Angeberwissen Zombies Alles über Hirnfresser

Die Serie Santa Clarita Diet zeigt: Ein neuer Zombie ist unter uns. Aber was wissen wir eigentlich über die Untoten? Sie sind heiß auf Gehirne, klar. Und sonst so?

Von: Anna Ellmann und Katja Engelhardt

Stand: 18.02.2017

Santa Clarita Diet | Bild: Netflix

Es wird langsam dunkel, Nebelschwaden ziehen über den feuchten Boden und aus der Ferne kommt ein grauenhaftes Geräusch. Ein blasser, modernder Kopf schaut aus dem Nebel hervor: Ein Zombie! So oder so ähnlich beginnen viele Thriller und Horrorfilme. Doch woher stammen die Mythen um die Untoten eigentlich?

Untote mit geschädigtem Nervensystem

Entstanden ist der Zombiemythos auf Haiti. Voodoo Priester behaupten dort seit Jahrhunderten, sie könnten Tote wieder zum Leben erwecken. Doch dahinter steckt ein ziemlich grausamer, medizinischer Trick: Ein Giftcocktail führt zum Scheintod – das Herz schlägt nur noch einmal pro Minute. In der Nacht spritzen die Priester das Gegengift. Das Ergebnis: Der vermeintlich Tote lebt wieder, aber sein Nervensystem ist geschädigt. Der Zombie sabbert, schlurft im Dorf herum, ist eine Hülle ohne Leben.

Damit ist der Zombie wie gemacht für Hollywood. Schon zu Stummfilmzeiten taumelten die Untoten in die Popkultur. Ende der 60er Jahre nahm sich George A. Romero die lebenden Toten zum Vorbild für seinen Film "Night of the living dead" und erfand damit den modernen Film-Zombie. Auch die Romero-Filme "Dawn of the Dead“ und "Day of the Dead" sind absolutes Zombiegrundwissen. In Romeros Filmen sind die Untoten aber bloß sehr langsame und sehr blasse Menschen – mit großem Hunger auf Menschenfleisch. Eigentlich recht harmlos.

Vom Bösen kontrolliert

Heute ist das allerdings anders, erklärt Zombieexperte und Theaterwissenschaftsprofessor Jörg von Bricken: "Zombies sind heute eher Raubtiere, jagen die Menschen und verbreiten weniger ihre Totenatmosphäre unter den Untoten."

Der Zombie im Film ist im Gegensatz zu Hexen oder Vampiren ein relativ modernes Phänomen. Aber genau wie andere Horrorgestalten gibt auch der Untote den existenziellen Ängsten einer Gesellschaft Ausdruck, sagt Jörg von Bricken.

"Zombies waren immer eine Metapher für gesellschaftlich prekäre Situationen – das fängt schon in den 1930er-Jahren in Amerika an. Es gab unglaublich viele Arbeitslose. Damals war der Zombie in den Filmen einfach ein Arbeitssklave. Er hat niemandem etwas getan, der Böse dahinter war der, der den Zombie kontrolliert hat – der böse Arbeitgeber."

(Zombieexperte Jörg von Bricken)

In den letzten Jahren verbreiteten vor allem Terror, Naturkatastrophen und Epidemien Angst. Und dann kommt es vor, dass der Zombie auch in das reale Leben zurückkehrt: Weil Ebola-Patienten ab und zu das Bewusstsein verlieren, machte in China das Gerücht die Runde, Ebola würde Menschen in Zombies verwandeln. Und in Zombie-Filmen und Serien sind die Zombies meist an einem unbekannten Virus erkrankt, dass sie zu hirnlosen Raubtieren mutieren lässt.

Heute ist der Zombie einer von uns und: weiblich

Dieser Zombie hat langsam ausgedient, er entwickelt sich weiter. Vor allem in Serien, wie "iZombie" und "Santa Clarita Diet", wird das Image des Zombies weiter gesponnen: Statt in der Masse, ist der Zombie jetzt allein unterwegs und lebt mitten unter uns. Er ist der Nachbarsjunge, die Medizinstudentin oder die Familienmutter. Wir schauen dem Zombie dabei zu, wie - und ob - er in unserem Alltag klar kommt. In "Santa Clarita Diet" kämpft Drew Barrymore als berufstätige Mutter in einem beschaulichen kalifornischen Vorort mit ihren neuerwachten Trieben - und fühlt sich freier als je zu vor. Der Zombie als Sinnbild für die Probleme der modernen Frau?

"Es macht total viel Sinn, die Frau stark werden zu lassen. Sie wird nicht nur nicht erschossen, sie hat die Kontrolle. Sie muss erst zu einem Zombie werden, damit sie am längeren Hebel sitzen kann. Zombies können für alles mögliche stehen. Und im Fall von Santa Clarita Diet setzen sie sich mit diesen gesellschaftlichen Problemen auseinander."

(Steven Schlozman, Harvard-Arzt und Zombiefan)

Sendung: Filter, 17. Juli 2017 - ab 15 Uhr

Schlagworte:
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