#yummymoments my ass Warum der Insta-Wahn euch als Würste entlarvt

Bei gestellten Instagram-Fotos bekommt unsere Autorin Plaque. Hashtags wie #yummymoments machen sie aggro. Wann fing das eigentlich an, dass alle so rüberkommen, als wollten sie in der Raffaello-Werbung mitspielen?

Von: Verena Fiebiger

Stand: 12.06.2017 | Archiv

Instagram Hass | Bild: BR

Ich hasse Instagram. Ich hasse jedes einzelne dieser gestellten Bilder. Und was ich noch mehr hasse, sind Bilder, die nicht gestellt wirken sollen. Doch am allerschlimmsten sind: Motivational Quotes. Wann fing das eigentlich an, dass Erwachsene sich Poesiealbumsprüche schreiben?

"It is not the mountain we conquer but ourselves."

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Nennt mich Demotivational Coach: Aber das Allerletzte, was die Welt braucht, sind Motivationssprüche und Insta-Stories von Leuten, die aus sowas ihr Mojo ziehen. Das ist, wie sich von einer Magersüchtigen das Kochen beibringen zu lassen – irgendwie schräg. Doch leider ist es genau das, was immer, immer, immer auf Instagram funktioniert: Leute, die auch nur Würste sind, erklären anderen, wie das schöne Leben auszusehen hat. Was sie Leckeres essen sollen, Müsli Bowls zum Beispiel. Smoothies, Low-Carb-Gerichte, Breipampen, dieser ganze Gemüse-Abfall, diese Schnappschüsse wie aus der Pummelfee die Fitnessqueen wird, aus Schwabbelbäuchen hart definierte Bauchmuskeln, auf denen man Käse reiben kann. Und falls willig und vorhanden, gibt’s auch noch den Partner mit dem Vorzeige-Sixpack gratis mit dazu. Ich will wirklich nicht unhöflich sein, meine Lieben: Aber weder eure frisch gekauften Blumensträuße noch eure Leben interessieren mich. Weder die schön gefilterte noch die schön verschwitzte Live-aus-dem-Gym-Variante.

The truth behind #mealprep

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Wann fing das eigentlich an, dass Diätpläne zu einem coolen Lifestyle wurden? Seit wann ist Eigenlob salonfähig und wann hat Angeben die Tugend 'Bescheidenheit' ersetzt? Ich bin nicht gegen Sport, gutes Essen, das schöne Leben oder auch mal stolz sein. Aber ich bin gegen die Sucht, ständig irgendetwas davon präsentieren zu müssen. Allein der Gedanke, wie ein Foto auf Instagram wirkt, versaut mir die Lust daran, den Auslöser zu drücken. Wenn ich mal wieder 20 Minuten Lebenszeit mit posten und liken verbracht habe – Hashtag Gewohnheit – mal wieder wahllos ALLEN Bestätigung und mir selbst die Versicherung gegeben habe, dass ich auch noch existiere – fühlt sich das nicht anders an, als Fastfood mampfen oder schlechte Pornos schauen. Wir sind alle miese Dramaturgen unserer kleinen Leben, in einer selbstoptimierten Welt, die kein Fratzenfoto zulässt, obwohl wir nun mal nix anderes sind als Fratzen.

Die einzig coole Person, der ich gerade folge, ist Bodyposipanda, eine der Frauen, die den Gegentrend bedient. Sie postet ihren unvollkommenen Hefeteig-Körper, sie propagiert, dass man auch mit Hakennase schön ist. Aber seien wir ehrlich: Das ist auch nur Kosmetik in einem Meer aus Selbstdarstellern, die ihre eigenen Pressesprecher geworden sind und sich für diesen angepassten Lifestyle feiern lassen. Die einen betreiben das professionell und bedienen trickreich den Insta-Algorithmus, die anderen blenden aus, dass es sich hier mittlerweile nur noch um ein knallhartes Marketingtool handelt. Wann fing das eigentlich an, dass alle in der Raffaello-Werbung mitspielen wollen? Wann fing das an, dass Menschen die Marketing-Experten ihrer eigenen Leben wurden? Instagram ist Pixel-Müll mit Hochglanzoberfläche. Eine seelenlose Bewertungsmaschine. Da sage ich: Danke für die Blumen, ihr Süßis. Aber ich muss leben – ohne, dass ihr zuguckt.

Sendung: Filter vom 12. Juni 2017 ab 15 Uhr

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