Anonyme Suchmaschinen Suchen ohne Schnüffler

Google schöpft unbegrenzt Daten ab, die NSA liest mit: Das Netz ist längst zum Big-Brother-Albtraum mutiert. Anonyme Suchmaschinen versprechen das Ende des Fulltime-Trackings. Aber was taugen die Google-Alternativen wirklich?

Von: Hardy Funk

Stand: 17.07.2017

DuckDuckGo | Bild: Screenshot/ DuckDuckGo

Ob Google, Yahoo! oder Bing: Sie alle wollen unsere privaten Daten und speichern praktisch alles ab, was sie über uns in Erfahrung bringen können. Datenschutz? Meist nicht mehr als eine leere Marketing-Floskel. Und doch hat Google in Deutschland einen Marktanteil von über 90 Prozent. Dabei gibt es längst kostenlose Alternativen, die auf das Datensammeln verzichten.

Startpage by Ixquick

Die anonyme Suchmaschine ixquick | Bild: Screenshot/ ixquick

Die niederländische Suchmaschine Startpage by Ixquick speichert - anders als Google - weder die IP-Adresse des Users (anhand der User eindeutig identifizierbar sind) noch den genutzten Browser oder die eigentliche Suchanfrage. Die Anfrage wird außerdem nach dem besonders sicheren Perfect Forward Secrecy-Verfahren verschlüsselt. Das stellt sicher, dass keine anderen Webseiten und nicht einmal die NSA das Surfverhalten verfolgen können. Die Server von Ixquick stehen zwar teilweise in den USA, das Unternehmen versichert aber, Suchanfragen aus Europa nur über europäische Server zu leiten. Viel anonymer geht eigentlich nicht.

Auch die Suche überzeugt: Startpage stützt sich auf die anonymisierten Ergebnisse von Google. Die Seite liefert erstklassige Suchergebnisse.

DuckDuckGo

"Search anonymously, find instantly" lautet das Motto von DuckDuckGo und das bedeutet: Wie Startpage speichert die Seite keine Suchergebnisse, keine IP-Adresse und auch nicht den genutzten Browser. Auch hier werden die bei einer Suchanfrage trotzdem anfallenden Daten nach dem besonders sicheren Perfect Forward Secrecy-Verfahren verschlüsselt. Auch hier wieder: Bestnoten - mit einem kleinen Beigeschmack: DuckDuckGo ist ein US-Unternehmen und läuft auch über US-Server. Die starke Verschlüsselung sollte aber verhindern, dass Daten in die Hände von NSA und Co gelangen.

Das mit dem "find instantly" klappt ebenfalls ganz gut: Die Suchergebnisse von DuckDuckGo können mit denen von Google mithalten, auch bei der Bilder- und News-Suche. Nur bei der Video-Suche hapert es noch ein bisschen.

Qwant

Bunte Farben, Datenschutz und Social Media: Seit Juli 2017 ist die französische Suchmaschine Qwant 2014 jetzt auch auf deutsch verfügbar. Qwant sieht besser aus als alle anderen anonymen Suchmaschinen, liefert erstklassige Suchergebnisse und glänzt mit seinen Suchkategorien, wie "Social Media". Qwant versteht sich als europäische Alternative zu Google, indiziert das Netz aber selbst. Und Qwant bietet wie Google an, ein Konto anzulegen - wozu man allerdings die Anonymität wieder aufgeben muss. Die Seite wirbt außerdem damit, dass die Suchergebnisse nicht personalisiert sind und man so endlich einmal aus der Filter-Bubble rauskommt. Ein Nebeneffekt, den aber auch alle anderen anonymen Suchmaschinen haben.

Nicht ganz so goldig sieht es beim Datenschutz aus: Zwar verspricht Qwant-Mitbegründer Eric Léandri, "wir sammeln absolut keine persönlichen Daten." Alle genaueren Angaben bleiben aber nebulös: "Cookies für kommerzielle Zwecke" würden zwar geblockt - die Seite selbst legt aber Session-Cookies an. Verschlüsselt wird lediglich über das anfällige HTTPS-Protokoll. Zum Umgang mit IP-Adressen gibt es keine Infos.

YaCy

Dezentral ist besser: Die deutsche Suchmaschine YaCy geht einen komplett anderen Weg als der Rest im Suchmaschinen-Business und speichert die Software und den Suchindex dezentral auf der Festplatte eines jeden Users statt auf zentralen Firmenservern. Die gesammelten Daten können also nirgends zentral eingesehen werden.

Vor der ersten Suche muss man YaCy erst einmal herunterladen, installieren und einstellen - ein paar grundlegende Netz-Skills sollte man also mitbringen. Für eine Suchanfrage können dann mehrere User verbunden werden. Das heißt aber auch: Wie gut die Suchergebnisse sind, hängt davon ab, wie viele YaCy-User online sind. Denn ein Index allein reicht nie aus, um zufriedenstellende Suchergebnisse zu bekommen. Im Moment ist da noch Luft nach oben.

MetaGer

MetaGer ist eine deutsche Meta-Suchmaschine, die ihre Ergebnisse aus etwa 20 bis 30 anderen Suchmaschinen generiert. Es werden keine Nutzerdaten gespeichert, die IP-Adresse wird anonymisiert, die Suche verschlüsselt - aber nur nach dem für Angriffe anfälligen HTTPS-Protokoll. Immerhin: Die Server stehen in Deutschland und MetaGer unterliegt damit dem relativ strengem deutschen Datenschutzrecht.

Die Suchmaschine wird in Kooperation mit der Universität Hannover betrieben - und sieht auch ein wenig nach Uni aus. Da sollten eigentlich wenigstens die Suchergebnisse passen - tun sie aber nicht immer. Eine Video-Suche fehlt ganz. Bei der Weiterentwicklung Metager² sieht es noch trauriger aus.

Sendung: Freundeskreis, 18. Juli 2017 - ab 10 Uhr.

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