

Stranger Things – Das Spiel (Netflix // für Android, iOS)

Sendung: Hochfahren, 16. Oktober 2017 - ab 7.00 Uhr