Little Big Planet, Resident Evil, Guitar Hero Die Türkei will islamfeindliche Spiele verbieten

Die türkische Regierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Islamfeindlichkeit zu bekämpfen. Ein ehrenwertes Ziel, theoretisch. Doch eigentlich geht es mal wieder nur um Zensur, die jetzt Videogames wie "Little Big Planet" trifft.

Von: Kevin Ebert

Stand: 27.06.2017

Screenshot Little Big Planet 3 | Bild: Sony Playstation/ Media Molecule

In der Türkei boomt die Games-Branche seit einiger Zeit extrem. Laut dem Ministerium für Jugend und Sport gibt es circa 25 Millionen türkische Gamer, die zusammen täglich 39 Millionen Stunden zocken. Dass bei so einem großen Markt auch fragwürdige Inhalte - Islamfeindlichkeit, Sexismus, Rassismus - transportiert werden, lässt sich schwer verhindern.

Das türkische Ministerium für Jugend und Sport hat deshalb eine Special-Task-Force ins Leben gerufen: Eine Gruppe von Detektiven, die die endlose Welt der Videospiele nach jugendfeindlichen Inhalten durchsuchen. Vor allem geht es dabei um Islamophobie. Alle Spiele, die in irgendeiner Weise als islamfeindlich eingestuft werden, kommen auf eine Indexliste und sollen schon bald verboten werden.

Für die Kampagne hat das Ministerium sogar extra die Website oyunlardaislamofobi.com aufgezogen. Dort können sich Eltern oder Gamer direkt an die Detektive wenden, wenn ihnen etwas islamfeindliches an einem Spiel auffällt. Außerdem werden dort alle 19 Spiele aufgelistet, die bald verboten werden sollen, inklusive Begründung.

Eindeutig islamfeindlich


Bei einigen Games ist ein Verbot mehr oder weniger nachvollziehbar, weil offensichtlich islamophob. Beim Spiel "Muslim Massacre" geht es zum Beispiel darum, so viele Muslime wie möglich abzuschlachten, um am Ende den Propheten Mohammed zu töten. Das "M" in "Muslim" sieht aus wie die amerikanische Flagge.

Bei "Minarett Attack", das in der Schweiz entwickelt wurde, soll der Gamer Minarette bombardieren. Es ist kurz vor einem Referendum aufgetaucht, in dem die Schweizer über den Bau von genau solchen Minaretten abgestimmt haben. Die meisten Wähler waren dagegen.

Und der Sinn von "Bomb Gaza" liegt darin, mit dem Flugzeug über den Gazastreifen zu fliegen und Bomben abzuwerfen. Auf das Spiel gab es so heftige Reaktionen, dass Google hat das Game schon nicht mehr bei Google Play anbietet.

Skurril, skurriler, Little Big Planet

Bei anderen Spielen wundert man sich aber doch etwas. Drei Games aus der Klassiker-Reihe "Call of Duty" stehen auf der Liste, genauso wie der Lan-Party-Schlager "Counter Strike Source", weil in ihnen muslimische Terroristen vorkommen. "Resident Evil" soll verboten werden, weil in einer einzigen Szene in einer Bibliothek alle Bücher feinsäuberlich im Regal stehen, bis auf den Koran.

"Guitar Hero III" steht auf der Liste, weil auf einer Bühne das Zeichen für "Allah" abgebildet ist und die Spielfigur darauf abfeiert. Und sogar "Little Big Planet" soll verboten werden, weil in der Hintergrundmusik zwei Verse aus dem Koran zitiert werden. Es gibt zwar inzwischen eine Version ohne die Verse, das Game soll aber trotzdem auf den Index.

Spiele, die verboten werden sollen:

  • Guitar Hero III
  • Devil May Cry III
  • Resident Evil
  • Resident Evil 4
  • COD Modern Warfare 2
  • COD 2
  • COD Balck OPS II
  • Counter Strike Source
  • Serious Sam 3
  • Clive Barker's VNDYING
  • Zack & Wiki: Le Trésor de Barbaros
  • Ayo dance
  • Muslim Massacre
  • Bomb Gaza
  • Tekken Tag Tournament 2
  • Little Big Planet 3
  • Command & Conquer Generals Zero:Hour
  • Minarett Attack
  • Faith Fighter

Sind Verbote der richtige Weg?

Caner Taslaman ist Professor für islamische Theologie und Philosophie an der Universität Istanbul. Auch er hält islamfeindliche Spiele für bedenklich:

"Wenn Menschen Filme schauen, wird ihre Wahrnehmung beeinflusst, es gibt ein ideologisches Bombardement. Bei Spielen verschärft sich das noch, weil die Menschen eine aktivere Rolle einnehmen. Sie bekommen eine Mission, etwa: Geh in den Irak und bekämpfe Muslime."

Caner Taslaman

Natürlich ist es gerade zur Zeit enorm wichtig, gegen Islamfeindlichkeit zu kämpfen - auch in Videospielen. Fragwürdig ist nur die Umsetzung der türkischen Regierung. Denn letztendlich spiegeln die Verbote der Games auch die bedingungslose Zensurpolitik der Türkei wieder.

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