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Netzlexikon A wie AlphaGo

Die Roboter-Apokalypse scheint täglich näher zu kommen: Jetzt hat ein Computer einen der besten Spieler im komplizierten Brettspiel Go besiegt. Google DeepMind, die Firma hinter dem Programm, hat aber noch ganz andere Pläne.

Von: Hardy Funk

Stand: 16.03.2016

Zum ersten Mal hat ein Computer einen Menschen in Alpha-Go besiegt | Bild: BR/Max Fesl

Wer ist AlphaGo?

AlphaGo ist aktuell der SuperStar unter den SuperComputern: Gebaut hat ihn die Londoner Firma DeepMind. Die gehört zu Google und forscht zu Künstlicher Intelligenz. Letzte Woche hat sie AlphaGo im uralten und komplizierten Brettspiel Go gegen den vielleicht besten Spieler der Welt, den Koreaner Lee Sedol, antreten lassen – und der Computer hat gewonnen. Nach fünf Spielen stand es 4:1 für AlphaGo. Das hatten noch kurz vor der Partie selbst absolute Tech-Nerds für unmöglich gehalten. Denn Go ist um ein Vielfaches komplexer als Schach – wo der Computer DeepBlue schon 1997 den damals amtierenden Weltmeister Garri Kasparow besiegt hatte.

Wie hat AlphaGo das geschafft?

AlphaGo nutzt zunächst einmal eine ziemlich dröge Methode: Die "Monte Carlo Tree Search". Der Computer erstellt ein Baumdiagramm mit allen möglichen Zügen und wählt dann den Zug mit dem vielversprechendsten Resultat aus. Gleichzeitig baut Deepmind aber auch auf den aktuell heißesten Scheiß in der KI-Forschung: Machine Learning. Ihr Go-Computer wurde mit tausenden Go-Spielen von Menschen gefüttert und hat dabei immer mehr gelernt. Dann haben die Entwickler noch einen draufgelegt und den Computer gegen sich selbst spielen lassen. Wieder Millionen Spiele. Nur so konnte er noch besser werden – und den Spielzug spielen, der die Menschheit bloßstellte.

Der Spielzug, der die Menschheit bloßstellte?

Genau. Es ist ein Move aus der frühen Phase des zweiten Spiels: AlphaGo spielt einen Zug, den ein Mensch nie spielen würde. Trotzdem sind sich die Kommentatoren einig: Es ist ein wunderschöner Spielzug! Es ist ein Zug, auf den AlphaGo in den Millionen Spielen gegen sich selbst gekommen sein muss. Und es ist der Punkt in der Geschichte, ab dem Menschen tatsächlich von Computern lernen können.

Krass. Und was kommt als nächstes?

DeepMind hat noch viel größere Pläne, als Menschen im Go zu besiegen: Computer, die die Daten von Krankenversicherungen verarbeiten und so Gesundheitspläne für Menschen schreiben. Roboter, die endlich eine echte Hilfe im Haushalt sind. Und wirklich intelligente Smartphone-Assistenten, die die Planung für unser Leben übernehmen.

Klingt crazy – sollten wir uns nicht doch langsam Sorgen über die Maschinenherrschaft machen?

Der Sieg von AlphaGo ist beeindruckend. Und, mal ganz ehrlich, das mit dem nicht-menschlichen Zug hätte echt nicht sein müssen. Beim vierten Spiel hat aber auch Sedol einmal gewonnen. Einige stellen deshalb schon unangenehme Fragen, wie…

Hat AlphaGo den Menschen etwa absichtlich gewinnen lassen?

Das wäre der ultimative Alptraum: AlphaGo lässt den menschlichen Gegner gewinnen, um nicht zu gefährlich auf uns Menschen zu wirken. Ein Spiele-Computer, der im Hinterkopf schon die Roboter-Apokalypse hat. Aber so weit geht es dann doch noch nicht: Denn AlphaGo kann – wie bisher jede Künstliche Intelligenz – wieder nur eine Sache: Diesmal eben Go spielen. Einen Gedanken an Killer-Roboter kann er nicht fassen. Bis zur Robokalypse ist es also immer noch ein weiter Weg. Allerdings könnten Computer mit Machine Learning tatsächlich schneller auf neue Gebiete angewandt werden. Denn die Software ist mehr oder weniger die gleiche, egal ob der Computer Go lernt oder versucht, sich in unserem Smartphone zurechtzufinden. Vielleicht sollten wir die Algorithmen also lieber nicht Terminator schauen lassen.


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