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Daten durch daten Tinder weiß alles

Auf Tinder geht es um Flirts, Dates, Sex und tatsächlich auch um die Liebe. Was halbwegs romantisch klingt, ist einfach nur das Resultat eines gigantischen Datenschatzes. Tinder sagt selbst: Das könnte zum Problem werden.

Von: Kevin Ebert

Stand: 26.09.2017

Tinder sammelt massiv Daten | Bild: BR

Wer Bestätigung braucht, der hat mit Tinder die Möglichkeit auf eine ziemlich hohe Trefferquote. Algorithmen machen’s möglich. Und was macht Algorithmen möglich? Richtig: Daten. Tinder sitzt auf einem unfassbar großen Haufen Daten. Ähnlich wie Facebook. Und ähnlich wie bei Facebook kann man diese Daten auch einfordern – um zu sehen, was die Betreiber denn genau wissen. Eine Journalistin des britischen Guardian hat das gemacht und gemerkt: Tinder weiß verdammt viel.

Jeder Facebook-Like, jeder Tinder-Chatverlauf, jedes Instagram-Bild (selbst die bereits gelöschten) sammelt Tinder. Die Dating-Plattform weiß, auf welchen Typ wir stehen, wie alt potentielle Partner sein sollen und wann beziehungsweise wie lange wir auf Tinder unterwegs sind. Tinder kennt uns wahnsinnig gut. Die Journalistin des Guardian erhielt rund 800 Seiten mit ihren Daten: Längst vergessene Chats mit furchtbar schlechten Dates und intimste Nachrichtenflirts, sexuelle Vorlieben inklusive. Tinder-Content halt.

It's a match!

Klar, Tinder funktioniert nur durch Daten, wie jede Plattform, die über Algorithmen läuft. Datensätze der verschiedenen User werden abgeglichen - wenn sie übereinstimmen, entsteht ein Match. Durch die riesige Datenmenge will Tinder diese Matches noch präziser gestalten. Der Algorithmus soll optimiert werden. Denn wenn die Plattform auch noch Instabilder und Facebook-Likes abgleichen kann, entstehen noch größere Übereinstimmungen und wir kommen der großen Liebe ein klein wenig näher.

Außerdem sitzt Tinder mit den Daten auf einem echten Goldschatz. Sie können nämlich auch kommerziell genutzt werden, das zeigt zum Beispiel die Zusammenarbeit von Tinder und dem Rasiererhersteller Gillette. Um die Hypothese "Männer mit gepflegten Barthaaren sind attraktiver" zu überprüfen, wurden 100.000 zufällig ausgewählte männliche Tinderprofile analysiert und anhand ihrer Daten auf "Nope"- oder "Yes"-Swipes abgeklopft. Ohne es zu wissen, wurden die Typen Probanden einer Studie, die auf ihrem Profilbild und der Anzahl ihrer Matches basiert. Tinder darf das, denn in dem Moment, in dem man sich bei der App anmeldet, gibt man fast alle Rechte an den persönlichen Daten ab. Übrigens: 74 Prozent der "YES"-Swipes gingen an Kerle mit gepflegten Gesichtshaaren

Keine Sicherheitsgarantie

Beunruhigend wird es aber erst so richtig, wenn man sich ansieht, was Tinder zum Thema Daten und Sicherheit selbst in seine AGBs schreibt: "You should not expect that your personal information, chats, or other communications will always remain secure.” Offensichtlich sollte man sich also nicht darauf verlassen, dass Tinder die Daten vor Hackern schützen kann oder sie nicht selbst weitergibt. Nach dem Motto: "Ob das sicher ist? Naja, irgendwie schon … erstmal … aber ist halt das Internet – was ist da schon sicher?" Jeder Tinder-User kann sich vorstellen, wie unfassbar peinlich es wäre, wenn 800 Seiten voll mit intimen Informationen und Messages im Netz kursieren würden.

Sendung: Filter vom 26.09.2017 ab 15 Uhr