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Netzlexikon C wie Chatbot

Apple, Microsoft und jetzt auch Facebook - alle tun es gerade: Bots entwickeln. Warum sind die Dinger eigentlich so wahnsinnig hip? Und: Ist das wirklich die Zukunft unserer Kommunikation?

Von: Jasmin Körber

Stand: 19.04.2016

Netzlexikon: Chatbot | Bild: BR

Warum gehen Bots gerade so steil?

Der Hype kommt mal wieder vor allem aus Silicon Valley: Von Facebook, Microsoft und Freunden. Die haben verstanden, dass uns Nutzern der App-Dschungel auf unseren Handys langsam auf die Nerven geht. Wetter, Shopping, News - Für jeden Pups müssen wir uns eine neue App installieren und am Ende noch ein neues Benutzerkonto anlegen. Wäre es da nicht einfacher, die Infos gebündelt an einer Stelle angeboten zu bekommen? Zum Beispiel von einem Bot, den wir einfach anchatten können?

Wie funktioniert so ein Bot?

Ein Bot ist im Prinzip eine Benutzeroberfläche, die automatisch Antworten geben kann. Wenn man wissen will, wie das Wetter wird, nutzt man keine Extra-App. Man fragt Siri oder Cortana - oder man chattet auf Facebook mit einem Bot, der die Wetterdaten raussucht. Im Idealfall liefert ein Bot auf Anhieb die Antwort und verhält sich dabei noch möglichst menschlich. Tatsächlich ist er aber natürlich eine künstliche Intelligenz, die sich selber beibringt, immer besser mit uns zu kommunizieren.

Und was haben Facebook und Co. von den Bots?

Die Bot-Strategie passt hervorragend in Mark Zuckerbergs Alleinherrschaftsphantasien. Facebook ist natürlich ziemlich spitz darauf, dass wir uns in Zukunft möglichst alle Informationen über Facebook holen - und die Plattform nicht verlassen, wenn wir zum Beispiel das Wetter checken wollen. Das Potenzial für Facebook ist riesig: Allein der Facebook-Messenger und WhatsApp kommen zusammen auf 1,7 Milliarden aktive Nutzer. Manche glauben, dass sogar Browser oder Suchmaschinen irgendwann überflüssig werden könnten, wenn wir unsere Informationen bald nur noch über Bots bekommen. Neu ist die Idee allerdings nicht.

Wie lange gibt es Chatbots denn schon?

Der erste Chatbot wurde schon vor rund 50 Jahren entwickelt. Damals hat der deutsch-amerikanische Informatiker Joseph Weizenbaum mit "Eliza" die Mama aller Chatbots programmiert, allerdings noch als lokales Computerprogramm ohne Internetzugang. "Eliza" war quasi sowas wie ein virtuelle Psychotherapeutin, die mit ausgewählten Testpersonen über deren Probleme gechattet hat. Und das hat damals so gut funktioniert, dass viele von "Elizas" Patienten am Ende glaubten, mit einem echten Arzt geschrieben zu haben. So menschlich sind ihnen "Elizas" Antworten vorgekommen. Das nennt man bis heute den "Eliza-Effekt". Wahrscheinlich würden wir auf "Eliza" heute aber nicht mehr reinfallen.

Sind Bots die Zukunft unserer Kommunikation?

Das wird oft behauptet - aber dafür müssen sie besser werden, und zwar schnell. Denn Bots sind bisher vor allem eines: unübersichtlich, leicht doof und viel zu leicht zu beeinflussen. So wie "Tay", ein Chatbot, den Microsoft im Frühjahr vorgestellt hat. "Tay" sollte von Twitter-Nutzern lernen, wie sich junge Leute online unterhalten und lustig mitzwitschern. Als die Twitter-Gemeinde mit ihm durch war, war der Bot rassistisch, anti-feministisch und homophob - kurz: ein ziemliches Arschloch.

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