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Netzlexikon U wie Uncanny Valley

Warum finden wir alle unsere Staubsaugerroboter so wahnsinnig süß, aber wenn wir Videos von so richtig humanoiden Robotern sehen, dann läuft es uns kalt den Rücken runter? Dafür gibt es einen Begriff: das Uncanny Valley.

Von: Jasmin Körber

Stand: 23.03.2016

Netzlexikon: Uncanny Valley | Bild: BR

Was ist das Uncanny Valley?

"Uncanny Valley" heißt auf deutsch übersetzt: "unheimliches Tal". Den Begriff gibt es seit den 70ern. Da hat der Roboterforscher Masahiro Mori das Phänomen zum ersten Mal entdeckt. Beim Experimentieren hat Mori herausgefunden, dass andere Menschen seine Roboter besser fanden, wenn er ihnen menschliche Features verpasst hat. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Danach fanden die Leute seine Roboter plötzlich irgendwie... unheimlich. Kinder fingen sogar an zu weinen, wenn sie sie sahen.

Aber hat die Robotik seitdem nicht Quantensprünge gemacht?

Stimmt, aber das Uncanny Valley gibt es immer noch. Staubsaugerroboter finden wir megasüß, und wenn Wall-E am Ende des Films alleine auf der Erde zurückbleibt, heulen wir uns die Augen aus - aber japanische Sexroboter, die möglichst menschlich aussehen und sich so menschlich wie möglich verhalten sollen, finden wir immer noch creepy bis zum Geht-Nicht-Mehr.

Bei einem Staubsaugerroboter glaubt man automatisch, menschliches Verhalten in einem Wesen zu erkennen, das sonst so überhaupt nicht menschlich ist. Sähe ein Staubsaugerroboter aus wie ein Mensch mit einem Saugarm, dann fände man ihn wahrscheinlich eher alles andere als süß.

Woher kommt dieser Uncanny-Valley-Effekt denn?

Darüber gibt es verschiedene Theorien. Manche Forscher vermuten, dass wir den Roboter unterbewusst als Menschen wahrnehmen. Wir messen ihn dann mit menschlichen Maßstäben. Und wenn mit diesen vermeintlichen Menschen dann was nicht stimmt - wie zum Beispiel "eine blecherne Stimme" oder falsche Mimik - dann bewertet unser Gehirn das negativ.

Roboter sind übrigens nicht die einzigen, die ab und an ins Uncanny Valley abtauchen. Auch Animationsfilme bekommen Probleme, wenn sie ihre Figuren zu realistisch darstellen. Deswegen ist der Roboter Baymax auch fett und flauschig und Wall-E klein, eckig und süß.

Also führen uns diese knuffigen Roboter aus dem unheimlichen Tal?

Genau. Am besten funktioniert's, wenn man realistische Menschendarstellungen vermeidet. Animationsfilme wie "Wall-E" funktionieren, weil sie nicht versuchen, den Roboter als menschlichen Hauptdarsteller zu verkaufen, sondern den Roboter einfach Roboter sein lassen. Vielleicht sehen humanoide Roboter aber auch bald so realistisch aus und benehmen sich entsprechend so real, dass unser Hirn sie nicht mehr in die falsche Kategorie steckt. Spätestens dann klappt's auch mit dem japanischen Sexroboter.


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