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Interview // Recruting-Game-Experte "Die Unternehmen müssen sich anstrengen"

Erst spielen, dann arbeiten: Immer mehr Unternehmen lassen ihre Bewerber Computerspiele spielen, bevor sie sie einstellen. Joachim Diercks vom Recrutainment-Software-Entwickler Cyquest erklärt, warum sie das machen und ob World of Warcraft-Zocker im Vorteil sind.

Stand: 15.11.2012
Joachim Diercks von Cyquest  | Bild: Cyquest

Was genau ist denn Recrutainment?

Der Begriff ist natürlich ganz schillernd. Es hat mit recru – also Rekrutierung zu tun – und Unterhaltung – tainment. Bei Recrutainment werden im Kern trockene Tests unterhaltsam verpackt. Man sagt eben nicht, hier ist Test 1, Test 2, Test 3, Test 4 – fertig, wir melden uns. Sondern man packt das Ganze in eine virtuelle Unternehmensbegehung ein. Dann sieht man gleich, wie es da ausschaut, und lernt typische Arbeitssituationen kennen.

Man zockt also für den Job?

Da bin ich etwas zwiegespalten. Der Begriff "zocken" schafft natürlich Aufmerksamkeit für das Thema, damit riskiert man aber auch, in diese Scharlatanerie-Ecke abgestellt zu werden. Es geht schlicht und ergreifend darum, dass man über Methoden des Spielens und der Simulation ein besseres Zueinanderfinden von Bewerbern auf der einen Seite und Unternehmen auf der anderen Seite erreicht.

Was erhoffen sich die Firmen von den Spielen außerdem?

Sie können damit einen Einblick in ihre Firma geben. Außerdem wollen die Unternehmen wegkommen von "Wir wählen nur aus" hin zu "Wir bewerben uns bei der Zielgruppe ja genauso". Die Unternehmen müssen eben auch darum kämpfen, die richtigen und geeigneten Kandidaten zu erreichen.

Was hat dann der Bewerber davon?

Früher hat man zum Beispiel zuerst auf Schulnoten geschaut. Da wurde ein Bewerber mit einer fünf in Mathe schon aussortiert. Das passiert bei einem Online Assessment nicht mehr unbedingt. Man schaut auf die Bewerbung, sieht zwar die fünf, lässt ihn aber trotzdem den Test machen. Und dann kann sich heraus stellen, dass der Bewerber doch gut mit Zahlen umgehen kann und die fünf in Mathe ganz andere Gründe hatte. Dann hat jemand eine Chance bekommen, die er sonst vielleicht nicht bekommen hätte.

Haben regelmäßige Zocker einen Vorteil?

Nein, gerade im Online Assessment nicht. Man hat als jahrelanger World-of-Warcraft-Spieler keinen Vorteil, nur weil man dann vielleicht eine trainiertere Augen-Hand-Koordination hat. Darauf kommt es definitiv nicht an. Es kommt nur darauf an, dass man die Instruktionen des Tests gründlich liest und dann umsetzt.

Was würden Sie den Bewerbern denn raten? Gibt es irgendwelche Tipps und Tricks?

Meine Empfehlung wäre immer: Ein störungsfreies Umfeld schaffen, gut ausschlafen und vielleicht vorher auch ein bisschen üben. Nicht, weil man dann besser wird, sondern, weil man so die Angst davor verliert. Und je weniger Angst man vor dem Test hat, umso besser schneidet man anschließend ab, weil man dichter an seine eigentliche Leistungsfähigkeit rankommt.

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