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Trans-Begriffe Wie mensch über Transgender spricht

Die Transgender-Debatte tobt, nur die Begriffe geraten dabei oft durcheinander. Kein Wunder: Es ist schwierig, den Überblick zu behalten. Wir sagen: Schluss mit sprachlos! und haben versucht die wichtigsten Wörter zu erklären.

Von: Mara Wecker & Lisa Altmeier

Stand: 04.12.2015 | Archiv

Transgender Begriffe und Definitionen | Bild: BR

Über das Thema Trans* zu sprechen ist gar nicht so einfach. Es gibt nämlich extrem viele verwirrende Begriffe und Formulierungen - und auch jede Menge Fettnäpfchen. Aussagen wie "im falschen Körper geboren", "war früher ein Mädchen" oder "würde gerne eine Frau sein“ sind problematisch. Außerdem gibt es Streit über die richtige Wortwahl: Sagt man jetzt transsexuell oder transgender oder transident oder vielleicht doch lieber trans*? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Wir haben trotzdem versucht die wichtigsten Trans*-Begriffe zu definieren und zu erklären, warum bestimmte Formulierungen nicht unbedingt gut ankommen. Eure bisherigen Vorschläge zur Ergänzung sind in die unten stehende Liste eingeflossen. Wenn ihr weitere Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge habt, immer her damit!

Transgender

Als Transgender bezeichnet man Personen, die sich nicht - oder nicht nur - mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Transgender wird inzwischen auch teilweise als Oberbegriff verstanden, der zum Beispiel auch Menschen einschließt, die sich weder mit dem Geschlecht Mann noch mit dem Geschlecht Frau identifizieren. Das Wort "trans" kommt aus dem Lateinischen und heißt soviel wie "hinüber" oder "jenseitig", der Begriff "gender" bezieht sich auf das (soziale) Geschlecht. Einige transgeschlechtliche Personen lehnen das Wort wegen der Betonung der sozialen Komponente ab.

Transsexualität

Transsexualität ist der in Deutschland rechtlich korrekte Begriff für Transgeschlechtlichkeit. Eingeführt hat ihn der Sexualforscher Hirschfeld - und das schon 1923. Das Wort "Sexualität" bezieht sich in diesem Fall auf das körperliche Geschlecht (von lateinisch "sexus"). Der Begriff wird heute von einigen Menschen abgelehnt, weil die Endung "-sexualität" die körperliche Komponente im Gegensatz zur sozialen ("gender") betont und so klingt, als hätte Transsexualität etwas mit sexueller Orientierung zu tun, was nicht der Fall ist. Andere Leute bezeichnen sich bewusst als transsexuell, weil sie der Meinung sind, dass es sich bei Transsexualität um eine körperliche und nicht um eine soziale Angelegenheit handelt und grenzen sich demensprechend vom Begriff "Transgender" ab.

Transidentität

Transidentität betont, dass es bei der Sache um die Identifikation mit dem anderen Geschlecht - und nicht um die Sexualität geht. Das Adjektiv "transident" wird in Deutschland heute häufig als Synonym für "transsexuell" verwendet. Allerdings ist auch dieser Begriff umstritten. Erstens weil er suggeriert, dass der Körper komplett unwichtig wäre, zweitens weil Identität danach klingt, als ob man es sich ausgesucht hätte, transident zu sein.

Trans*

Da es um die oben genannten Begriffe diverse Diskussionen gibt, wird in Deutschland inzwischen immer häufiger der Begriff "Trans*" ("Trans-Sternchen") verwendet. Er ist der Versuch einen nicht wertenden und nicht kategorisierenden Oberbegriff für das gesamte Trans*-Spektrum zu finden.

Transvestit

"Transvestismus" ist ein sehr alter Begriff, den der Sexualforscher Magnus Hirschfeld schon 1910 eingeführt hat. Damals meinte er damit Menschen, die sich entgegen ihres bei der Geburt zugewiesenen Geschlechts kleiden - "vestire" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "tragen". Heute sagt man dazu eher "Cross-dressing", denn im allgemeinen Wortgebrauch wird unter Transvestismus häufig eine sexuell motivierte Aktion verstanden - und Transgeschlechtlichkeit ist unabhängig von der Sexualität.

Transgeschlechtlichkeit

Andere Menschen verwenden den Begriff "Transgeschlechtlichkeit" als Oberbezeichnung. Er beinhaltet sowohl die körperliche Komponente (transsexuell) als auch die soziale (transgender).

Androgynie

Eine Person, die äußerlich sowohl weibliche als auch männliche Merkmale (können auch Kleidung oder Gestik sein) hat, sodass sie nicht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Dass eine Person androgyn ist, muss nichts über ihre Identifikation mit einem Geschlecht aussagen.

Transfrau

Eine Person, die sich als Frau identifiziert, obwohl ihr bei der Geburt das männliche Geschlecht zugeordnet wurde.

Transmann

Eine Person, die sich als Mann identifiziert, obwohl ihr bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet wurde.

Cisgender

Der Gegensatz zu "trans" (lateinisch: jenseitig) ist "cis", was auf deutsch "diesseitig" bedeutet. "Cisgender" ist die Bezeichnung für Menschen, die sich mit dem ihnen zugewiesenen Geschlecht identifizieren.

Cisfrau

Eine Person, der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugeordnet wurde und die sich damit identifiziert.

Cismann

Ein Cismann wurde bei der Geburt als Mann eingeordnet und identifiziert sich damit.

Geschlechtsangleichung

Bei einer Hormonbehandlung oder Operation werden körperliche Merkmale an die persönliche Geschlechtsidentität angeglichen. Das früher gängige Wort hierfür war "Geschlechtsumwandlung". Allerdings ist eine Trans-Frau, die ihre Geschlechtsorgane angleichen lässt, aus Sicht vieler Transgender vorher genauso eine Frau wie danach - sie wird nicht erst durch die OP zur Frau. Der Begriff "Geschlechtsangleichung" betont also, dass der Körper angepasst wird und nicht das Geschlecht umgewandelt wird.

Transphobie

Die Ablehnung von Trans-Menschen - oft verbunden mit Diskriminierung und Gewalt gegen Trans-Menschen.

Transsexuellengesetz (TSG)

Das deutsche Transsexuellengesetz trat 1980 in Kraft. Es ermöglicht Trans-Menschen zum Beispiel, ihren Vornamen zu ändern oder im Personenstandsregister ihren Status von "männlich" auf "weiblich" - oder umgekehrt - ändern zu lassen. Nicht möglich ist es, eine neutrale Formulierung zu wählen: Also laut Gesetz muss man sich zwischen zwei Geschlechtern entscheiden.

LGBT

LGBT ist die Abkürzung für "Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender" und steht für die Community von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern.

Problematische Formulierungen

  • "war früher ein Junge": Viele Trans-Männer würden wohl eher von sich sagen, dass sie früher auch schon Jungs waren - und Trans-Frauen eben Mädchen. Besser (falls es zutrifft): "Wurde als Junge großgezogen."
  • "wurde als Mädchen geboren": Das gleiche Spiel: Nur, weil eine Person bei der Geburt als Mädchen einkategorisiert wird, muss sie noch lange kein Mädchen SEIN.
  • "möchte gern eine Frau sein": Das deutet an, dass man sich ganz einfach für eine geschlechtliche Identität entscheiden kann. Transgender fühlen sich aber genauso als Mann oder eben Frau wie Cisgender.
  • "im falschen Körper geboren": Das ist die landläufige Phrase, um Transgender knackig zu beschreiben. Allerdings lehnen nicht alle Transgender ihre Körper ab und wenn dann häufig nur Teile davon, wie zum Beispiel die Geschlechtsmerkmale. Zu dem Thema gab es kürzlich auch eine Twitter-Debatte. Tenor: Die Vorstellungen der Gesellschaft sind falsch, nicht der Körper.
  • "er"/"sie": Eigentlich ganz einfach: Man wählt immer das Pronomen für eine Person, das sie auch selbst für sich nutzt. Auch wenn es früher vielleicht mal ein anderes war. Und ja, auch wenn man über die Vergangenheit spricht. Wenn auch der geringste Zweifel besteht, wie man eine Person ansprechen soll, am besten fragen. Die allermeisten Trans*-Menschen werden sehr viel lieber diese Frage beantworten, als ein weiteres Gespräch zu führen, in dem sie mit dem falschen Pronomen angesprochen werden.

Unsere Definitionen stützen sich auf die Publikation "Trans* in den Medien" von TransInterQueer e.V., das Portal gendertreff.de, die Trans*-Tagung München und die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität .

Schlagworte:
körper
psychologie
transgender

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Kommentare

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Frank Gommert, Freitag, 03.Juli, 13:10 Uhr

5. Transgender und transgeschlechtlichkeit in Bezug auf Transsexualität

Hallo,
leider sind ihre Quellen ausschließlich Vertreter von "Transgender" , transsexuelle Menschen sind hier leider wieder mal nicht gesehen worden.
Daher ist es zu Aussagen gekommen die so faktisch nicht akzeptabel sind.

Bei dem Begriff "Trans - Gender" fehlt die Übersetzung des Bestandteils "Gender" welcher in korrekter Übersetzung für "die soziale Geschlechtsrolle steht". Ebenso fehlt der Hinweis das viele transsexuelle Menschen und Menschen mit transsexueller Vergangenheit diesen Begriff als "Oberbegriff" ablehnen, ebenso wie die Gepflogenheit auch "Transsexuelle als Transgender Fremd zu Bestimmen".

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Verwendung der "transgeschlechtlichkeit" die in ihrer Aufzählung rein der Transsexualität zugeschrieben wird - dieser Begriff gilt jedoch für alle Menschen die von Trans-sexualität oder Trans-gender betroffen sind. Ebenfalls werden oft Queer lebende Menschen hier mit gemeint, die sich selbst als Transgender bezeichnen

Liebe Grüße,
Frank

Nikita Noemi Rothenbächer, Freitag, 03.Juli, 12:21 Uhr

4. Transgender

Da selbst Intersexuell denke und hoffe ich etwas Klarstellen zu können, keinen geht es etwas an welche "Persönlichkeit " jemand hat zum einen, da jedoch zu einer Minderheit gehöre ist der Begriff Transgender etwas Wichtiges für mich denn es Bedeutet jenseits festgelegter Grenzen, Grenzen welche wir kennen unter dieser Zweigeschlechtlichkeit, wer oder warum diese Regeln aufgestellt wurden lassen wir einmal da stehen! Was jedoch wirklich Abstoßend ist das Transgender der Hauptbegriff für viele Minderheiten wie Schwul Lesbisch TV oder Transsexuelle auch Intersexuelle das Recht auf Gleichbehandlung in der Gesellschaft anstrben. Minderheiten zusammen können dieses Recht erlangen, jedoch wenn sich diese Transgender unter sich Streiten wer hat mehr Rechte oder Weniger ist es wirklich etwas was nicht sein sollte! mfg Nikita Noemi Rothenbächer von http://trans-weib.blogspot.de/

Anne-Mette Gerdsen, Freitag, 03.Juli, 10:02 Uhr

3. ... und haben versucht die wichtigsten Wörter zu erklären

Guten Morgen,

für diesen Versuch möchte ich mich ausdrücklich bedanken!
Sicherlich ist an der einen oder anderen Stelle etwas "Feintuning" angesagt - und wenn sich die KritikerInnen einen Ruck geben und sie überhaupt wissen, was "konstruktive Kritik" ist, dann kann auf Basis Ihrer TRANSGENDER-BEGRIFFE-UND-FORMULIERUNGEN in konstruktiver Zusammenarbeit eine stimmige und aussagekräftige Info entwickelt werden.

Herzliche Grüße
Anne-Mette

Marielle, Donnerstag, 02.Juli, 23:54 Uhr

2. kein gender-Thema?

"So gehört zu einer der Hautstrategie zu behaupten, transsexuelle Frauen hätten ein Gender-Thema in ihrem Leben, anstatt ein körperliches. Aus Frauen mit vermännlichten Körpermerkmalen, ....." und so weiter, und so fort, und so immer wieder.

Liebe Frau Schicklang,

mal ganz abgesehen davon, dass eine Platte mit einem Sprung eine Platte mit einem Sprung ist und bleibt: Könnten Sie ihr ultrakonventionell-antifeministisches Weltbild nicht wenigstens mal soweit an die Realität anpassen, dass darin auch transsexuelle Männer vorkommen? Das auch Sie vielleicht doch irgendwann mal zur Kenntnis nehmen können, dass auch transsexuelle Menschen einem gesellschaftlichen Einfluss unterliegen, sprich: Ein gender-Thema in ihrem Leben haben, erwartet ja kaum noch jemand. Aber das mit den Transmännern, das sollte doch wenigstens klappen, oder?

Haben Sie es gut

Marielle

  • Antwort von Kim Schicklang, Freitag, 03.Juli, 12:47 Uhr

    Das "ultrakonventionell-antifeministisches Weltbild" haben die, die eine Ken-und-Barbie-Vorstellung über Körpermerkmale haben und den Frauen, die nicht mit Normkörpern geboren werden unterstellen, sie seien Männer, die sich "als Frauen identifizieren". Das ist reaktionär und biologistisch. Sich von der Vorstellung zu lösen, dass Körper immer Adam und Eva entsprechen müssen, die Deutung von Geschlecht und die Konstruktion von Gender ist antifeministisch. Nur mal so am Rande.

Kim Schicklang, Donnerstag, 02.Juli, 15:19 Uhr

1. Transsexuellenfeindliche Begriffsbibel

Sehr geehrte Damen und Herren,

Menschen, die mit abweichenden Körpermerkmalen geboren werden (transsexuell) haben es immer häufiger damit zu tun, dass sie für Interessen vereinnahmt werden sollen, die nicht die ihren sind. So gehört zu einer der Hautstrategie zu behaupten, transsexuelle Frauen hätten ein Gender-Thema in ihrem Leben, anstatt ein körperliches. Aus Frauen mit vermännlichten Körpermerkmalen, werden per Definition "Männer, die sich wie Frauen fühlen" gemacht. Auf dieser Idee basiert bis heute die geschlechtliche Kontrolle, die sich in Diagnosen wie "Gender Identity Disorder", aber auch "Gender Dysphorie"/"Gender Incongruence" wiederfindet.

Wir haben nun auf ihrer Website folgendes gefunden:
http://www.br.de/puls/themen/leben/transgender-begriffe-und-formulierungen-100.html

Diese Begriffsbibel vereinnahmt transsexuelle Menschen als "Transgender", obwohl es einen Unterschied zwischen "sex(us)" und "gender" gibt. Weder "sex(us)" kann ein Oberbegriff für "gender" sein

  • Antwort von PULS, Donnerstag, 02.Juli, 17:18 Uhr

    Hallo Kim,

    danke für deinen Kommentar. Wir freuen uns gerade bei diesem Thema über jede Anregung. Die Liste haben wir bewusst nicht Begriffsbibel genannt, weil das impliziert, unsere Definitionen seien in Stein gemeißelt. Das sind sie natürlich nicht.

    LG, Nicole von PULS