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Netzlexikon K wie Klickbetrug

Der Australier Peter Fillmore hat in seinem Leben noch kein Instrument gespielt - mit seinen grottigen Tracks aber trotzdem Künstler wie Macklemore oder Flume in den Streamingcharts überholt. Wie das? Mithilfe von Klickbetrug.

Von: Jasmin Körber

Stand: 29.03.2016

Netzlexikon Klickbetrug | Bild: BR

Was ist Klickbetrug?

Klickbetrug ist die Manipulation von Klickzahlen durch falsche Klicks - quasi der Dinosaurier des Internetbetrugs: schon seit Jahrzehnten manipulieren Menschen Pay-per-Click Werbebanner, indem sie sie professionell klicken oder klicken lassen. Das Ziel: die Abrechnungssysteme dahinter manipulieren.

Warum machen Leute sowas?

Zwei Gründe: Einerseits um das Werbebudget der Konkurrenz zu dezimieren - oder, um die eigenen Klickzahlen in ungeahnte Höhen schrauben. Deshalb ist Klickbetrug mittlerweile auch ein Problem in der Musikindustrie. Die Vermutung: auf Streamingplattformen wie Spotify und auf YouTube kommt lange nicht jeder Klick auch wirklich von einem Fan. Denn für jeden Fake-Klick winkt Bares - und natürlich Aufmerksamkeit.

Wie funktioniert Klickbetrug?

Theoretisch könnte man den Klickbetrug manuell durchziehen und sich dabei eine Sehnenscheidenentzündung herbeiklicken. Oder man lässt klicken. Wer sich keine Armee von schlechtbezahlten Klickzombies in Bangladesh leisten will, der cheatet mithilfe eines Computerprogramms. Wie einfach das wirklich geht, hat der australische Sicherheitsexperte Peter Fillmore vor ein paar Jahren gezeigt. Unter seinem Künstlernamen "John Matrix" hat er sich bei diversen Streamingdiensten angemeldet. Seine Songs klangen... naja, fragwürdig. Immerhin hat Fillmore in seinem Leben auch noch kein Instrument gespielt. Trotzdem hat er mit der Schrottmusik an die tausend Dollar eingenommen und in den Streamingcharts zeitweise Künstler wie Macklemore, Nicki Minaj und Flume überholt.

Wie hat Peter Fillmore es geschafft, seine Streams so in die Höhe zu treiben?

Fillmores selbstgeschriebenes Computerprogramm hat seine Songs immer und immer wieder automatisiert abgespielt. Eine Millionen Streams kamen so in ein paar Wochen rum. Alles weitgehend unbemerkt, bis Fillmore sein Experiment öffentlich machte.

Wie groß ist das Klickbetrug-Problem?

Da scheiden sich die Geister. Manche vermuten, dass bis zu ein Viertel der Streaming- und YouTube-Einnahmen durch Klickbetrug zustande kommen. Auf der anderen Seite behaupten Streamingdienstanbieter wie Spotify, ihnen seien keine größeren Betrugsfälle bekannt. Allerdings ist es auch wahnsinnig schwer, Klickbetrug nachzuweisen, wenn er gut und unauffällig gemacht ist.

Was unternehmen die Streaming-Anbieter gegen Klickbetrug?

Bei Spotify werden laut eigenen Angaben alle Streamingzahlen laufend analysiert und beobachtet. Hat ein Track unerklärbarerweise plötzlich unverhältnismäßig viele Streams, wird er entfernt. Auch YouTube hat dem Klickbetrug den Kampf angesagt: bei Hinweisen auf betrügerische Aktivitäten werden auch dort die entsprechenden Zugriffe aus der Zählung entfernt. Sofern sie eben überhaupt auffallen.


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