EU schafft Roaming-Gebühren ab Adieu Roaming, Bonjour Zusatzkosten

Endlich, Roaming-Gebühren sind Geschichte. Klingt zu schön um wahr zu sein? Stimmt. Wer in Zukunft Urlaubsbilder von verlassenen Stränden und endlosen Bergketten verschicken will, sollte vorher nämlich seinen Handyvertrag checken.

Von: Stefan Jaentsch & Verena Fücker

Stand: 15.06.2017 | Archiv

Roaming | Bild: BR

Im April hat das EU-Parlament in Straßburg nach jahrelangem Kampf das Aus für Roaming-Gebühren beschlossen. Heißt konkret: ab dem 15. Juni 2017 kann EU-weit ohne zusätzliche Gebühren mit dem Handy telefoniert, SMS versendet oder im Internet gesurft werden. Soweit die Theorie. Doch wer hinter die Gebühren-Fassade blickt, sieht: Am Ende zahlt der Verbraucher trotzdem. Telefonieren wird zwar tatsächlich billiger. Wer eine Telefon-Flat in Deutschland hat, hat diese auch künftig im Ausland. Bei den mobilen Daten ist es etwas komplizierter. Hier werden die Preise in den nächsten fünf Jahren Stück für Stück sinken.

Doch das Zauberwort lautet hier: "Fair-Use-Klausel". Die beschrenkt die Handynutzung im EU-Ausland auf vier Monate im Jahr. Für unlimitierte Datenverträge werden die Anbieter eine Obergrenze festlegen, bis wann Surfen in der EU wirklich kostenfrei ist. Wie hoch diese am Ende sein wird, dürfen die Anbieter selbst entscheiden. Das können 300 MB  oder 30 GB sein. Wer also in Deutschland unbegrenzt surfen kann, kann das nicht unbedingt im Ausland. Diese Klausel soll aber vor allem Anbieter dann schützen, wenn sich zum Beispiel jemand in Deutschland überlegt, einen Handyvertrag in Österreich abzuschließen, weil es da vielleicht bessere Konditionen zu günstigeren Preisen gibt. Damit der Nutzer den Datenverbrauch nicht überstrapaziert, wird die "Fair-Use-Klausel" eingeführt. Wer die überschreitet, läuft Gefahr, dass der Vertrag gekündigt wird oder dass extra Gebühren erhoben werden.

Nicht alles ist jetzt kostenlos

Und trotzdem ist es jetzt keinesfalls so, dass alle Dienstleistungen im EU-Ausland für den Kunden nichts mehr kosten. Wenn man aus Österreich oder Spanien in Deutschland anruft, dann deckt das die Neuregelung der EU. Anders sieht es aus, wenn man aus Deutschland zum Beispiel eine französische Nummer anruft, dann können da nach wie vor Kosten entstehen. Ebenso müssen Leute zahlen, wenn sie in einem EU-Land Urlaub machen und in ein drittes EU-Land telefonieren wollen.

Endlos surfen bleibt weiterhin Zukunftsmusik

Wer stolzer Besitzer ein EU-Flat ist oder sich ein Zusatzpaket für ein einzelnes EU-Mitgliedsland zum normalen Handyvertrag dazu gebucht hat, sollte sein Datenvolumen checken. Auch wenn noch nicht bekannt ist, wie hoch die Obergrenze für mobile Daten sein wird, so ist doch damit zu rechnen, dass diese weit unter den 30 GB liegen wird. Wer also viel im Ausland ist, für den kann sich eine EU-Flat weiterhin lohnen. Wenn nicht, dann muss dieses Zusatzpaket aktiv beim Netzanbieter gekündigt werden.

Fakt ist trotzdem: Roaming-Gebühren verschwinden nicht einfach. Wenn sich ein Deutscher in ein spanisches Netz einloggt, dann entstehen weiterhin Kosten für den deutschen Provider. Deswegen kann man davon ausgehen, dass sich die Tarifpreise erhöhen werden und am Ende der Kunde die Kosten für die neue Regelung trägt.

Laut dem Vergleichsportal Verivox haben die Anbieter O2 und Telekom bereits 2016 ihre Preise angehoben. Bei diesen Verträgen ist die EU-Flat schon inklusive , auch wenn man diese eventuell gar nicht braucht. Das Vergleichsportal will hier mehr Kosten von fünf Euro pro Monat errechnet haben, immerhin 60 Euro pro Jahr. Aus Sicht der Provider macht das auch Sinn. Denn die Idee, die EU Roaming frei zu machen, besteht bereits seit zehn Jahren. Die Netzanbieter haben also einfach entsprechend spekuliert und die Kunden zahlen lassen, bevor die neue Regelung überhaupt in Kraft getreten ist.

Was passiert mit meinem bestehenden Vertrag?

Grundsätzlich können auch bestehende Verträge von Preiserhöhungen betroffen sein. Allerdings nur im kleinen Rahmen und das muss entsprechend in den AGBs festgelegt sein. Auch wenn künftig nicht egal ist, welche Sim-Karte man in sein Telefon steckt, so ist die neue Regelung aus Straßburg ein wichtiges Signal für Europa. Nicht umsonst heißt der Werbespruch eines bekannten Telefonherstellers: "Connecting People." Und dafür war es auch Zeit.  

Sendung: Filter, 14.06.2017 ab 15.00 Uhr

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