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Netzlexikon 5 wie 5G

Schnell, schneller, 5G: Die neue Mobilfunktechnologie soll 2020 kommen und uns dann flächendeckend mit High-Speed Internet versorgen. Aber viele Netzbetreiber wollen 5G dazu nutzen, die Netzneutralität auszuhebeln.

Von: Markus Köbnik

Stand: 09.08.2016

5G - Ein Hebel gegen die Netzneutralität? | Bild: BR

Was ist eigentlich dieses 5G?

5G steht für die 5. Generation des Mobilfunks. Die neue Technologie soll im Jahr 2020 auf den Markt kommen und damit LTE, also 4G, ablösen. Wenn man die Übertragungsraten von heute mit einer  Propellermaschine vergleicht, dann wäre 5G auf jeden Fall ein Düsenjet. Mit 5G werden wir 10 mal schneller im mobilen Netz unterwegs sein als heute. Möglich wird das durch eine massive Ausweitung des Frequenzbereichs. Geplant ist ein Frequenzraum von bis zu 300 GHz, heute werden gerade mal bis zu 3,5 GHz genutzt.

Und was kann dieses 5G so?

Mit 5G können wir uns bald entspannt Filme in HD Qualität auf das Smartphone laden, ruckelfrei Dienste wie Facetime oder Skype benutzen oder unterwegs ganz entspannt dicke Dateien runterladen. Gute Aussichten nicht nur für uns User, sondern auch für Maschinen. Forscher schätzen, dass ab 2020 schon mehr als 100 Milliarden Dinge, wie Kühlschränke oder Industrieroboter, weltweit vernetzt sind und mit der 5G-Technik können sie noch besser und schneller miteinander kommunizieren. Auch die Automobilindustrie ist aus dem Häuschen, denn mit einem schnellen mobilen Netz wird auch das selbstfahrende Auto etwas schneller auf die Straße kommen können. Denn bislang ist der träge Datenfluss im mobilen Netz eine der Hauptschwachstellen beim Auto der Zukunft.

Wird ja auch Zeit, dass endlich mal was passiert. Aber steigen dann auch die Preise für mich?

So, wie es aussieht: ja. Neben den Kosten für ein neues Smartphone, das 5G nutzen kann, werden auch die Tarife teurer. Denn Anbieter wie die Telekom oder Vodafone müssen jetzt schon viel Geld in Forschung und die Infrastruktur investieren. Geld, das sie danach natürlich wieder reinholen wollen. Die Netzanbieter wollen dabei aber nicht nur die Kunden zur Kasse bitten. Im Sommer 2016 haben viele der großen Provider das sogenannte "5G Manifest" veröffentlicht. Darin fordern sie von der EU mehrere Milliarden Euro an Unterstützung. Aber damit nicht genug: Wenn es nach den Anbietern geht, dann soll mit der Einführung von 5G auch die Netzneutralität aufgeweicht werden.

Was hat denn 5G mit Netzneutralität zu tun?

Nachdem 5G wie eine frisch geteerte Überholspur auf der Datenautobahn funktioniert, könnte man als Provider für diesen Service von bestimmten Diensten natürlich auch extra Gebühren verlangen. Soll heißen: Hallo Zwei-Klassen Internet, Goodbye Gleichbehandlung aller Daten im Netz.

Damit kommen die Provider doch nicht durch, oder?

Ganz so sicher ist das nicht. Günther Oettinger, der EU Kommissar für Digitales, hat das "5G-Manifest" zwar schon mal wohlwollend begrüßt. Dagegen stehen aber mehr als eine halbe Million Unterschriften von Usern, Netzaktivisten, Forschern und Unternehmen, die im Sommer 2016 gesammelt worden sind, um die EU dazu zu bewegen, auch weiter für Netzneutralität zu sorgen. Damit es später nicht heißt: Wir haben zwar mit 5G superschnelles Internet bekommen, aber dafür das freie Internet geopfert.


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