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Netzlexikon P wie Personal Streaming

Ein Einhorn fliegt unter einem Regenbogen durch? Klick! Foto! Glaubt dir nachher eh keiner? Dann lieber deinen persönlichen, fälschungssichereren Livestream anwerfen: Im Gegensatz zum Einhorn gibt es den nämlich längst.

Von: Florian Meyer-Hawranek

Stand: 19.03.2015

Netzlexikon Personal Streaming | Bild: BR

Was ist eigentlich Personal Streaming?

Personal Streaming ist, wie wenn jeder ganz einfach sein eigenes Kino aufmachen könnte und auf der Leinwand dann genau ein Film laufen würde: nämlich das eigene Leben. Wobei: Ein echter Film muss es beim Personal Streaming gar nicht sein. Und auch ein Kino braucht es heute nicht mehr, um besonders klickbringende Momente mit seinen Freunden und Followern zu teilen. Das erledigen jetzt Apps und Plattformen - per Livestream.

Streaming gibts schon länger: Was ist neu dran?

Musik, Filme, Fußball, Nachrichten: Im Netz ist heute alles im Fluss. Soweit alles bekannt. Personal-Streaming-Plattformen wie YouNow oder Meerkat heben das Ganze jetzt aber auf ein neues Level. Denn im Gegensatz zu Posts auf Facebook, Fotos auf Instagram oder Clips auf Vimeo, bei denen man ja immer nur im Nachhinein damit angeben kann, dass man gerade den coolsten Scheiß erlebt hat, können beim Personal Stream endlich alle live dabei sein!

Heute ist doch alles personalisiert: Warum der Hype beim Streaming?

Weil die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken das Streaming heute noch mal individueller macht. Im Unterschied zu den bisherigen Videoplattformen sendet man in der personalisierten Live-Übertragung nämlich nicht mehr von irgendwo im Netz an irgendwen, der sich in den Stream reinklickt. Der individuelle Stream erreicht heute zielgenau das Publikum: zum Beispiel die eigenen Follower. Die erhalten einen Hinweis über die Live-Übertragung und können dann mitkommentieren, Fragen stellen oder einfach nur zuschauen. Wer viele Kommentare von seinen Zuschauern erhält, der wird von den Apps belohnt: zum Beispiel durch ein besseres Ranking oder virtuelle Münzen. Das Streamen wird durch solche Apps also nicht nur einfacher, sondern noch persönlicher.

Wenn alle senden, kann man dann noch abschätzen, was wirklich wichtig ist?

Warum nicht? Gleichzeitig können ja auch vollkommen neue Informationen gestreamt werden. Dass es auf einmal ganz viele Liveschalten und nicht mehr eine zentrale Sendestation gibt, kann also auch ein Vorteil sein. Personal Streaming ist auf jeden ein Schritt in Richtung mehr Demokratie. In seinem ersten Meerkat-Stream meinte Jan Böhmermann dann auch halbernst: "Vielleicht brauchen wir dann in zwei Jahren überhaupt keine Sender mehr..." So richtig demokratisch wird es aber trotzdem nicht. Durch Verknüpfung mit Social Media erreichen ja nur diejenigen ein großes Publikum, die da eh schon Erfolg haben.

Und was sagen die Streaming-Skeptiker?

Die kommen eher aus der Jugendschutz-Ecke. Jeder kann streamen, aber nicht jeder sollte das tun. Namen, Telefonnummern, Adressen oder  Hobbies - in einem Live-Stream können sich pubertierende zwölfjährige Mädchen schnell mal verplappern. Weil im Moment jeder auf "Senden" drücken kann, ohne dass zum Beispiel das Alter überprüft wird, hat das Familienministerium vor den Streams gewarnt. Kritik kam aber auch von denen, die die Plattformen selbst nutzen: von professionellen Youtubern. Ihr Hinweis: Erst Hirn an und dann auf Senden drücken. Denn Live-Streaming ist halt live. Und damit nur schwer rückgängig zu machen.

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