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Vorsicht! Pubertät! Wie die Gameskultur erwachsen wird

Erwachsenwerden ist schwer. Das muss derzeit die Gameskultur spüren. Gerade erst hatte sie mit #gamergate einen hochpubertären Anfall. Wir schauen, wie die Videospielkultur groß geworden ist und erkennen erste Anzeichen der Reife.

Von: Christian Alt und Anna Bühler

Stand: 04.10.2014

Ein Controller in der Pubertät | Bild: BR

Erwachsenwerden ist schwer, das muss gerade auch die Gameskultur feststellen. Sie reagiert gereizt, verändert sich, die Mädchen interessieren sich plötzlich für sie, dabei sind die ja total doof! Mit Kritik kann sie nicht so wirklich umgehen. Gerade erst ist sie wieder total ausgeflippt - #gamergate - und hat sich danach tagelang im Zimmer eingeschlossen.

Mit Tennis fängt alles an. 1958 bastelt der amerikanische Physiker William Higinbotham so lange an einem Oszilliskop herum, bis sich mithilfe zweier Eingabe Kästen - den ersten Controllern - ein kleiner Punkt von Bildschirmrand zu Bildschirmrand bewegen lässt. Heute, 56 Jahre später, steuern wir Charaktere durch realistische Großstädte und bezeichnen Games sogar offiziell als Kulturgut. Dazwischen ist natürlich viel passiert. Wie ein normaler Teenie hat auch die Gameskultur von ihrer Geburt bis zum Fast-Erwachsenen sowohl schöne, als auch komplizierte Phasen der Entwicklung durchlebt.

#gamergate - Wie eine Rangelei mit Haareziehen und Kratzen

Sex, Lügen und Videospiele: #gamergate ist der jüngste, große Skandal in der Videospielszene, der eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt hat. Die Debatte im Netz wurde teils so niveaulos geführt, dass sie einer pubertären Schulhof-Rangelei glich - mit Haareziehen und Kratzen. Wie aus der privaten Geschichte eines beleidigten Exfreundes ein Shitstorm epischen Ausmaßes wurde.

Der harte Weg zur Anerkennung

Gefährlich oder brutal: Computerspiele werden oft noch nicht so richtig für voll genommen. Anders der Film. Doch auch bei diesem Medium hat es Jahrzehnte bis zur Anerkennung gedauert. Lange galten Filme als gewalttätiger Schund, und das wiederum kommt uns doch irgendwie bekannt vor.  Doch wie hat der Film die Imageprobleme überwunden? Wie ist er erwachsen geworden? Ein Blick zurück in eine Zeit, in der bewegte Bilder gerade das Laufen lernten.

Und plötzlich sind Games Kunst

Ganze 56 Jahre hat die Videospielkultur jetzt auf dem Buckel. Menschen, die als Kinder verrückt nach Pacman waren, haben jetzt selbst Kinder. Viele von ihnen sind dem Medium treu geblieben und lieben es bis heute. Zu dieser Generation zählen Ilenia Tixi und Filippo Beck Peccoz. Leute, die wie sie mit Konsolen aufgewachsen sind, verstehen das Medium gut genug, um auch experimentelle Spiele zu entdecken und zu lieben, glaubt Filippo. Derzeit arbeiten die Installationskünstlerin und der Gamessound-Designer an "Josephine", einem Tablet-Spiel, das den User in eine fantastische Traumwelt entführt, die vor allem von Musik und Grafik lebt. "Josephine" ist für die beiden ein Experiment. Es ist aber auch der Versuch, das Medium Computerspiele voranzutreiben.

Games-Studies, Games-Design, Games-Engineering - Videospiele kommen an die Unis

Videospiel-Studiengänge werden immer vielfältiger. Lena Fischer studiert seit zwei Semestern Games-Technik an der TU München. In ihrem ersten Studiengang, Theater und Medien, hat sie sich schon den geisteswissenschaftlichen Aspekten von Videospielen beschäftigt. Am Ende möchte sie mit ihrem Wissen in die Forschung gehen. Sie glaubt, wer selber Games machen will, sollte sich nicht nur gerne zocken und mit der Technik auskennen – denn auch die Theorie spielt eine wichtige Rolle.

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