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Superkräfte vom Essen? Die fantastischen Fünf

Ewige Jugend, richtig viel Power und purzelnde Kilos: Manche Nahrungsmittel werden von Foodies als richtige Superhelden gefeiert – aber sind sie das auch? Fünf Lebensmittel im Faktencheck.

Von: Christina Metallinos

Stand: 10.05.2015

Gehypte Lebensmittel | Bild: BR

Das Superkorn! Oder auch: Chia-Samen

Angeblich gaben Chia-Samen schon den Azteken Power. Sie sind winzig klein, sehen aus wie Saatgut für den Balkonkasten und in Milch oder Wasser quellen sie extrem auf, weil sie das Siebenfache ihres Volumens aufnehmen. Ein Superschwamm.

Was soll's bringen?

Superschwamm heißt supersatt - und das mit wenig Kalorien. In der Diätszene werden Chia-Samen gehypt, weil sie den Bauch füllen und den Hüftspeck angeblich zum Schmelzen bringen. Der Grund: Ballaststoffe, Proteine, Nährstoffe - und Omega-3-Fettsäuren!

Was bringt’s echt?

Geht so. Zwar sind die Körner vollgepackt mit tollen Sachen, aber die meisten davon kann der menschliche Körper gar nicht anständig verwerten.

Wie schmeckt’s?

Nach nix. Allerdings sollte man nichts gegen schleimiges Essen haben, denn die aufgequollene Variante ist vor allem eines: glibbrig!

Wer würde das gerne essen?

Indiana Jones wäre bei so mancher Tour froh gewesen, wenn er was im Bauch gehabt hätte. Und vielleicht hätte er in einem alten Aztekentempel ja noch ein Special-Rezept mit Chia-Samen gefunden.

Wonder Berry! Oder auch: Acai

Acai - sprich: Assa-i - ist eine Beere, die an Palmen in Brasiliens Amazonasgebiet hängt. Und sie sieht zum Anbeißen gut aus: dunkellila, wie eine Mischung aus Heidel- und Holunderbeere.


Was soll’s bringen?

Zum Beispiel: Die Flaute im Bett beseitigen. Der Acai-Beere wird nämlich eine potenzsteigernde Wirkung nachgesagt. Außerdem weniger Kilos und strahlende Haut. Instagrammer lieben deshalb ihre morgendliche Acai-Bowl, also Acai-Püree mit Banane und Kakaobohnensplittern. Und ewige Jugend. Dank all der tollen Polyphenole. Das sind Entzündungshemmer, also natürliche Abwehrmechanismen gegen all die bösen Umwelteinflüsse, die unsere Haut faltig und unsere Leber krank machen.

Was bringt’s echt?

Bewiesen ist gar nix. Die meisten Studien zeigen bisher nur Erfolge im Reagenzglas. Aber am Menschen wurde noch kein hieb- und stichfester Nachweis gefunden, dass die Acai-Beere wirklich eine Wunderbeere ist.

Wie schmeckt’s?

Echt lecker! Nämlich wie eine Mischung aus Beeren und dunkler Schokolade.

Wer würde das gerne essen?

Madonna. Die isst es wahrscheinlich sogar schon, denn seit Jahren grassiert in den USA der Acai-Hype. Und auch wenn keiner weiß, ob es was bringt: Auf dem Weg zur ewigen Jugend stirbt die Hoffnung zuletzt.

Captain Alge! Oder auch: Chlorella

Klein, kugelförmig und vor allem so richtig grün. Die Süßwasseralge Chlorella hat jede Menge Chlorophyll und nur damit können Pflanzen Sonnenlicht überhaupt erst für sich nutzen. Kein Wunder also, dass der Alge Superkräfte für den Menschen nachgesagt werden.

Was soll’s bringen?

Proteine, Vitamine, Kraft - und diese ominöse Entgiftung. Naturheilkundler nutzen Algen wie Chlorella oder die Schwester namens Spirulina, um angebliche Schwermetalle aus dem Körper auszuleiten. Die machen ihrer Ansicht nach den modernen Menschen zum trägen Opfer des Industriezeitalters.

Was bringt’s echt?

Die Wissenschaft sagt: nö. Als Arzneimittel ist in Deutschland kein Algenpräparat zugelassen. Im Gegenteil: Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt sogar vor zu vielen Algen im Essen. Die binden Schadstoffe an sich und könnten diese dann im Körper freisetzen.

Wie schmeckt’s?

So, wie der kleine Schulteich im Hochsommer gerochen hat, wenn er gekippt ist. Fischig, vergoren, algig. Kaulquappen würden es sicher lieben.

Wer würde das gerne essen?

Bei so viel Chlorophyll kann man eigentlich nur grün werden - damit ist Chlorella das Frühstück für einen echten Superhelden: den unglaublichen Hulk.

Green Helmut! Oder auch: Grünkohl

In der deutschen Küche wäre der Grünkohl wohl immer noch inkognito als Hausmannskost unterwegs, wenn ihn nicht die hippen Amis als Superhelden enttarnt hätten. Seitdem wandern die grünen Kohlblätter in Turbomixer und werden zu Smoothies zerhäckselt. Grünkohl-Freaks backen sie sich im Ofen inzwischen auch zu knusprigen Chips oder kaufen sie für teures Geld im Bioladen.

Was soll’s bringen?

Der verkannte Superheld soll der Kick fürs Immunsystem sein. Ansonsten putzt er im Frühjahr auch gerne einmal den zugemüllten Körper durch: Grünkohl soll beim Entgiften helfen.

Was bringt’s echt?

Grünkohl ist gesundes Gemüse, mehr aber eben auch nicht. Er hat mehr Vitamin C als Orangen. Wer davon noch was haben will, sollte den Kohl aber nicht komplett zu Matsch zerkochen, sondern am besten roh pürieren.

Wie schmeckt’s?

Ganz schön gesund, würzig und trotzdem süß, wenn man es richtig macht. Ansonsten lässt sich der Geschmack mit den richtigen Smoothie-Partnern ja noch übertünchen.

Wer würde das gerne trinken?

Unsere Bundesmutti, Angela Merkel, könnte mit Grünkohl-Smoothies ein Zeichen setzen und sich als umweltbewusster Fan von Helmut Kohl outen.

Häuptling junges Blatt! Oder auch: Weizengras

Weizen enthält Kohlenhydrate, Weizen enthält Gluten, Weizen macht dick. So weit das böse Image. Aber: Baby-Weizen gehört  zu den Guten. Bevor sich auch nur ein Weizenhalm bilden kann, gibt es sattgrünes Gras auf den Feldern - gestatten: Weizengras.

Was soll’s bringen?

Aus dem Gras wird ein Saft gepresst, der es angeblich in sich hat: Fast alle Vitamine, die das ABC so hergibt, Zink, Eisen und und und. Ein Stamperl Weizengrassaft soll so viel Nährstoffe haben wie ein ganzes Kilo Gemüse.

Was bringt’s echt?

Nicht mehr als eben jede Menge Gemüse. Selbst eingeschworene Weizengrasfans empfehlen, nicht zu viel von dem Zeug zu trinken - sonst kann einem schon mal schwindelig werden. Ob das nun wirklich vom angeblichen Detox-Effekt kommt? Hm.

Wie schmeckt’s?

Wie Gras eben schmeckt - nämlich genau so, wie eine frischgemähte Wiese riecht. Wer einmal Weizengrassaft probiert hat, fühlt sich den Rest des Tages wie eine Kuh. Wiederkäuen inklusive.

Wer würde das gerne trinken?

Hollywoods Streberbrigade, angeführt von Gesundheitskönigin Gwyneth Paltrow. Nach einer Runde Yoga und einem Liter energetisiertem Wasser braucht man schon einmal etwas mit Substanz. Also 20 Milliliter Weizengrassaft ins Stamperl und ab damit!

Schlagworte:
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Jörg Ullmann, Montag, 18.Mai, 21:34 Uhr

1. "Was bringt`s echt? Die Wissenschaft sagt: nö."

Guten Abend,
ich möchte mich kurz zu dem Absatz über Chlorella äußern und dachte am Anfang, dass ein Zitat aus eben jenem Absatz reicht, um diesen auch abschließend und allumfassend zu kommentieren: "Was bringt`s echt? Die Wissenschaft sagt: nö."
Aber ein paar klitzekleine Anmerkungen seien mir erlaubt:
1. Chlorella und Spirulina sind keine Schwestern, sondern Pflanze und Bakterie, also noch nicht einmal "Bekannte" und Bekannter"!
3. Ein Stöbern in der umfangreichen Primärliteratur (englisch, wissenschaftlich) hätte sicher geholfen, die wirklich interessanten Punkte zu dieser und anderen Algen zu finden (z.B. nicht der Gehalt an Chlorophyll)!
3. Die Schadstoffproblematik einiger Produkte ist bekannt. Das ist aber ein Produzentenproblem, wie bei anderen "nicht-algigen" Lebensmitteln auch.
So, viel mehr Platz zum Schreiben ist leider nicht...
Viele Grüße, Dipl.-Biologe Jörg Ullmann (Algenfarmer, Referent, Autor)