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#ZeroTroll Selbsthilfe-Programm für Sexisten

Im Netz wird beleidigt, gepöbelt und geschubst. Vor allem Frauen sind oft die Opfer. Was tun gegen den Sexismus in sozialen Netzwerken? Das Berliner Künstler-Kollektiv Peng setzt auf Konfrontation und trollt zurück.

Von: Frank Seibert

Stand: 15.04.2015

Aktion "Zero Trollerance" des Peng Collective | Bild: Screenshot: zerotrollerance.guru

Er sieht ein bisschen aus wie Dracula, im Hintergrund eine düstere Wolkenkulisse. Der Mann erklärt mit ruhiger Stimme, dass man offenbar unter etwas leide, dass Experten Sexismus nennen. Und dann erklärt er - quasi als Coach oder Therapeut - wie man es schafft, davon loszukommen und seine Meinung zu ändern. “Auch du kannst nett sein!”, sagt er da.

Das Video ist eines von sechs, die Trolle auf Twitter bekehren sollen. Denn im Netz wird gepöbelt und gekotzt. Vor allem Frauen sehen sich als Opfer, die regelmäßig attackiert werden. Also, was tun gegen Sexismus? Die Berliner Künstler vom Peng Collective setzen auf Konfrontation - und Satire.

Ihr Video erreicht diejenigen, die von einem Bot über einen Algorithmus als Sexisten identifiziert wurden. Wenn jemand sexistische Botschaften absetzt, bekommt er den Hashtag "Zero Troll" und die Videos gepostet. Die sollen ihn heilen. Laut Webseite wurden so schon über 20.000 Sexisten bekehrt.

"Wir geben ein Instrument, um nicht in die Ecke gedrängt zu werden und nicht schweigen zu müssen, aber auch nicht selber auf die Diskussion eingehen zu müssen. Man kann einfach einen Link schicken und darüber lachen", sagt Lia Rea von Peng den Kollegen vom Zündfunk. Mit der Kampagne wollen die Aktivisten zeigen, dass Feminismus nicht nur was für "Heulsusen" ist, sondern für alle, die ein Interesse haben an echter Gleichberechtigung.

Das Peng Collective ist bekannt für seine subversiven Aktionen. So haben sie eine Veranstaltung des Shell-Konzerns gestört, um das "Greenwashing" des Unternehmens bloß zu stellen. Anfang Februar hat einer der Aktivisten als Clown verkleidet eine Show von Astro TV gehackt.

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