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Datenschutz Alternativen zu WhatsApp

Am Sonntag endet die Widerspruchsfrist bei WhatsApp, dann landen eure Nutzerdaten inklusive Handynummer automatisch bei Facebook. Ihr habt da keinen Bock darauf? - Wir haben Messenger-Alternativen für euch.

Von: Paul Schedelbeck, Mira-Sophie Potten, Hardy Funk

Stand: 26.08.2016

Alternativen für Whatsapp | Bild: picture-alliance/dpa

Bei der Übernahme durch Facebook hatte WhatsApp versprochen, die Daten seiner User zu schützen. Zwar sind Nachrichten mittlerweile verschlüsselt, einige andere Daten gibt WhatsApp aber jetzt an seinen Mutterkonzern weiter, zum Beispiel, wann man aktiv ist. Damit will Facebook Werbung noch genauer personalisieren.

Laut WhatsApp kann man aber verhindern, dass die Accountinfos mit Facebook geteilt werden. Das geht noch bis zum 25. September unter Einstellungen > Account. Die Handynummer bekommt Facebook aber auf jeden Fall. Wer das nicht will, muss einen anderen Messenger benutzen. Wir haben ein paar Alternativen für euch.

Omlet - das Uniprojekt

Omlet wurde an der Stanford-Universität enwickelt und erst im März 2014 beim South-by-Southwest-Festival vorgestellt. Das Programm verspricht absolute Macht über die eigenen Daten, die dezentral abgespeichert werden. Der Nutzer entscheidet selbst, in welcher Cloud er seine Nachrichten und Bilder ablegt - Dropbox oder Box.net zum Beispiel. Chatgruppen funktionieren nicht nur über die Freundesliste, sondern auch über Ortszugehörigkeiten (z.B. Chatgruppe "WG-Party Julia"). Neben Fotos lassen sich über die App auch GIFs und Sticker erstellen.

Wermutstropfen:
Leider ist der Anbieter nicht besonders populär in Deutschland.

Threema - der Sichere

Threema erobert sukzessive die Spitzenplätze der App-Stores. Kein Wunder. Das Unternehmen macht sich die große Schwäche von WhatsApp zu Nutzen: Threema setzt auf Sicherheit. Wie bei WhatsApp kann man Gruppen-Chats führen, Bilder verschicken und Links teilen. Und zwar sicher: Dank asymmetrischer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der die Nachricht nur vom Sender und vom Empfänger entschlüsselt werden kann.

Wermutstropfen:
Noch hat Threema keine mit Whatsapp vergleichbaren Nutzerzahlen: Es kann also sein, dass man zunächst nur im kleinen Kreis mit Freunden Nachrichten austauschen kann. Das gilt allerdings für alle WhatsApp-Alternativen - und könnte sich bald ändern.

Line - der Socialiser

Line ist eine beliebte App in Japan und will mehr als ein Instant-Messenger sein. Neben kostenlosem Chat und Telefonieren gibt es eine Timeline, Spiele, eine Kamerafunktion und ein Forum. Außerdem kann man, ähnlich wie bei Facebook, den Aktivitäten anderer User folgen. Dabei kann man sich aussuchen, ob Line das Telefonbuch nach anderen Line-Usern durchforsten soll, oder ob man Freunde lieber manuell per Nutzernamen sucht.

Wermutstropfen:
In Tests war die Soundqualität beim Telefonieren nicht immer einwandfrei - wer ohne Unterbrechungen sprechen möchte, sollte also eine WLAN-Verbindung nutzen.

MySMS - der Geräte-Verknüpfer

Mit MySMS kann man im Gegensatz zu WhatsApp für acht Cent auch Nachrichten an Leute schicken, die die App nicht auf ihrem Smartphone installiert haben (bei einer SMS-Flatrate entfallen diese Kosten). Der Empfänger bekommt die Nachricht also als normale SMS. Möglich ist auch die Kommunikation zwischen Smartphone, PC und Mac. Wer keine SMS löschen möchte, kann seine Nachrichten bei MySMS mit dem PC oder Tablet synchronisieren und speichern.

Wermutstropfen:
Bei älteren App-Versionen hat MySMS noch alle Nachrichten und Adressbucheinträge der User auf seinem Server gespeichert. Aber: Ab iOS6 und bei Android geht das nur mit Zustimmung des Nutzers.

Joyn - der Verlässliche

Seit August 2012 schon für Android verfügbar, gibt es die App für Telekom- und Vodafone-Kunden jetzt auch für iOS. Chatten, Fotos und Videos schicken funktioniert wie bei WhatsApp. Mit Joyn kann man aber auch telefonieren und, genau wie bei Skype, videotelefonieren. Bonus für Telekom-Kunden: Die App funktioniert auch mit voller Brandbeite, wenn das Datenvolumen für den jeweiligen Monat bereits verbraucht ist. Man muss also nicht auf die Suche nach einer WLAN-Verbindung gehen.

Wermutstropfen:
Wer seinen Vertrag nicht bei der Telekom oder Vodafone hat, kann Joyn im Moment noch nicht nutzen. Und auch dann wird der Dienst ohne SMS- oder Datenflat sehr schnell ziemlich teuer.

Telegram - der Nachrichten-Zerstörer

Eine Entwicklung der Gebrüder Durov, die mit "VK" 2006 auch das inzwischen größte soziale Online-Netzwerk Russlands gelauncht haben. Mit dem Telegram-Messenger kann man Dateien teilen, unter anderem Videos bis zu einer Größe von 1,5 GB. Die Nachrichten werden in der Cloud gelagert - doch wer auf Nummer sicher gehen will, aktiviert die Funktion "Secret Chats". Die bietet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die Nachrichten können nicht weitergeleitet werden und landen nicht in der Cloud. Außerdem kann man einstellen, dass sich das Geschriebene nach einer gewissen Zeit selbst zerstört. Wie bei SnapChat.

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