Kommentar Wir brauchen die #Hashtag-Revolution

Twitter wird gerade zum Hassobjekt der LGBT-Bewegung, weil sich unter #bisexual keine Bilder mehr finden lassen. Klar, das ist Zensur - aber das Hashtag an sich hat viel größere Probleme! Es ist alt, langweilig und überholt.

Von: Julian Wenzel

Stand: 06.11.2017

Titelbild Hashtag Revolution | Bild: BR

Mal schnell auf Twitter nach Bildern oder Videos zu #bisexual suchen, klappt seit ein paar Tagen nicht mehr. Nach einem Update spielt die Twittersuche verrückt und spuckt zu bestimmten Hashtags keinerlei Suchergebnisse mehr aus: #penis, #vagina – auch gesperrt! Twitter möchte uns so vor "potentiell sensiblen Inhalten" schützen. Danke für nichts!

Denn die Auswahl der gesperrten Hashtags ist mehr als willkürlich: #vulva, #nipple, #dick, aber auch #gay oder #lesbian bleiben erlaubt. Damit hat sich Twitter mal eben einen Shitstorm nicht nur in der LGBT-Community eingeholt. Welcher Hashtag angeblich gefährdend ist, also gesperrt wird, und welcher nicht, ist einfach zu beliebig gewählt. Das scheint auch Twitter einzusehen und "arbeitet an dem Problem".

Twitter, nutze die Zeit für Sinnvolleres

Die Zeit, die die Twitter-Techniker zum Beheben "des Fehlers" brauchen, sollten sie besser sinnvoller nutzen und sich endlich mal um die Zukunft des Hashtags kümmern. Seit vor zehn Jahren aus der einfachen Raute das mächtige Hashtag wurde, hat sich nämlich nicht mehr viel getan. Zwar sind Soziale Netzwerke ohne Hashtags kaum mehr vorstellbar, aber das Zeichen ist gleichzeitig zum #PainInTheAss geworden.

Während es künstliche Intelligenzen inzwischen hinbekommen, Inhalte selbstständig zu verstehen, ist das Hashtag nichts weiter als ein Schlagwort geblieben. Und dazu noch fehleranfällig: Der geilste Beitrag, falsch ver-hash-taggt, verschwindet für immer unauffindbar im Internet.

Lasst Hashtags intelligent werden

Damit das nicht mehr passiert, könnten sich Hashtags in Zukunft selbst zuweisen. Ein Algorithmus könnte den Inhalt eines Beitrags analysieren und passende Hashtags ergänzen, also: Den Kontext verstehen. Geht es im Text um Vergewaltigungsvorwürfe, würde automatisch #aufschrei oder #metoo vorgeschlagen. Das könnte so ähnlich auch auf Instagram funktionieren, indem hochgeladene Bilder auf verschieden Motive gecheckt werden. Die Technik dafür gibt es schon.

Ein Problem sind auch falsch gesetzte Hashtags: Entweder wir sehen deshalb Beiträge, die wir gar nicht sehen wollten oder der eigene Beitrag wird nie gefunden. Wieso gibt es dafür eigentlich noch keine Hashtag-Autokorrektur? Wäre ein super Hilfsmittel. Auf Instagram sind zum Beispiel über 213.000 Beiträge unter #deutchland getaggt, die so garantiert niemand sucht. Würde daraus automatisch #deutschland werden, würden wir viel mehr passende Beiträge sehen.

Verbessert endlich die Suche nach Hashtags

Es gibt aber Verbesserungen, die noch viel einfacher umzusetzen sind: Wie wäre es, wenn uns Instagram, Twitter und Co Hashtags bei der Suche kombinieren ließen? Wie grandios wäre es, wenn wir zum Beispiel gleichzeitig nach #thaifood und #noodles suchen könnten, um nur Bilder von asiatischen Nudelrezepten auf Instagram angezeigt zu bekommen? Oder wenn wir bei der Suche Hash- und Geotags kombinieren könnten: Instagram, zeig mir nur #sonnenaufgänge auf der #zugspitze. Wir könnten so viel gezielter die Beiträge finden, die uns wirklich interessieren. Unglaublich, dass es das noch nicht gibt.

Nachdem in den letzten Jahren so manches Hashtag eine Revolution ausgelöst hat, wird es also Zeit, dass nun auch das Hashtag selbst revolutioniert wird. Ich fordere eine Revolution!

Sendung: Filter: 07. November 2017 - ab 15 Uhr.

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