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Hater vs. Feministinnen Warum Frauen im Netz so viel Hass abbekommen

Beleidigt und bedroht – das werden vielen Frauen, die im Netz über Feminismus schreiben. Sind die Hater verwirrte Einzelheinze oder ist das Netz bloß ein Ventil für alltäglichen Frauenhass? Ein Gastkommentar von Julia Schramm.

Von: Julia Schramm

Stand: 16.09.2014

Feministinnen werden häufig im Netz attackiert | Bild: BR

Es ist Montagmorgen und schon wieder schlägt mir Hass entgegen. Eine Twitter-Nachricht leuchtet auf meinem Bildschirm auf: „Kommen trotzdem ins Gas, sind ja Feministen :3“. Es ist eine Antwort auf einen Tweet von mir. Darin habe ich ganz sachlich bedauert, dass die Feministische Partei in Schweden antisemitische Anwandlungen hat. Grund genug für diesen User, allen Feministinnen mit der Gaskammer zu drohen.

Wer sich nicht täglich in Sozialen Medien bewegt, den schockt sowas vielleicht.  Aber für Feministinnen sind solche bizarren Gewaltphantasien einfach nur Alltag.

Doch wer sind diese Leute, die sich jeden Tag im Internet an Frauen abarbeiten, die sich für Geschlechtergerechtigkeit und gegen Sexismus engagieren? Wer sind diese Leute, die Feministinnen mit Vergewaltigung, Mord und Totschlag drohen? Wer sind diese Leute, die Feministinnen vergast sehen wollen?

Wenn man sich diese antifeministischen Jäger mal näher anschaut, dann zeigt sich: Sie kommen aus der so genannten Mitte der Gesellschaft. Und es sind fast nur Männer: Anwälte, Maurer, Professoren, Handwerker, Ärzte, Steuerfachangestellte und IT-ler. Sehr viele IT-ler. Männer, die sich nicht mal die Mühe machen, ihre Identität zu anonymisieren. Die ihre Meinungsfreiheit schon verletzt sehen, wenn sie Frauen nicht sexuell belästigen sollen. Männer, die jede Form der Emanzipation voller Hass bekämpfen. Und die dabei sogar glauben, die Mehrheit der Gesellschaft würde genau so denken wie sie.

Viele dieser Männer fühlen sich bevormundet, weil sie glauben, ihre Männlichkeit nicht ausleben zu dürfen. Sie fühlen sich angegriffen und kontern das mit aller Macht. Verpackt wird dieser Machtkampf gerne mit dem Anspruch einer politischen Auseinandersetzung. Viele Hater verwenden bei ihren Ausfällen Begriffe wie „objektiv“ und „rational“, um ihrem blinden Hass einen bürgerlichen Anstrich zu geben. Dabei geht es ihnen nicht um eine politische Auseinandersetzung, sondern nur um Befindlichkeiten: Frust, Neid und Missgunst. Am liebsten würde man darüber lachen. Aber dafür ist es zu gefährlich und verletzend. Denn mal ehrlich: Wen würde es kalt lassen, jeden Tag mit dem Tod bedroht zu werden?

Dabei gilt dieser Hass, der aus allen Ecken des Internets tropft, nicht nur Feministinnen. Er gilt allen Menschen, die gegen Diskriminierung kämpfen – egal, ob gegen die Diskriminierung von Schwarzen, von Juden und Jüdinnen, von Homo- und Bisexuellen oder von Menschen mit Transidentität. Das neue Lieblings-Schimpfwort der Hater heißt „Social Justice Warrior“. Als wäre der Kampf für die Rechte von Menschen, die nicht weiße, heterosexuelle Männer sind, etwas falsches. Dass diese Wellen des Hasses immer wieder Frauen besonders stark treffen, zeigt eigentlich nur, wie stark die patriarchale Kultur weiter wirkt.

Mittlerweile gibt es in Deutschland auch eine Partei, die sich den Leiden dieser schrecklich missverstandenen Männer annimmt: die AfD. Ihr Erfolg bei den letzten Landtagswahlen zeigt, dass der Hass gegen „Gutmenschen“ und Feministinnen mehr ist als nur ein Phänomen am ultrarechten Rand. Dieser Hass war wohl immer schon da, er zeigt sich nur im Internet ein wenig offener, als wir das gewohnt sind. Und so bleibt am Ende die banale Erkenntnis: Es ist nicht das Internet. Es sind die Menschen.

Julia Schramm...

Julia Schramm | Bild: Privat

... ist Buch-Autorin und schreibt seit 2012 an ihrer Doktorarbeit zum Thema Privatheit. Außerdem schreibt sie für verschiedene Medien und betreibt einen Blog "Leben in der Metamoderne" - darin geht es unter anderem über Feminismus.

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einMensch, Dienstag, 30.September, 13:23 Uhr

19. Falsche Analyse

Genau falsch analysiert:

"Beleidigt und bedroht – das werden vielen Frauen, die im Netz über Feminismus schreiben. Sind die Hater verwirrte Einzelheinze oder ist das Netz bloß ein Ventil für alltäglichen Frauenhass? Ein Gastkommentar von Julia Schramm."

Die Beleidigungen kommen nicht daher, dass Sie sich für die Rechte anderer Menschen einsetzen, sondern aufgrund des ständige militante Hetzen gegen Männer. Wer ständig hetzt und pauschalisiert, braucht sich nicht wundern das ihm/ihr Ablehnung widerfährt.

"Und es sind fast nur Männer: Anwälte, Maurer, Professoren, Handwerker, Ärzte, Steuerfachangestellte und IT-ler. Sehr viele IT-ler."

IT-ler??? Ihr ernst?? Wenn ein IT-ler eines nicht ist, dann ist es der sogenannte "Macho" oder das "Chauvi-Arschloch". So ein Murks!!

Wahrscheinlich kennen Sie nicht einmal einen IT-ler, sondern haben einfach zuviel Quatsch von Piraten-Feministinnen gelesen.

Mein Beileid für diesen schlechten und verblendeten Artikel!

Mein Beileid.

Regina von Britt, Donnerstag, 25.September, 10:46 Uhr

18. Sind es wirklich Männer?

Super, Frau Schramm. Ich möchte Ihnen einen neuen Ansatz vorstellen. Das Buch "Achtung! Jerks im Anmarsch" bahnt den Weg für eine neue Emanzipation, an der Männer und Frauen beteiligt sein können. Das Besondere: Die Gruppe der Hater, privat oder öffentlich wurde unter einem anderen Begriff zusammengefasst. So haben richtige Männer die Chance, für Sauberkeit in den eigenen Reihen zu sorgen. Das entschärft die Debatte Mann-Frau ungemein und kann zu einem friedlicheren Miteinander der Geschlechter führen. Bei Interesse schreiben Sie mich an oder besuchen Sie den Artikel über das Buch. http://reginavonbritt.wordpress.com/2014/09/19/achtung-jerks-im-anmarsch/
Viele Grüße
Regina von Britt

sarion, Donnerstag, 18.September, 17:07 Uhr

17. befremden

kommt in mir (weiblich) hoch wenn ich sehe das einer Person die Menschen bis auf das Blut provozierte hier unrefektiert über Hater im Netz fabulieren kann.

Obeserver, Donnerstag, 18.September, 14:04 Uhr

16. was zu beweisen war

Und direkt unter diesen - wie ich finde recht gut argumentierten - Beitrag über Fraunhass im Netz, ergießt sich das Gezeter und Gehate der Getroffenen. Was zu beweisen war.

DerDieDas, Donnerstag, 18.September, 13:59 Uhr

15. Sowieso!

Die Kommentare unter diesem Artikel zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass Julia Schramm Recht hat.

  • Antwort von die grafenburger, Donnerstag, 18.September, 15:35 Uhr

    Die Kommentare an Frau Sauerkraut Kartoffelbrei zeigen auf das Frau Schramm NICHT recht hat. Sondern hier Reaktionen auf Provokationen inhaltsleer verwurstet werden.