Amazon entwickelt Smart Locks Wenn der Postmann nicht mehr klingelt

Nie mehr Pakete beim Nachbarn. Stattdessen: Tür auf, automatisch. Amazon entwickelt und kauft momentan die Technik für smarte Türschlösser, die Paketboten einfach kurz in die Wohnung lassen soll. Aber wollen wir das wirklich?

Von: Dominic Holzer

Stand: 12.10.2017

Amazon entwickelt Smart Locks | Bild: BR

Wie oft bestellen wir Dinge im Internet zu uns nach Hause - und sind dann nicht da, wenn geliefert wird. Der Horror hat viele Namen: gelber Zettel, Paket beim Nachbarn, Nachbar im Urlaub. Paket auf der Poststelle, Paket nicht auffindbar, kommen Sie morgen wieder. Wenn’s nach Amazon geht, ist damit jetzt Schluss. Solchen Horrorszenarien einen Riegel vorschieben sollen Smart Locks.

Nie mehr gelbe Zettel!

Schlaue Türschlösser also. Dafür will Amazon an die Technologie des Unternehmens Phrame, die smarte Schließmechanismen schon für Kofferräume im Einsatz haben. Ganz nebenbei die zweite große Sache, die Amazon in Angriff nehmen will: Das Paket kommt einfach über Nacht in den Kofferraum geliefert - in die ganz private Packstation sozusagen.

Smart Locks funktionieren dabei im Prinzip wie bei Carsharing-Autos auch: Sobald wir ein Auto über unser Handy mieten wollen, öffnet sich die Wagentür mit Passwort und PIN. Für Paketboten gilt das gleiche: Das Smartlock weiß die Liefernummer und gleicht die einmalige TAN ab, die der Paketbote für diese Lieferung erhält. Stimmt beides, geht die Tür einmalig auf, der Bote stellt das Paket ab und zieht die Tür hinter sich wieder zu.

Fremde Leute ins Haus lassen?

Wie das versicherungstechnisch aussieht? Wir wollen ja nichts unterstellen, aber der Bote könnte ja auch das Paket abstellen und dafür den Laptop und das Sparschwein mitnehmen. Amazon selbst möchte sich dazu auf Anfrage nicht äußern. Kein Wunder, die entwickeln die Technik ja gerade erst.

DHL testet die Kofferraum-Zustellung per Smart Lock schon seit ein paar Monaten in Deutschland (in wenigen Städten und nur für bestimmte Automodelle) und hat bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

"Das funktioniert genauso wie sogenannte Ablage- und Garagenverträge, wo unsere Zusteller auf der Terrasse, in der Garage oder im Gartenhäuschen zustellen. Es sind bisher keine Vorkommnisse bekannt, wo man unseren Zustellern Diebstahlversuche oder Ähnliches vorgeworfen hätte."

- Gerold Beck, Pressesprecher DHL

Alles Gewöhnungssache

Und wenn doch was geklaut würde: Anzeige, Polizei ermittelt, Standardprogramm. Wahrscheinlich ist, dass Amazon für sein System deswegen eine Überwachungskamera mitentwickelt. Aber wozu überhaupt der ganze Aufwand? Nicht ausgelieferte Pakete sind auch für die Lieferfirmen ärgerlich: Nochmal rumfahren, nochmal zustellen kostet Zeit und letztendlich Geld. Ein Grund mehr, warum DHL gerade ohne Aufpreis in den Kofferraum liefert:

"Das ist absoluter Kundenwunsch, sehr schnell die Sendung in Händen zu halten. Man kann im Internet rund um die Uhr zu jeder Zeit bestellen und Kunden rechnen damit, dass das am nächsten Tag schon da ist."

- Gerold Beck

Womöglich gewöhnen wir uns damit schneller an das Prinzip Smart Lock, als wir uns heute vorstellen können.

Sendung: Filter vom 11.10.2017 ab 15 Uhr

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